Frankreich verstärkt nukleare Abschreckung und sucht europäische Partner
Angesichts zunehmender geopolitischer Spannungen und Unsicherheiten im internationalen Umfeld baut Frankreich seine nuklearen Kapazitäten aus. Präsident Emmanuel Macron hat angeordnet, die Zahl der Atomsprengköpfe zu erhöhen und gleichzeitig den atomaren Schutzschirm auf europäische Partner auszudehnen.
Mehr Sprengköpfe und europäische Zusammenarbeit
Frankreich wird künftig nicht mehr über die genaue Anzahl seiner Atomwaffen informieren. Das Land besitzt derzeit nach Angaben des Friedensforschungsinstituts Sipri etwa 290 der weltweit rund 12.200 Atomwaffen und ist damit die viertgrößte Atommacht nach Russland, den USA und China. Seit dem Austritt Großbritanniens aus der EU im Jahr 2020 ist Frankreich die einzige verbliebene Atommacht innerhalb der Europäischen Union.
Macron betonte bei einer Rede auf dem Atom-U-Boot-Stützpunkt Île Longue in der Bretagne: „Wer frei sein will, muss gefürchtet sein. Wer gefürchtet sein will, muss stark sein.“ Diese Stärke soll nun auch europäischen Partnern zugutekommen.
Acht europäische Länder zeigen Interesse
Insgesamt acht Länder haben laut Macron positiv auf das französische Gesprächsangebot für eine Ausweitung der nuklearen Abschreckung reagiert. Deutschland wird dabei als wichtigster Partner genannt. Weitere interessierte Staaten sind Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden und Dänemark.
„Es wurden Kontakte zu einer ersten Gruppe von Verbündeten geknüpft, angefangen natürlich mit unserem wichtigsten Partner, Deutschland“, erklärte Macron. „Heute kann somit eine neue Etappe der französischen Abschreckung konkretisiert werden.“
Gemeinsame Übungen, aber französische Kontrolle
Konkret sieht die Zusammenarbeit vor, dass Partnerländer an französischen Atomübungen teilnehmen können. Außerdem könnten strategische Elemente vorübergehend zu Verbündeten verlegt werden, und die französischen Luftstreitkräfte könnten verstärkt in Europa operieren.
In einer gemeinsamen Erklärung mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) wurde bereits eine konventionelle Beteiligung Deutschlands an französischen Nuklearübungen vereinbart. Geplant sind zudem gemeinsame Besuche strategischer Einrichtungen und die Weiterentwicklung konventioneller Fähigkeiten mit europäischen Partnern. Frankreich und Deutschland wollen ihre Fähigkeiten unterhalb der nuklearen Schwelle verbessern, insbesondere in den Bereichen Frühwarnung, Luftverteidigung und Präzisionsschlägen.
Macron betonte jedoch deutlich: Die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen bleibt in jedem Fall beim französischen Präsidenten – ebenso wie deren Planung und Umsetzung.
Ausbau des französischen Atomarsenals
Zur Begründung des Ausbaus verwies Macron auf wachsende nukleare Bedrohungen weltweit. Er nannte konkret die zunehmende atomare Rüstung Chinas, die explosive Lage im Nahen Osten sowie die Bedrohung durch Russland. „Die Bedrohung vermische sich und die Verteidigung möglicher Gegner werde stärker“, so der Präsident.
Frankreich plant bis 2036 den Bau eines neuen Atom-U-Bootes und die Entwicklung eines Programms für Hyperschallraketen. Das Land verfügt derzeit über vier Atom-U-Boote, die Raketen mit Atomsprengköpfen über eine Reichweite von etwa 10.000 Kilometern abfeuern können. Zusätzlich können französische Rafale-Kampfjets Marschflugkörper mit Nuklearsprengköpfen einsetzen, die offiziell eine Reichweite von rund 500 Kilometern haben.
Macron betonte, dass ein größeres Atomarsenal notwendig sei, um die Glaubwürdigkeit der Abschreckung zu gewährleisten, dies solle aber nicht zu einem atomaren Rüstungswettlauf führen. „Ich schulde es Frankreich, sicherzustellen, dass die Abschreckung glaubhaft bleibe“, erklärte der Staatschef.



