Ehemaliger Stasi-Häftling führt durch DDR-Untersuchungshaftanstalt in Neubrandenburg
In Neubrandenburg wird die dunkle Geschichte der Staatssicherheit der DDR lebendig. Ab April 2026 bietet der ehemalige politische Gefangene Thoralf Maaß regelmäßige Führungen durch die frühere Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit auf dem Lindenberg an. Maaß, der Ende der 1980er Jahre selbst in dieser Einrichtung von der DDR-Geheimpolizei gefangen gehalten wurde, gibt Besuchern einen authentischen Einblick in die Unterdrückungspraxis des SED-Regimes.
Monatliche Führungen bis September 2026 geplant
Die Führungen finden jeweils am ersten Mittwoch des Monats von April bis September 2026 statt. Die Termine sind konkret:
- 1. April 2026
- 6. Mai 2026
- 3. Juni 2026
- 1. Juli 2026
- 5. August 2026
- 2. September 2026
Beginn ist jeweils um 16.45 Uhr, wobei die Führung etwa 80 Minuten dauert. Nach 17 Uhr ist kein Einlass mehr möglich. Der Treffpunkt befindet sich vor der ehemaligen Haftanstalt in der Neustrelitzer Straße 120 auf dem Lindenberg. Bereits ab 16 Uhr sind an diesen Tagen zusätzlich Bürgerberatungen und Antragstellungen möglich.
Historische Bedeutung der Haftanstalt
Die Untersuchungshaftanstalt in Neubrandenburg ist ein besonders eindrückliches Zeugnis der DDR-Vergangenheit. Sie steht in ihrer ursprünglichen Größe auf dem ehemaligen Stasigelände und verdeutlicht so die systematische Unterdrückung durch den SED-Staat. Insgesamt existierten in der DDR 17 solcher geheimen Hafteinrichtungen der Staatssicherheit, die parallel zu den offiziellen Gefängnissen operierten. Diese Einrichtungen hatten keine gesetzliche Grundlage und ihre Existenz wurde vom Regime konsequent geleugnet.
Bildungsangebot zur Aufklärung
Die Führungen werden gemeinsam vom Stasi-Unterlagen-Archiv Neubrandenburg und dem Verein „Gedenkort Lindenberg“ organisiert. Beide Institutionen betonen, dass mit diesem neuen Format die Aufklärung über das SED-Unrecht in der Region gefördert werden soll. Das Gebäude selbst biete dafür einen authentischen und bedrückenden Anlass. Die Teilnahme an den Führungen ist kostenfrei, allerdings ist das Gelände nicht barrierefrei zugänglich.
Dieses Angebot ermöglicht es Interessierten, Geschichte nicht nur aus Büchern, sondern am Originalschauplatz und durch die persönlichen Erfahrungen eines Zeitzeugen zu erfahren. Thoralf Maaß führt die Besucher durch Räume, die für ihn und viele andere ein Ort des Leidens waren, und trägt so zur wichtigen Erinnerungsarbeit bei.



