Kuba in der tiefen Krise: Castros Schatten über der Insel
Die Karibikinsel Kuba befindet sich in einer existenziellen Notlage. Schwere Treibstoffengpässe, ausgelöst durch die weitgehende Ölblockade der Vereinigten Staaten, haben dramatische Auswirkungen auf die Wasserversorgung und die gesamte Infrastruktur des Landes. Bürger müssen sich an Wasser-Tankwagen anstellen, um ihre Behälter zu füllen, während landesweite Stromausfälle und Mangel an Lebensmitteln sowie Medikamenten den Alltag der elf Millionen Einwohner prägen.
Die historische Macht der Castro-Dynastie
Jahrzehntelang wurde Kuba von der Familie Castro dominiert. Fidel Castro regierte die Insel 49 Jahre lang, sein Bruder Raúl übernahm anschließend für weitere zehn Jahre die Führung. Im Jahr 2018 übergab Raúl Castro die offizielle Macht an den aktuellen Präsidenten Miguel Díaz-Canel. Doch dieser gerät nun ins Wanken, während die Castros im Hintergrund ihren Einfluss offenbar wieder ausbauen.
Geheimverhandlungen und wachsender Druck aus Washington
Die Situation hat sich nach der Entführung des venezolanischen Diktators Nicolás Maduro weiter verschärft, da die lebenswichtigen Öllieferungen aus Venezuela nahezu vollständig zum Erliegen kamen. Kubas ohnehin angeschlagene Wirtschaft steht nun unmittelbar vor dem Kollaps. Aus den USA treibt insbesondere Außenminister Marco Rubio, Sohn kubanischer Exilanten, den Druck voran. Er fordert eine neue Führung für Kuba, da die aktuellen Verantwortlichen die Probleme nicht lösen könnten.
Raúl Castro: Der De-facto-Herrscher im Hintergrund
Trotz seines hohen Alters von 94 Jahren gilt Raúl Castro weiterhin als mächtigste Figur im kubanischen Machtgefüge. Er kontrolliert das Militär und beeinflusst die Wirtschaftspolitik maßgeblich. Zudem sind sein Sohn Alejandro Castro Espín, ein ehemaliger Schlüsselmann im Geheimdienstapparat, und sein Enkel Raúl Guillermo Rodríguez Castro, genannt „El Cangrejo“, in geheime Gespräche mit der Regierung von Donald Trump involviert. Letzterer gilt als potenzieller Hoffnungsträger für Reformen.
Ein möglicher Kurswechsel durch die Castro-Familie?
Ein weiteres Familienmitglied, Óscar Pérez-Oliva Fraga, Großneffe von Fidel und Raúl Castro, sorgte als Vize-Ministerpräsident für Aufsehen. Er schlug vor, dass Exilkubaner künftig im kommunistischen Land investieren und Unternehmen besitzen dürfen – ein deutlicher Bruch mit der bisherigen Linie. Experten wie Jorge Duany von der Florida International University bleiben jedoch skeptisch. Sie vermuten, dass Havanna zwar wirtschaftliche Zugeständnisse signalisiere, politische Reformen oder einen internen Machtwechsel aber kategorisch ausschließe. Es wirke, als wolle die alte Castro-Garde lediglich die aktuelle Krise überstehen, ohne echte Veränderungen zuzulassen.



