Iran schließt Straße von Hormus erneut - Schüsse auf Öltanker nach kurzer Öffnung
Iran schließt Straße von Hormus erneut - Schüsse auf Tanker

Iran nimmt Öffnung der Straße von Hormus zurück - Militärische Eskalation

Kaum 24 Stunden nach der überraschenden Ankündigung hat der Iran die Öffnung der strategisch wichtigen Straße von Hormus wieder rückgängig gemacht und geht dort erneut militärisch gegen Schiffe vor. Ein Sprecher des Hauptquartiers der Streitkräfte begründete diesen Schritt laut der Nachrichtenagentur Fars mit der anhaltenden Blockade iranischer Häfen durch die USA.

Gewaltsame Stopps und Schüsse auf Supertanker

Unmittelbar nach dem Widerruf der Öffnung stoppten die iranischen Revolutionsgarden gewaltsam zwei Schiffe in der Meerenge. Nach Angaben eines Online-Schiffsverfolgungsdienstes handelte es sich dabei um einen Supertanker mit zwei Millionen Barrel irakischem Rohöl an Bord, was etwa 272.000 Tonnen entspricht.

Die britische Behörde für die Sicherheit der Handelsschifffahrt (UKMTO) bestätigte auf der Plattform X unter Berufung auf den Kapitän eines Schiffs, dass zwei Schnellboote der Revolutionsgarden sich dem Tanker genähert und Schüsse abgegeben hätten. Die genauen Umstände und mögliche Schäden sind noch nicht vollständig geklärt.

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Diplomatische Bemühungen vor entscheidender Frist

Diese Entwicklung wirft Fragen über den Einfluss auf die angestrebten neuen Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran auf. Ein konkreter Termin für die Wiederaufnahme der am vergangenen Sonntag ergebnislos abgebrochenen Gespräche steht noch nicht fest, doch ein wichtiges Datum rückt näher: Am kommenden Mittwoch endet die derzeitige Feuerpause zwischen den USA und Israel einerseits und dem Iran andererseits.

Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf hatte bereits im Vorfeld gewarnt, die Meerenge werde nicht offen bleiben, wenn die USA weiter iranische Häfen blockierten. Damit reagierte er auf die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump auf Truth Social, die Blockade bleibe „bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran“ bestehen.

Iran fordert Bewegungsfreiheit für seine Schiffe

In einer offiziellen Erklärung des Iran heißt es nun, wegen der anhaltenden Blockade sei die Kontrolle über die Straße von Hormus wieder in den früheren Zustand zurückgekehrt. An dieser Position werde sich nichts ändern, solange die Vereinigten Staaten die uneingeschränkte Bewegungsfreiheit von Schiffen vom Iran zu ihren Bestimmungsorten und zurück nicht wiederherstellten.

Die zwischenzeitliche Aussicht auf eine Normalisierung des Schiffsverkehrs auf dieser für den globalen Ölhandel zentralen Route hatte die internationalen Börsen beflügelt und die Rohölpreise deutlich einbrechen lassen. Praktische Auswirkungen hatte die kurze Öffnungsankündigung jedoch kaum.

Verwirrung und Unsicherheit im Schiffsverkehr

Der Sender CNN berichtete unter Berufung auf aktuelle Verkehrsdaten, dass während der kurzen Öffnungsphase lediglich fünf Frachtschiffe und ein leeres Kreuzfahrtschiff die Meerenge passierten – jedoch kein einziger Öltanker. John-Paul Rodriguez, Experte für Seeschifffahrt an der Texas A&M University, sagte dem Sender Al Jazeera: „Seit der Ankündigung haben Schiffe versucht, die Meerenge zu passieren … aber es sieht so aus, als würden viele von ihnen umkehren, weil die Lage unklar und zu riskant ist.“

Deutsche Reeder fordern belastbare Sicherheitsgarantien

Nach Einschätzung der deutschen Reeder zeigt die erneute Schließung der Straße von Hormus, wie fragil und unübersichtlich die Sicherheitslage in der Region weiterhin ist. „Eine verlässliche und sichere Passage durch die Straße von Hormus ist unter diesen Bedingungen weiterhin nicht gewährleistet“, teilte der Verband Deutscher Reeder (VDR) mit Sitz in Hamburg mit.

Der Verband betonte weiter: „Ohne belastbare Sicherheitsgarantien und klare internationale Absprachen kann es keine nachhaltige Normalisierung des Schiffsverkehrs in dieser für den Welthandel zentralen Region geben. Die aktuelle Eskalation unterstreicht die Dringlichkeit diplomatischer Lösungen.“

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Krisendiplomatie unter Zeitdruck

Hintergrund der Spannungen ist der seit Ende Februar andauernde Konflikt, als die USA und Israel einen Krieg gegen den Iran begannen. Der Iran reagierte damals mit Raketenbeschuss auf Ziele in Israel und der gesamten Golfregion. Anfang April einigten sich die USA und der Iran dann auf eine zunächst zweiwöchige Waffenruhe.

Nun laufen unter Vermittlung Pakistans intensive Bemühungen, diese Feuerpause zu verlängern und eine umfassende Einigung auch im Streit über das umstrittene iranische Atomprogramm anzubahnen. Nach bisher unbestätigten US-Medienberichten könnten die Unterhändler bereits am Montag in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad erneut zusammenkommen.

Die Vorbereitungen für mögliche Gespräche sind bereits im Gange: Die Registrierung für Medienvertreter hat begonnen, und zusätzliches Sicherheitspersonal wurde in die Stadt verlegt. Ein konkreter Termin sei jedoch noch nicht offiziell angesetzt, sagte ein ranghoher US-Beamter in Washington der Deutschen Presse-Agentur.

Unterschiedliche Positionen in Uran-Frage

US-Präsident Donald Trump rechnet in den nächsten Tagen mit einem Abkommen. „Die Gespräche laufen“ und würden über das Wochenende fortgesetzt, sagte er Reportern. Gleichzeitig hat Trump immer wieder angeblich bevorstehende Erfolge in den Verhandlungen beschworen.

Ein zentraler Streitpunkt bleibt der Umgang mit Irans hoch angereichertem Uran. Der Sender CBS News zitierte Trump aus einem Telefoninterview mit der Aussage, die USA würden für die Bergung der Uran-Vorräte mit dem Iran zusammenarbeiten: „Unsere Leute werden gemeinsam mit den Iranern arbeiten, um es zu holen. Und dann bringen wir es in die Vereinigten Staaten.“

Irans Außenamtssprecher Ismail Baghai wies diese Darstellung umgehend zurück: „Der Transfer von Uran in die USA war nie eine Option und stand auch nicht zur Debatte“, sagte er laut der Nachrichtenagentur Tasnim. Diese gegensätzlichen Positionen zeigen, wie weit die Verhandlungspartner trotz aller diplomatischen Bemühungen noch voneinander entfernt sind.