Wladimir Klitschko bei Maischberger: Der ungebrochene Wille der Ukraine
Zum vierten Jahrestag des brutalen russischen Überfalls auf die Ukraine hat Ex-Boxweltmeister Wladimir Klitschko (49) in der Talkrunde von Sandra Maischberger (59) eindringlich über die Situation in seiner Heimat gesprochen. Der ehemalige Schwergewichts-Champion nutzte dabei seine berühmten Stärken aus dem Boxring auch in der politischen Arena und lieferte eine bewegende Analyse des anhaltenden Konflikts.
Jeder Tag ein Kampf ums Überleben
„An den 24. Februar 2022 erinnere ich mich deutlich und gut“, begann Klitschko seine Ausführungen. „Aber uns in der Ukraine ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Unsere Städte werden systematisch zerstört, unsere Kinder werden Opfer unvorstellbarer Verbrechen, wir verlieren unsere Jugend und wahnsinnig viel mehr.“ Trotz dieser dramatischen Umstände betonte der Bruder des Kiewer Oberbürgermeisters Vitali Klitschko (54) den unbeugsamen Widerstandswillen seines Volkes: „Unser Wille wird nur stärker. Das kann auch 100 Jahre dauern: Wir werden nicht aufgeben!“
Menschliche Bedürfnisse und fehlende Planungssicherheit
Doch Klitschko machte auch deutlich, dass die Ukrainer keine unermüdlichen Maschinen seien. „Wir sind Menschen, die auch ihre Bedürfnisse haben. Wir wollen Frieden haben, kreativ sein, aufbauen und etwas Gutes für unser Land, Europa und die Welt tun.“ Der entscheidende Unterschied zu westlichen Ländern liege in der völligen Abwesenheit von Planungssicherheit: „Wir können nicht wie hier in Deutschland oder in anderen europäischen Ländern den nächsten Urlaub für das kommende Jahr planen, wo wir mit unseren Kindern ins Paradies fahren. Das haben wir nicht.“
Gesellschaftliche Spaltung und gemeinsamer Überlebenswille
Auf die Frage nach innerukrainischer Kritik antwortete Klitschko differenziert: „Es gibt natürlich unterschiedliche Meinungen. Manche wollen den Frieden um jeden Preis, andere lehnen dies entschieden ab. Es geht um den Preis des Lebens, den Preis der Existenz.“ Zwar spalte sich die Gesellschaft teilweise, doch im Kern bleibe der Wille ungebrochen. „Je mehr wir angegriffen werden, desto stärker wird dieser Wille“, erklärte der Ex-Weltmeister und appellierte: „Man kann sich gegenseitig Vorwürfe machen, aber während des Krieges müssen wir Schulter an Schulter stehen, denn es geht ums Überleben!“
Appell an Europa und die freie Welt
Klitschkos größte Sorge gilt der europäischen Reaktion auf die Bedrohung. „Wir sind hier in Berlin. Diese Stadt kennt das sowjetische Imperium“, erinnerte er. Seine Hoffnung: „Dass Europa und die sogenannte freie Welt inklusive der USA nach vier Jahren endlich aufwachen. Weil das Böse kommt. Es ist bereits in unserem Land.“ Die Ukraine halte es mit ihrem Blut auf und verteidige europäische Werte, doch sie benötige Unterstützung: „Wir bitten und hoffen, dass die Europäer uns schützen und uns die Mittel geben können.“
Der Ex-Boxer präzisierte: „Wir brauchen nicht europäische oder Nato-Soldaten auf unserem Boden. Den Job erledigen wir selbst. Aber wir brauchen Werkzeug, um uns zu schützen.“ Ob Geld oder Waffen – der Krieg habe viele unterschiedliche Schichten, und die Ukraine müsse sich ständig anpassen. Klitschkos Botschaft bleibt eindeutig: Der Kampfgeist seines Volkes ist ungebrochen, doch ohne europäische Solidarität wird der Überlebenskampf noch schwerer.



