Iran ernennt Sohn von getötetem Ajatollah zum neuen Führer
Die Islamische Republik Iran hat einen bedeutenden Machtwechsel vollzogen. Nach dem Tod von Ajatollah Ali Chamenei bei einem israelischen Luftangriff am 28. Februar wurde nun sein 56-jähriger Sohn Modschtaba Chamenei durch den Expertenrat zum neuen obersten Führer des Landes ernannt. Dieses religiöse Gremium hat damit die Nachfolge in einer kritischen Phase des anhaltenden Konflikts geregelt.
Internationale Drohungen und militärische Eskalation
Die Ernennung stieß umgehend auf scharfe Reaktionen aus dem Ausland. Das israelische Militär warnte in einer auf Farsi verfassten Nachricht auf der Plattform X, dass „die Hand des Staates Israel weiterhin jeden Nachfolger verfolgen“ werde. Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich mehrfach kritisch und bezeichnete Chamenei in einem Gespräch mit Axios als „inakzeptabel“. In einem Telefonat mit der „Times of Israel“ ließ Trump durchblicken, dass der neue iranische Führer „nicht lang im Amt bleiben“ werde, sollte er nicht Washingtons Zustimmung erhalten.
Parallel zu diesen diplomatischen Spannungen gehen die militärischen Auseinandersetzungen unvermindert weiter. Die israelische Luftwaffe startete in der Nacht neue Angriffe auf Ziele im Zentrum des Iran und griff erneut Infrastruktur der mit Teheran verbündeten Hisbollah-Miliz in Beirut an. Der Iran antwortete mit weiteren Raketenangriffen auf Israel. Besonders bemerkenswert war ein israelischer Angriff auf Öllager in Teheran am Samstagabend, der laut Berichten des Portals „Axios“ deutlich über das hinausging, was die USA erwartet hatten.
Ölpreisexplosion und wirtschaftliche Folgen
Die anhaltenden Kampfhandlungen haben dramatische Auswirkungen auf den globalen Ölmarkt. Der Preis für die Nordseesorte Brent stieg zeitweise um über 20 Prozent auf mehr als 110 US-Dollar je Barrel – ein Niveau, das seit Jahren nicht mehr erreicht wurde. Seit Kriegsbeginn Ende Februar hat sich der Ölpreis damit um rund 50 Prozent erhöht, was auch zu deutlich steigenden Spritpreisen weltweit führt.
Ein Hauptgrund für diese Entwicklung ist die faktische Sperrung der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Seit Beginn der amerikanisch-israelischen Attacken und der iranischen Gegenangriffe passieren kaum noch Schiffe diese Meerenge, durch die in Friedenszeiten täglich etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels transportiert wird. Die Angst vor einer längeren Blockade bleibt ein bestimmendes Thema auf den Märkten.
Die Börsen in Japan und Südkorea brachen angesichts des rasanten Preisanstiegs am Morgen ein, da diese ostasiatischen Volkswirtschaften besonders auf Ölimporte angewiesen sind. Auch für US-Präsident Trump könnten die steigenden Spritpreise im eigenen Land mit Blick auf die anstehenden Kongresswahlen im Herbst zu einem politischen Problem werden.
Humanitäre Konsequenzen und diplomatische Bemühungen
Die anhaltenden Kampfhandlungen fordern weiterhin menschliche Opfer. In Saudi-Arabien kamen zwei Menschen beim Einschlag eines Geschosses in ein Wohngebäude südöstlich von Riad ums Leben. Die USA wiesen Teile ihres Botschaftspersonals in dem Land an, es zu verlassen. Ein bei einem Angriff auf US-Soldaten verletzter Militärangehöriger starb, womit sich die Zahl der im Iran-Krieg gefallenen US-Einsatkräfte auf sieben erhöht.
Der Inselstaat Bahrain im Persischen Golf wurde erneut Ziel eines iranischen Angriffs, bei dem 32 Menschen verletzt wurden, darunter auch Kinder. Mehrere Häuser auf der Insel Sitra südlich der Hauptstadt Manama wurden beschädigt.
Trotz der anhaltenden Gewalt gibt es weiterhin diplomatische Bemühungen um Deeskalation. Katars Ministerpräsident Mohammed bin Abdulrahman Al Thani rief im Interview mit Sky News alle Seiten zur Mäßigung auf und betonte, dass Diplomatie nach wie vor der einzige gangbare Weg aus der Krise sei. Er kündigte an, weiterhin mit dem Iran zu sprechen und sich um eine Entspannung der Lage zu bemühen.
Politische Position des neuen Führers
Über die politische Ausrichtung von Modschtaba Chamenei ist derzeit noch wenig bekannt, da er in den vergangenen Jahren kaum öffentlich in Erscheinung getreten ist. Analysen des Atlantic Council zufolge gilt er jedoch als Akteur der staatlichen Unterdrückung im Iran und soll beste Verbindungen zu den Revolutionsgarden unterhalten. Experten gehen davon aus, dass er zunächst den unerbittlichen Kurs seines Vaters fortsetzen wird.
Die USA haben nach Angaben von Energieminister Chris Wright zwar nicht vor, Irans Ölindustrie direkt anzugreifen, zeigen sich jedoch besorgt, dass israelische Angriffe auf zivile Infrastruktur strategisch nach hinten losgehen und zur weiteren Unterstützung der Führung in Teheran beitragen könnten.
Präsident Trump betonte in einer Mitteilung auf seiner Plattform Truth Social, dass der heftige Anstieg des Ölpreises ein „sehr geringer Preis für Sicherheit und Frieden“ sei und nur „Idioten“ dies anders sehen würden. Auf die Frage, wer über ein Kriegsende entscheiden würde, erklärte Trump, dies sei eine gemeinsame Entscheidung mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu.



