Eskalation im Persischen Golf: Iran setzt Angriffe auf Nachbarstaaten fort
Trotz der seit über einem Monat andauernden massiven Luftangriffe der Vereinigten Staaten und Israels zeigt sich der Iran weiterhin zu militärischen Gegenschlägen in der Lage. In der jüngsten Nacht gerieten erneut mehrere Golfstaaten unter Beschuss, während gleichzeitig ein schwerwiegender Vorfall im Persischen Golf die angespannte Sicherheitslage verdeutlicht.
Neue Angriffswelle erfasst die Region
Saudi-Arabien, Kuwait, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate meldeten in den frühen Morgenstunden erneute Angriffe mit ballistischen Raketen und unbemannten Drohnen. Besonders betroffen war das Königreich Saudi-Arabien, dessen Luftverteidigung nach Angaben des Verteidigungsministeriums in kurzen Abständen mehrere Raketen abwehren musste. Auch in Kuwait und Bahrain heulten die Luftalarmsirenen, als iranische Geschosse auf die Staaten niedergingen.
Öltanker vor Dubai in Flammen
Parallel zu den Luftangriffen ereignete sich im Persischen Golf ein folgenschwerer Zwischenfall: Vor der Küste von Dubai wurde ein riesiger kuwaitischer Öltanker von einem Geschoss getroffen. Die Kuwait Petroleum Corporation bestätigte den Vorfall über die staatliche Nachrichtenagentur Kuna. An Bord des Tankers brach ein schweres Feuer aus, das nach Angaben der Behörden in Dubai erst nach mehreren Stunden intensiver Löscharbeiten unter Kontrolle gebracht werden konnte. Glücklicherweise wurden bei dem Angriff keine Verletzten gemeldet.
USA drohen mit militärischen Optionen
US-Außenminister Marco Rubio zeigte sich in einem Interview mit dem Sender Al Jazeera überzeugt, dass die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden wird – „so oder anders“. Entweder werde sich der Iran bereiterklären, sich an internationales Recht zu halten und die Blockade der Meerenge zu beenden, oder eine internationale Koalition unter Beteiligung der USA werde dafür sorgen, dass die Schifffahrtsroute offen bleibt.
Rubio ließ keinen Zweifel an den Konsequenzen, sollte Teheran seine Blockadepolitik fortsetzen: „Dem Iran drohen dann wirkliche Konsequenzen, nicht nur seitens der Vereinigten Staaten, sondern von Ländern in der Region und der Welt.“
Strategische Bedeutung der Hormusstraße
Die Straße von Hormus stellt eine der wichtigsten maritimen Handelsrouten der Welt dar. Durch die nur etwa 39 Kilometer breite Meerenge werden täglich etwa 20 Prozent des weltweit gehandelten Erdöls transportiert. Seit der Iran mit Angriffen und Drohungen die Schifffahrt durch die Passage nahezu zum Erliegen gebracht hat, sind die globalen Energiepreise für Rohöl und Flüssiggas deutlich angestiegen. Die faktische Blockade bremst die internationale Energieversorgung spürbar aus.
Iran zeigt sich unbeeindruckt
Der Iran demonstriert weiterhin Entschlossenheit. Außenminister Abbas Araghtschi forderte in der Nacht über die Plattform X Saudi-Arabien auf, es sei „höchste Zeit, die US-Streitkräfte des Landes zu verweisen“. Diese Äußerung erfolgte kurz nach den Raketenangriffen auf das Königreich.
Gleichzeitig berichten mehrere Medien über die Ankunft hunderter weiterer Mitglieder von US-Spezialeinheiten im Nahen Osten. Laut der „New York Times“ und CBS News haben sich Navy Seals – eine Eliteeinheit der US-Marine – Tausenden bereits stationierten Marineinfanteristen und Fallschirmjägern angeschlossen.
Militärische Optionen und diplomatische Bemühungen
Mit den zusätzlichen Truppen stehen US-Präsident Donald Trump nach Medienberichten weitere militärische Optionen zur Verfügung. Dazu zählen mögliche Operationen zur Öffnung der Straße von Hormus, die Einnahme der für Irans Ölexport wichtigen Insel Charg oder die Sicherstellung von Irans hochangereichertem Uran. Solche Einsätze wären jedoch deutlich komplexer und risikoreicher als die bisherigen Luftangriffe.
Seit Tagen kursieren Berichte über eine mögliche Bodenoffensive des US-Militärs. Trump drängt Teheran öffentlich zu einer diplomatischen Lösung des von den USA und Israel begonnenen Konflikts, spart aber gleichzeitig nicht mit Drohungen einer weiteren militärischen Eskalation.
Ukraine bietet Unterstützung an
Interessant ist die Rolle der Ukraine in diesem Konflikt. Nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj möchten mehrere Golfstaaten mit seinem Land im Verteidigungsbereich zusammenarbeiten. Es gebe bereits Vereinbarungen mit Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar. Die Ukraine, die sich seit über vier Jahren gegen die russische Invasion verteidigt, bietet seit Beginn des Iran-Kriegs Staaten der Region Hilfe bei der Drohnenabwehr an – eine Expertise, die angesichts der aktuellen Bedrohungslage besonders gefragt ist.



