Israel wehrt sich zu Recht - doch was folgt daraus für die Sicherheit?
Es kam, wie es kommen musste: Die Terroristentruppe Hisbollah, die als verlängerter Arm der iranischen Kleriker-Diktatur fungiert, hat Israel vom Libanon aus unter Feuer genommen. Seit den Anfängen des Gaza-Kriegs bis heute hat diese Provokation angehalten. Jetzt erleidet der Libanon die schwersten Angriffe Israels seit dem verheerenden Krieg des Jahres 1982. Die Eskalation war absehbar, doch ihre Konsequenzen sind weitreichend.
Große Empörung über Israel - aber warum eigentlich?
Groß ist einmal mehr die internationale Empörung über Israels Vorgehen, nicht zuletzt in Deutschland. Doch diese Empörung wirft Fragen auf. Im Libanon selbst hat es an warnenden Stimmen nie gefehlt, die vor den Folgen einer Konfrontation mit Israel warnten. Tatsächlich handelte es sich um einen gewaltigen Fehler der Hisbollah, die aus Willfährigkeit gegenüber ihren iranischen Geldgebern den Zorn des starken Nachbarn Israel auf den gesamten Libanon lenkte.
Die Mehrheit der libanesischen Bevölkerung möchte diesen Krieg nicht führen. Dies gilt zumindest für die Gebiete jenseits der Hisbollah-Hochburgen in der Hauptstadt Beirut und jenseits des Südlibanons, der weitgehend als Hisbollah-Land bezeichnet werden kann. Das sind Gegenden, bei deren Betreten so manchem Libanesen Angstschweiß auf die Stirn tritt. Doch nun muss das ganze Land für die Entscheidungen einer militanten Minderheit büßen.
Die Notwendigkeit einer funktionierenden libanesischen Regierung
Aus diesem zentralen Grund muss Israel der libanesischen Regierung bald eine Waffenruhe verschaffen, wenn es mit seinem militärischen Feldzug mehr erreichen will als einen kurzfristigen taktischen Vorteil. Schließlich kann keine Regierung unter anhaltendem Beschuss ernsthafte Friedensgespräche führen, die von der Bevölkerungsmehrheit akzeptiert werden könnten.
Um mit dem Libanon von einer vorübergehenden Waffenruhe zu einem dauerhaften Frieden zu gelangen, benötigt Israel in diesem Nachbarland eine handlungsfähige Regierung und eine schlagkräftige Armee. Diese Institutionen müssen in der Lage sein, getroffene Vereinbarungen auch tatsächlich durchzusetzen. Zur Not gegen die Hisbollah, die sich als militärisch stärkste Macht im Libanon seit Jahrzehnten als Staat im Staate inszeniert hat und damit die Souveränität des Landes untergräbt.
Netanjahus fehlender Wille zur politischen Umsetzung
Die entscheidende Frage lautet: Wird Benjamin Netanjahu dieser politischen Logik folgen? Beklemmend wenig spricht dafür. Der israelische Regierungschef hat in seinen gut zwanzig Jahren an der Macht zwar stets Kampfbereitschaft demonstriert und militärische Stärke gezeigt. Doch an keiner Stelle zeigte er den notwendigen Willen, die erforderliche Fähigkeit oder die ausreichende Ausdauer, um Israels militärische Siege politisch in mehr Stabilität in der Region zu verwandeln.
Die Transformation von kurzfristigen militärischen Erfolgen zu langfristiger Sicherheit für Israel blieb dabei stets auf der Strecke. Diese Diskrepanz zwischen militärischer Macht und politischer Strategie könnte sich nun erneut als verhängnisvoll erweisen. Für Israels Angriffe im Libanon gibt es zweifellos gute Gründe. Leider gibt es ebenso Grund zu der ernüchternden Annahme, dass Israels Sicherheit dadurch nicht nachhaltig wachsen wird.



