Iran-Krieg weitet sich regional aus: Drohnen treffen Aserbaidschan
Der nunmehr sechste Tag des Iran-Krieges wird mit unverminderter Heftigkeit fortgesetzt. Die regionalen Auswirkungen werden immer deutlicher, nachdem sich der Konflikt nun auch auf Aserbaidschan ausgeweitet hat. In der aserbaidschanischen Exklave Nachitschewan schlugen am Donnerstag Drohnen am Flughafen und in Schulnähe ein, wie lokale Quellen berichten.
Der Iran bestreitet zwar jede Verantwortung für diesen Angriff, doch Aserbaidschan kündigte umgehend Vergeltung für den als abscheulichen Terrorakt bezeichneten Vorfall an. Präsident Ilham Aliyev versetzte die nationalen Streitkräfte in erhöhte Einsatzbereitschaft. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnte in Brüssel: Der Iran exportiert den Krieg und versucht, ihn auf so viele Länder wie möglich auszuweiten, um Chaos zu säen.
USA und Israel setzen Luftangriffe fort
Parallel dazu setzten die Vereinigten Staaten und Israel ihre koordinierten Attacken gegen Ziele im Iran fort. Iranische Medien berichten übereinstimmend von mindestens 1.230 Todesopfern bei diesen Luftangriffen, wobei sowohl Zivilisten als auch Militärangehörige betroffen sein sollen. Diese Zahlen, die auf Angaben der staatlichen Stiftung für Märtyrer und Veteranen basieren, lassen sich aktuell nicht unabhängig verifizieren.
Als Reaktion feuerte der Iran nach israelischen Militärangaben Raketen auf Tel Aviv ab. Ein israelischer Fernsehsender meldete, ein Passagierflugzeug habe während des Angriffs den Landeanflug auf den Flughafen von Tel Aviv abbrechen müssen. Offizielle Bestätigungen hierfür stehen noch aus.
Regionale Eskalation und mögliche Huthi-Beteiligung
Die israelische Luftwaffe griff erneut Stellungen der iranisch unterstützten Hisbollah in Beirut an und rief anschließend Bewohner der südlichen Vororte zur Evakuierung auf. Diese Gebiete gelten als Hochburg der Hisbollah, sind aber gleichzeitig dicht besiedelte Wohnviertel.
Der Konflikt hatte die Auseinandersetzungen zwischen Israel und der Hisbollah neu entfacht, nachdem diese als Reaktion auf die Tötung des iranischen Staatsoberhaupts Ali Chamenei Raketen auf Israel abfeuerte. Israelische Quellen bereiten sich zudem auf eine mögliche Beteiligung der mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen aus dem Jemen vor, deren bisheriges Zögern Rätsel aufgibt.
Nach einem Drohnenangriff auf den britischen Militärstützpunkt Akrotiri bei Limassol kündigten Großbritannien und Zypern an, die Luftabwehr der Mittelmeerinsel zu verstärken.
Energiemärkte unter Druck und Öltankerangriff
Die weitere regionale Ausbreitung des Krieges erhöht den Druck auf die globalen Energiemärkte erheblich. Angesichts bereits bestehender Lieferengpässe in der strategisch wichtigen Straße von Hormus, durch die etwa ein Fünftel des weltweiten Öltransports fließt, stiegen die Benzinpreise weiter an.
Die iranischen Revolutionsgarden meldeten einen Angriff auf einen Öltanker im nördlichen Persischen Golf, was die angespannte Lage zusätzlich verschärft.
Unklare Rolle der irakischen Kurden
Im Schatten des Iran-Krieges rücken zunehmend die Kurden im benachbarten Irak in den Fokus, deren Rolle jedoch noch völlig unklar bleibt. Nechirvan Barsani, Präsident der Autonomen Region Kurdistan im Nordirak, betonte den friedlichen Kurs seiner Regierung: Die Kurdistan-Region wird stets ein Grundpfeiler des Friedens bleiben und sich nicht auf Konflikte oder militärische Eskalationen einlassen, die das Leben und die Sicherheit unserer Bevölkerung gefährden.
Medienberichten zufolge erwägt US-Präsident Donald Trump, irakische Kurden und oppositionelle Gruppen im Iran zu unterstützen, sollten diese aktiv gegen die iranische Führung vorgehen. Die irakischen Kurden unterhalten zahlreiche Kämpfer entlang der etwa 1.500 Kilometer langen Grenze zum Iran. Berichte über eine mögliche Bewaffnung durch den US-Geheimdienst CIA wurden von Trump jedoch dementiert.
Nachfolge Chameneis und strategische Kriegsziele
Weiterhin ungeklärt bleibt die Nachfolge des getöteten Religionsführers Ajatollah Ali Chamenei. Die iranische Führung steht vor der schwierigen Aufgabe, Trauerzeremonien zu organisieren, bei denen die gesamte politische und militärische Elite anwesend sein müsste – darunter auch Modschtaba Chamenei, der als möglicher Nachfolger seines Vaters und damit als potenzielles Ziel israelischer Angriffe gilt.
Die USA und Israel begründen ihre Angriffe mit dem Ziel, den Iran dauerhaft von der Entwicklung von Atomwaffen abzuhalten. Zusätzlich sollen das Arsenal an ballistischen Raketen sowie die dazugehörige Produktionsinfrastruktur zerstört werden, um Angriffe auf US-Einrichtungen und Verbündete zu verhindern. Ein weiteres strategisches Ziel ist die Zerstörung der iranischen Kriegsmarine zur Sicherung des freien Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus.
EU warnt vor indirekter Stärkung Putins
EU-Außenbeauftragte Kallas äußerte die Besorgnis, dass der Konflikt dem russischen Präsidenten Wladimir Putin indirekt nutzen könnte. Wenn der Ölpreis steigt, nützt das Russland bei der Finanzierung seines Krieges, erklärte sie mit Blick auf die Invasion in der Ukraine. Zudem würden dringend benötigte Verteidigungsfähigkeiten aus der Ukraine in den Nahen Osten verlagert, was die europäische Sicherheitslage zusätzlich kompliziert.



