Kenia wirft Russland perfides Anwerbesystem vor
Die kenianische Regierung erhebt schwere Vorwürfe gegen das Regime von Wladimir Putin. Nach offiziellen Angaben werden junge Afrikaner mit lukrativen Jobversprechen nach Russland gelockt und anschließend auf die Schlachtfelder in der Ukraine geschickt. Vize-Außenminister Korir Sing'Oei spricht von einem "perfiden" System, bei dem Menschen als Kanonenfutter missbraucht würden.
Kenianische Rückholaktion und Reise nach Moskau
In den vergangenen zwei Monaten konnten bereits mehr als 30 Kenianer aus Russland zurückgeholt werden. Als Reaktion auf die Vorfälle wurden in Kenia mehrere Anwerbe-Agenturen geschlossen. Außenminister Musalia Mudavadi kündigte an, im nächsten Monat nach Moskau zu reisen, um diesem Vorgehen Einhalt zu gebieten. Zudem beabsichtigt er, sich für die Freilassung von in der Ukraine inhaftierten Landsleuten einzusetzen.
Internationale Dimension des Problems
Kenia ist bei weitem kein Einzelfall. Eine Recherche der Nachrichtenagentur AFP beschreibt ein verzweigtes Täuschungsnetz, das auch Südafrikaner betrifft. Vier Männer ohne militärischen Hintergrund mussten demnach Verträge mit der russischen Armee in russischer Sprache unterschreiben und kamen kurz darauf an die Front. Mindestens drei von ihnen kehrten verletzt zurück.
Die Problematik erstreckt sich über mehrere Kontinente:
- Asien: Nepal verlangt die Rückkehr von Hunderten Staatsbürgern, während Indien, Bangladesch und Sri Lanka Alarm schlagen
- Lateinamerika: Kuba zerschlug ein Rekrutierungsnetzwerk
- Naher Osten: Im Irak gingen Behörden gegen Anwerber vor
- Zentralasien: Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan und Turkmenistan berichten von Tausenden Fällen
Umfang der ausländischen Kämpfer
Nach ukrainischen Angaben wurden inzwischen mindestens 1.436 identifizierte Kämpfer aus 36 afrikanischen Ländern in den russischen Reihen erfasst. Nordkorea soll tausende Soldaten entsandt haben, während die Ukraine von mehr als 150 Chinesen in russischen Einheiten spricht. Es gibt zudem Hinweise auf syrische Kämpfer und serbische Freiwillige, die in den Konflikt verwickelt sind.
Die internationale Gemeinschaft steht vor einer wachsenden humanitären Krise, bei der wirtschaftlich benachteiligte Männer aus verschiedenen Weltregionen durch falsche Versprechungen in einen fremden Krieg gezogen werden. Die kenianische Initiative könnte ein erster Schritt sein, um diesem globalen Problem entgegenzutreten und diplomatischen Druck auf Russland auszuüben.



