Iran-Krieg: Zweiwöchige Feuerpause vereinbart - Wohin führt der Zehn-Punkte-Plan?
Nach der Verkündung einer zweiwöchigen Waffenruhe im Iran-Krieg und der angekündigten Öffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus herrschte zunächst weltweit Erleichterung. Doch die Atempause könnte nur von kurzer Dauer sein, denn bereits jetzt zeichnen sich zahlreiche offene Fragen und widersprüchliche Angaben ab. Die kommenden vierzehn Tage werden entscheidend sein für den weiteren Verlauf des Konflikts.
Fragwürdige Waffenruhe mit regionalen Unterschieden
Die von Pakistan vermittelte Vereinbarung sieht vor, dass die Feuerpause sofort in Kraft treten soll. Allerdings meldeten israelische Quellen, dass das Land auch nach der offiziellen Verkündung noch unter Raketenbeschuss aus dem Iran stand. Gleichzeitig wurden im Westiran weitere Explosionen registriert, was die tatsächliche Umsetzung der Waffenruhe in Frage stellt.
Besonders kontrovers ist die Frage der regionalen Gültigkeit. Während iranische Stellen betonen, dass die Feuerpause an allen Fronten gelten soll, hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu bereits klargestellt, dass dies für den Libanon nicht der Fall sein werde. Diese Diskrepanz könnte zu erneuten Spannungen führen, zumal die libanesische Nachrichtenagentur NNA noch am Morgen nach der Vereinbarung neue israelische Angriffe im Südlibanon meldete.
Der umstrittene Zehn-Punkte-Plan des Iran
Obwohl weder die Islamische Republik Iran noch die USA den offiziellen Inhalt des vom Iran vorgelegten Dokuments veröffentlicht haben, sickerten bereits Details durch Nachrichtenagenturen durch, die den mächtigen Revolutionsgarden nahestehen. Laut diesen Berichten fordert Teheran in dem Papier:
- Eine dauerhafte Einstellung aller Aggressionen
- Die Beibehaltung der iranischen Kontrolle über die Straße von Hormus
- Das Recht auf Urananreicherung
- Die Aufhebung internationaler Sanktionen und UN-Strafmaßnahmen
- Die Annullierung von IAEA-Resolutionen
- Kriegsentschädigungen
- Einen Abzug der US-Streitkräfte aus der Region
- Ein Ende des Krieges an allen Fronten, einschließlich im Libanon
Interessanterweise berichtet die Nachrichtenagentur Fars zusätzlich, dass sich der Iran im Gegenzug verpflichten würde, niemals Atomwaffen herzustellen und die Urananreicherung nach weiteren Verhandlungen einzuschränken. Teheran soll außerdem bereit sein, mit anderen Ländern der Region über Friedensabkommen zu sprechen.
Wer geht als Sieger aus der vorläufigen Einigung hervor?
US-Präsident Donald Trump präsentiert die Vereinbarung als großen Erfolg für die Vereinigten Staaten. Internationale Beobachter sehen dies jedoch kritischer. Der Sicherheitsexperte Carlo Masala bewertet die Entwicklung im Deutschlandfunk sogar als „strategische Niederlage der Vereinigten Staaten von Amerika“, da der Zehn-Punkte-Plan kaum iranisches Entgegenkommen gegenüber ursprünglichen amerikanischen Forderungen enthalte.
Der demokratische Senator Richard Blumenthal brachte es auf X auf den Punkt: „Eine Waffenruhe ist für das amerikanische Volk kein Sieg.“ Der Iran hingegen sieht sich selbst als klaren Gewinner und erklärt, die USA und Israel in eine Niederlage geführt zu haben.
Diplomatische Bemühungen laufen auf Hochtouren
Pakistans Premierminister Shehbaz Sharif hat bereits Delegationen der USA und des Iran für weitere Gespräche am Freitag nach Islamabad eingeladen. Dort sollen die Grundlagen für ein endgültiges Abkommen zur Beilegung des Konflikts erarbeitet werden. Nach pakistanischen Quellen könnten auch Vertreter aus Saudi-Arabien, der Türkei und Ägypten an den Verhandlungen teilnehmen.
Auch europäische Regierungschefs zeigen sich engagiert. Der britische Premier Starmer wird noch in dieser Woche in die Golfregion reisen, um mit Verbündeten über diplomatische Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Waffenruhe zu beraten. Ein zentrales Thema wird dabei die Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus sein.
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte die Unterstützung der Bundesregierung für alle diplomatischen Bemühungen: „Deutschland wird in geeigneter Weise dazu beitragen, die freie Schifffahrt in der Hormus-Straße zu gewährleisten.“ Die Bundesregierung stehe in engem Austausch mit den USA und anderen internationalen Partnern.
Israels ambivalente Haltung
Obwohl Israel nicht direkt an den Verhandlungen beteiligt war, unterstützt die Regierung unter Benjamin Netanjahu Trumps Entscheidung, die Angriffe auf den Iran für zwei Wochen einzustellen. Dies gelte jedoch unter der klaren Voraussetzung, dass der Iran seinerseits die Straße von Hormus öffnet und seine Angriffe vollständig einstellt.
Israel besteht weiterhin darauf, dass der Iran mit seinem Atom- und Raketenprogramm keine Bedrohung mehr für die USA, Israel und die arabischen Nachbarn Teherans darstellen darf. Die Feuerpause umfasse aus israelischer Sicht explizit nicht den Libanon, was zu weiteren Spannungen mit der von Iran unterstützten Hisbollah führen könnte.
Die zweiwöchige Waffenruhe bietet eine kurze Atempause, doch die fundamentalen Differenzen zwischen den Konfliktparteien bleiben bestehen. Die kommenden Verhandlungen in Islamabad werden zeigen, ob aus der vorläufigen Feuerpause ein dauerhafter Frieden erwachsen kann oder ob der Konflikt nach Ablauf der Frist erneut eskalieren wird.



