Naher Osten im Flächenbrand: Iran-Krieg eskaliert weiter ohne Entspannung in Sicht
Die US-israelischen Angriffe auf den Iran haben einen Flächenbrand im Nahen Osten entfacht. Auch nach fünf Tagen Krieg zeichnet sich keine Entspannung ab – ganz im Gegenteil. Die Konfliktparteien setzen ihre Angriffe unvermindert fort und die Gewaltspirale dreht sich weiter.
Angriffe auf Teheran und Raketenalarm in Tel Aviv
Die israelische Armee startete nach eigenen Angaben eine neue Angriffswelle im Iran und nahm dabei Ziele der iranischen Führung in Teheran ins Visier. Parallel dazu heulten im Großraum Tel Aviv wegen andauernder Raketenangriffe immer wieder die Warnsirenen. Nach Militärangaben flogen die Raketen erstmals gleichzeitig aus dem Iran und dem Libanon ein. Die Zahl der Todesopfer im Iran ist laut einer staatsnahen Stiftung auf mehr als 1.000 gestiegen.
Israel droht mit Eliminierung von Chamenei-Nachfolger
Im Iran geht unterdessen die Suche nach einem Nachfolger für den am Samstag getöteten Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei weiter. Israel drohte unverhohlen, man werde auch diesen töten. Verteidigungsminister Israel Katz schrieb auf X, jeder Anführer, der im Iran ernannt werde, „um weiterhin das Programm zur Vernichtung Israels voranzutreiben, die USA, die freie Welt und die Staaten der Region zu bedrohen und das iranische Volk zu unterdrücken, wird ein eindeutiges Ziel für eine Eliminierung sein“.
In Kürze soll eine Trauerzeremonie für Chamenei stattfinden. Berichte über eine Veranstaltung am Mittwochabend wies der staatliche Rundfunk zunächst zurück. Ort und Zeit würden bald verkündet werden, hieß es. Dabei dürften auch Sicherheitsgründe eine Rolle spielen. Chamenei soll im schiitischen Heiligtum und Pilgerzentrum seiner Heimatstadt Maschhad beerdigt werden.
Türkisches Nato-Abwehrsystem fängt iranisches Geschoss ab
Ein aus dem Iran abgefeuertes Geschoss ist nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums von einem Nato-Abwehrsystem abgefangen worden. Das ballistische Geschoss war in Richtung des türkischen Luftraums unterwegs und durchquerte den Luftraum des Irak und Syriens. Ein Teil der Abwehrrakete fiel demnach in der Grenzprovinz Hatay auf eine freie Fläche, es gab keine Verletzten. Der Kommunikationschef des Präsidialamts, Burhanettin Duran, schrieb auf X, es habe sich um eine Rakete gehandelt. Die Türkei verhält sich im Krieg gegen den Iran neutral und hat sich lange um eine diplomatische Lösung des Konflikts bemüht.
Wechselseitige Angriffe zwischen Israel und Iran
Die israelische Armee startete in der Nacht eigenen Angaben nach die bisher zehnte Angriffswelle auf den Iran seit Kriegsbeginn am Samstag. Zudem wurde mitgeteilt, ein israelischer Kampfjet des Typs F-35 (Adir) habe ein iranisches Trainingsflugzeug des Typs Jak-130 im Himmel über Teheran abgeschossen. Dies sei der erste Vorfall dieser Art.
Auch in Israel dauerten iranische Raketenangriffe an, in der Nacht und am Morgen gab es Raketenalarm im Großraum Tel Aviv. Eine 17. Welle mit mehr als 40 Raketen sei auf israelisch-amerikanische Ziele gefeuert worden, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk veröffentlichten Erklärung der Revolutionsgarden.
Erneute Raketen aus dem Libanon seien in der Nacht größtenteils abgefangen worden, teilte die israelische Armee mit. Nach Angaben von Rettungskräften gab es zunächst keine Verletzten bei den neuen Angriffen auf Israel. Am Vortag waren nach Angaben des Rettungsdienstes Magen David Adom 45 Menschen bei Raketenangriffen verletzt worden.
Der Iran schoss nach eigenen Angaben israelische und amerikanische Kampfdrohnen ab. Bei den israelisch-amerikanischen Angriffen kamen bisher mindestens 1.045 Menschen ums Leben. Unter den Toten seien sowohl Zivilisten als auch Militärangehörige, berichteten iranische Medien übereinstimmend unter Berufung auf die staatliche Stiftung für Märtyrer und Veteranen. Die Angaben der Kriegsparteien lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Israel startet neue Angriffe im Libanon
Israels Armee begann am Morgen indes selbst mit Angriffen auf „Hisbollah-Infrastruktur“ in Beirut, nachdem das Militär die Einwohner mehrmals vorgewarnt hatte. Laut Augenzeugen bombardierten Kampfjets am Morgen weiter die südlichen Vororte der Hauptstadt.
Bei einem Angriff auf ein Beiruter Hotel wurden nach dortigen Angaben fünf Menschen verletzt. Eine Frau davon lebensgefährlich, sagte der Hotelbesitzer der Deutschen Presse-Agentur. In dem Hotel hätten sich Menschen aufgehalten, die vor Israels Angriffen im Raum Beirut geflohen seien.
Israel setzte seine Angriffe auch in anderen Teilen des Libanons fort. Bei einem Angriff auf ein Wohngebäude in Baalbek im Osten wurden nach offiziellen Angaben sechs Menschen getötet und 15 weitere verletzt. Bei Angriffen unter anderem in der Küstenstadt Saadijat wurden dem Gesundheitsministerium zufolge sechs Menschen getötet und acht weitere verletzt. Im Libanon wurden in vergangenen Tagen mehr als 40 Menschen durch Israels Angriffe getötet.
Iran attackiert weiterhin Golfstaaten
Der Iran attackierte weiterhin Golfstaaten. Saudi-Arabien und Katar meldeten Angriffe etwa auf US-Stützpunkte. Als Reaktion auf die amerikanisch-israelischen Militärschläge im Iran greift Teheran seit Tagen unter anderem Ziele in den Golfstaaten an, darunter auch US-Militärstützpunkte und -Botschaften.



