Kim Jong-un und Tochter im Musikgeschäft: Wer gibt in Nordkorea den Takt vor?
Kim Jong-un und Tochter: Wer gibt in Nordkorea den Takt vor?

Nordkoreas Machthaber und seine Tochter: Eine Inszenierung mit Nachfolgefrage

Nordkoreas Diktator Kim Jong-un (42) hat sich gemeinsam mit seiner Tochter in einem Musikgeschäft in Pjöngjang gezeigt. Die am Karfreitag veröffentlichten Bilder zeigen den Machthaber und die junge Frau, die als mögliche Nachfolgerin an der Spitze der Diktatur gilt, in einem noch nicht eröffneten Geschäft im neuen Hwasong-Distrikt. Besonders auffällig: Die Tochter steht selbstbewusst dicht vor ihrem Vater und hält ihm den Zeigefinger an die Brust – eine Geste, die Fragen aufwirft, wer hier eigentlich den Takt vorgibt.

Geheime Identität und wachsende Präsenz

Offiziell hält das nordkoreanische Regime Namen und Alter der Tochter geheim. In Südkorea wird sie als Kim Ju Ae bezeichnet, wo jeder ihrer Auftritte besondere Aufmerksamkeit erregt. Die zunehmende Präsenz an der Seite ihres Vaters wird von Beobachtern als möglicher Hinweis auf eine geplante Nachfolge gewertet. Die Szene im Musikgeschäft war Teil eines sorgfältig arrangierten PR-Rundgangs durch das neue Vorzeigeviertel, bei dem Kim Jong-un auch ein Kfz-Servicezentrum, einen Tierladen und einen Friseursalon besichtigte.

Das Prestigeprojekt Hwasong-Distrikt

Der Rundgang führte durch den neu errichteten Hwasong-Distrikt, ein Prestigeprojekt des Regimes. Zwischen 2022 und 2025 entstanden dort rund 40.000 Wohnungen, im Februar begann die fünfte Bauphase. Das Areal gilt als politisch inszeniertes Schaufensterprojekt für Pjöngjang, gebaut um Modernität, Leistungsfähigkeit und angebliche Fürsorge des Regimes zu demonstrieren. Nach offizieller Propaganda soll das neue Wohngebiet eine „wertvolle Grundlage für die Entwicklung einer sozialistischen Zivilisation“ sein.

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Doch hinter den glänzenden Fassaden verbirgt sich eine andere Realität:

  • Mutmaßlich wurde unter massivem Arbeitsdruck gebaut
  • Wohnungen werden nach politischer Loyalität vergeben
  • Enorme Ressourcen fließen in dieses Prestigequartier
  • Weite Teile des Landes leiden weiter unter Mangel und wirtschaftlicher Vernachlässigung

Die Inszenierung von Normalität

Im Musikgeschäft glänzten Saxofone und Posaunen, dahinter reihten sich Klaviere, Gitarren und Violinen. Ein Bild zeigte den Diktator am Klavier, prüfend, fast wie ein Musiklehrer. Neben ihm seine Tochter – aufmerksam, neugierig, immer dicht an seiner Seite und im Mittelpunkt des Geschehens. Der Auftritt ist Teil der Propaganda des Regimes, eine sorgfältig arrangierte Darstellung von Kultur, Wohlstand und vermeintlicher Normalität.

Die Eröffnung der Geschäfte soll laut „Korea JoongAng Daily“ pünktlich zum „Day of the Sun“ am 15. April erfolgen, dem Geburtstag von Staatsgründer Kim Il Sung (1912–1994). Die Inszenierung von Kim Jong-un und seiner Tochter inmitten von Musikinstrumenten und in Begleitung von Tierbesuchen dient dabei nicht nur der Darstellung eines modernen Nordkorea, sondern wirft auch die brisante Frage auf: Zeigt der Diktator hier bewusst seine mögliche Nachfolgerin?

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