Baltische Staaten sperren Luftraum für Ficos Moskau-Reise
Der slowakische Regierungschef Robert Fico plant erneut eine Reise nach Moskau zur Teilnahme an den russischen Feierlichkeiten zum "Tag des Sieges" am 9. Mai. Doch wie bereits im Vorjahr werden ihm die baltischen EU- und Nato-Staaten Estland, Lettland und Litauen den Überflug verweigern. Dies bestätigte Estlands Außenminister Margus Tsahkna in Tallinn.
Estland begründet klare Position
"Fico wird erneut keine Genehmigung erhalten, den estnischen Luftraum für einen Flug nach Moskau zur Teilnahme an der Parade am 9. Mai zu nutzen", erklärte Tsahkna. Die Position Estlands sei eindeutig: Kein Land dürfe den estnischen Luftraum nutzen, um die Beziehungen zu Russland zu stärken, solange Moskau internationale Normen missachte und seine Aggressionen gegen die Ukraine fortsetze.
Fico hatte selbst in einem Facebook-Video mitgeteilt, dass ihm Lettland und Litauen den Überflug verweigern. Offizielle Bestätigungen aus Riga und Vilnius lagen zunächst nicht vor. Die drei Baltenstaaten sind enge Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion wehrt.
Historische Differenzen im Gedenken
Russland begeht jedes Jahr am 9. Mai den "Tag des Sieges" zum Gedenken an den sowjetischen Sieg über Hitlerdeutschland. Für die meisten Esten, Letten und Litauer markiert dieses Datum jedoch nicht den Sieg, sondern den Beginn der erneuten Besatzung ihrer Heimatländer durch die Sowjetunion nach dem Zweiten Weltkrieg. Estland, Lettland und Litauen waren abwechselnd von der Sowjetunion und Deutschland besetzt und blieben bis 1991 Teil der Sowjetunion.
Bereits im Vorjahr hatten die baltischen Staaten ihren Luftraum für Staats- und Regierungschefs gesperrt, die zu den Feierlichkeiten nach Moskau reisen wollten. Damals war Fico neben dem serbischen Staatschef Aleksandar Vučić der einzige Gast aus Europa.
Ficos geplante Gedenkreisen
In seinem Facebook-Video vor zwei Wochen hatte Fico angekündigt, neben der Kranzniederlegung in Bratislava an drei internationalen Gedenkveranstaltungen teilnehmen zu wollen:
- Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers in Dachau (noch ohne konkreten Termin)
- Teilnahme an den Feierlichkeiten in Moskau am 9. Mai
- Gedenken in der Normandie im Juni
"Ich will meine Ehrerbietung allen erweisen, die gegen den Faschismus kämpften, und jenen, die seine Opfer wurden und unglaubliches Leid ertragen mussten", sagte Fico. Er kritisierte wiederholt, dass westliche Staaten am Gedenken in Moskau nicht teilnehmen, und forderte, aktuelle Konflikte und gemeinsames Gedenken auseinanderzuhalten.
Ficos geplante Reise nach Moskau unterstreicht seine anhaltende Nähe zu Russlands Machthaber Wladimir Putin, während viele europäische Staaten aufgrund des Krieges gegen die Ukraine auf Distanz zu Moskau gegangen sind. Die erneute Überflugverweigerung durch die baltischen Staaten zeigt die anhaltenden Spannungen innerhalb Europas im Umgang mit Russland.



