Im Frühjahr 2027 wird in Frankreich ein neuer Präsident gewählt. Umfragen zufolge ist der Kandidat des rechten Rassemblement National (RN) der klare Favorit. Das bereitet dem Starfußballer Kylian Mbappé offenbar Sorgen. In einem Interview mit dem Magazin „Vanity Fair“ äußerte der 27-Jährige seine Bedenken: „Ich weiß, was das bedeutet und welche Folgen es für mein Land haben kann, wenn Menschen wie sie an die Macht kommen.“
Mbappé wuchs in einem Pariser Vorort auf, in dem zahlreiche Einwandererfamilien leben. Er selbst gilt als Aushängeschild einer Nationalmannschaft, die oft als Symbol für Vielfalt gefeiert wird. Viele glauben, dass Frankreich in diesem Sommer die Fußball-Weltmeisterschaft gewinnen wird.
RN-Spitze kontert scharf
Seine Aussagen kamen in der Parteispitze des RN nicht gut an. Der Vorsitzende Jordan Bardella feuerte umgehend zurück und stichelte gegen Mbappé, der den Verein Paris Saint-Germain (PSG) 2024 verlassen hatte, um für Real Madrid zu spielen. Paris gewann im folgenden Jahr die Champions League. Bardella schrieb in den sozialen Medien: „Ich weiß, was passiert, wenn Kylian Mbappé PSG verlässt: Der Verein gewinnt die Champions League! (Und vielleicht bald ein zweites Mal).“
Auch RN-Parteipatriarchin Marine Le Pen äußerte sich zu dem Fall. Es sei beruhigend, dass Mbappé nicht wolle, dass ihre Partei gewinne, sagte die 57-Jährige dem Radiosender RTL. Schließlich habe seine eigene Strategie, PSG zu verlassen, um bei Real Madrid zu gewinnen, nicht funktioniert. Und weiter: „Ehrlich gesagt glaube ich, dass Fußballfans unabhängig genug sind, um zu wissen, wen sie wählen sollen, ohne sich von Mbappé beeinflussen zu lassen.“
RN-Sprecher fordert Neutralität
RN-Sprecher Julien Odoul erklärte, Mbappé müsse als Kapitän der französischen Nationalmannschaft ganz Frankreich vertreten – einschließlich der Millionen von RN-Wählerinnen und -Wählern. Er dürfe kein „politischer Aktivist“ werden.
Noch ist unklar, ob Bardella oder Le Pen bei der kommenden Wahl für den RN antreten werden. Die frühere Parteivorsitzende hat ihr politisches Schicksal an ein Pariser Berufungsgericht geknüpft. Im März 2025 war sie wegen Veruntreuung zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Außerdem darf sie in den kommenden fünf Jahren kein Wahlamt anstreben. Sollte die erstinstanzliche Entscheidung Bestand haben, will Le Pen ihrem Zögling Bardella den Vortritt lassen.
Nicht der erste Zusammenstoß
Es ist nicht das erste Mal, dass Mbappé und Bardella aneinandergeraten. Im Jahr 2024 nannte der Fußballer die Wahlgewinne des RN „katastrophal“. Der Politiker konterte, es sei peinlich zu sehen, wie finanzkräftige Sportler „Menschen Lektionen erteilen, die nicht mehr über die Runden kommen und sich nicht mehr sicher fühlen“.
Von „Vanity Fair“ wurde Mbappé auf den Vorwurf angesprochen, er sei zu reich, um über französische Politik zu sprechen. „Auch als Fußballer ist man in erster Linie ein Bürger“, sagte der 27-Jährige. „Wir sind nicht von der Welt abgekoppelt … oder von dem, was in unserem Land geschieht. Die Leute denken manchmal, dass uns solche Probleme nicht betreffen, nur weil wir Geld haben und berühmt sind.“



