Historischer Auftritt im Schatten des Krieges
In einer bemerkenswerten Premiere hat Melania Trump als erste First Lady der Vereinigten Staaten den Vorsitz einer Sitzung des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen übernommen. Dieser außergewöhnliche Schritt erfolgte am vierten Tag des eskalierenden Irankrieges, während die Region von Angriffen und Gegenangriffen erschüttert wird. Das US-Außenministerium hatte zuvor alle amerikanischen Staatsbürger aufgefordert, den Nahen Osten umgehend zu verlassen.
Friedensappelle ohne konkrete Bezüge
Die 55-jährige Ehefrau von Präsident Donald Trump leitete eine Sitzung des mächtigsten UN-Gremiums zum Thema „Kinder, Technologie und Bildung in Konfliktsituationen“. In ihrer Ansprache betonte sie allgemeine Friedensprinzipien mit Aussagen wie „Frieden muss nicht fragil sein“ und „Konflikte entstehen aus Unwissenheit heraus“. Sie verwies auf das Engagement der USA für Kinder weltweit und äußerte die Hoffnung, dass diese bald Frieden finden würden. Den aktuellen militärischen Konflikt im Nahen Osten erwähnte sie dabei nicht explizit.
Die Sitzung schloss sie mit den Worten: „Ich wünsche Ihnen allen viel Kraft bei der Bewahrung des Friedens in der Welt.“ Die Übernahme des Vorsitzes durch die First Lady stieß in diplomatischen Kreisen auf Verwunderung, da üblicherweise UN-Botschafter oder Regierungsvertreter die Sitzungen des 15-köpfigen Gremiums leiten.
Scharfe Kritik aus Teheran
Der iranische UN-Botschafter Amir Saeid Iravani übte scharfe Kritik am Timing und Thema der Sitzung. Er warf den USA und Israel vor, für einen Angriff auf eine Schule mit 165 getöteten Schülerinnen verantwortlich zu sein und bezeichnete die Einberufung des Treffens als „zutiefst beschämend und heuchlerisch“. Israel wies die Vorwürfe umgehend zurück. Militärsprecher Nadav Shoshani erklärte, zu diesem Zeitpunkt seien keine israelischen oder amerikanischen Angriffe auf die Schule bekannt. Die USA betonten, sie würden niemals eine Bildungseinrichtung bombardieren.
Komplexes diplomatisches Umfeld
Der Auftritt erfolgte vor dem Hintergrund eines angespannten Verhältnisses zwischen der Trump-Regierung und den Vereinten Nationen. Präsident Trump hatte die Organisation wiederholt als ineffektiv kritisiert und den Austritt aus zahlreichen UN-Organisationen veranlasst. Nach UN-Angaben schulden die USA der Organisation noch Milliardenbeträge.
Ein UN-Sprecher von Generalsekretär António Guterres hatte den Sitzungsvorsitz der First Lady im Vorfeld begrüßt und als Zeichen der Wertschätzung der USA für den Sicherheitsrat bezeichnet. Der Auftritt war bereits vor Beginn des Angriffs auf Iran geplant gewesen und markierte den ersten offiziellen Besuch Melania Trumps im UN-Gebäude seit dem sogenannten „Rolltreppen-Gate“ bei der UN-Generalversammlung im September.
Damals war die Rolltreppe, auf der das Präsidentenpaar fuhr, abrupt stehengeblieben, was zu einer Forderung Präsident Trumps nach Verhaftung der Verantwortlichen führte. Diesmal verlief die Rolltreppenfahrt der First Lady ohne Zwischenfälle. Beobachter spekulieren über die Beweggründe für den ungewöhnlichen Sitzungsvorsitz, zumal Melania Trump gelegentlich Positionen vertritt, die nicht vollständig mit denen ihres Mannes übereinstimmen.



