Mercosur-Abkommen als strategische Antwort auf Machtpolitik: Merz und Lula betonen regelbasierte Ordnung
Mercosur-Abkommen: Merz sieht Antwort auf Machtpolitik

Mercosur-Abkommen tritt vorläufig in Kraft: Merz und Lula setzen Zeichen gegen Machtpolitik

Nach einem Vierteljahrhundert intensiver Verhandlungen tritt das historische Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den südamerikanischen Mercosur-Staaten am 1. Mai vorläufig in Kraft. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nutzten ihren gemeinsamen Auftritt auf der Hannover Messe, um die weitreichende politische Bedeutung dieses Vertragswerks zu unterstreichen.

Strategische Antwort auf globale Verwerfungen

„Das ist unsere Antwort auf die großen Verwerfungen, die wir gegenwärtig erleben“, erklärte Bundeskanzler Merz während der Veranstaltung in Hannover. Der CDU-Politiker positionierte das Abkommen bewusst als Gegenentwurf zu einer neuen Großmachtpolitik, die zunehmend auf militärische Mittel setze. „Es ist eine Antwort an all diejenigen, die heute Machtpolitik auf der Welt mit militärischen Mitteln an die Stelle von regelbasierter Ordnung, Verträgen und Verlässlichkeit setzen wollen“, betonte Merz nachdrücklich.

Das Abkommen schafft eine der größten Freihandelszonen der Welt mit mehr als 700 Millionen Menschen und umfasst neben Brasilien auch Argentinien, Paraguay und Uruguay als Mercosur-Mitglieder. Brasilien fungiert in diesem Jahr als offizielles Partnerland der Hannover Messe, was die gestiegene Bedeutung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Europa und Südamerika unterstreicht.

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Lula verteidigt regelbasierte Weltordnung

Präsident Lula da Silva unterstützte die Position von Bundeskanzler Merz und warb intensiv für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen Europa und Lateinamerika. „Die Welt kann nicht mit Lügen regiert werden“, mahnte der brasilianische Staatschef. „Die Welt kann nicht so regiert werden, dass jemand glaubt, er sei wichtiger als andere, und Entscheidungen trifft, die er der Welt aufzwingt, als gäbe es keine Demokratie.“

Der linksgerichtete Politiker hatte bereits bei der Eröffnung der Hannover Messe am Sonntagabend deutliche Kritik an aktuellen militärischen Konflikten geäußert. Lula bezeichnete den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als „Wahnsinn“ und kritisierte die Paradoxien der globalen Politik: „Während Astronauten zum Mond fliegen, werden bei den Bombardements im Nahen Osten wahllos Frauen und Kinder getötet.“

Regierungskonsultationen vertiefen Zusammenarbeit

Nach ihrem gemeinsamen Auftritt auf der Hannover Messe setzten Merz und Lula ihre Gespräche bei Regierungskonsultationen im Schloss Herrenhausen fort. An dem Treffen nahmen insgesamt 15 Minister beider Seiten teil, die sich mit der gesamten Bandbreite der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Brasilien befassten.

Deutschland führt solche Regierungskonsultationen traditionell mit besonders engen Partnern wie Frankreich, Polen und Italien sowie mit strategisch wichtigen Ländern wie Brasilien oder Indien durch. Die intensive politische Koordination unterstreicht die wachsende Bedeutung der deutsch-brasilianischen Beziehungen im globalen Kontext.

Das Mercosur-Abkommen markiert nicht nur einen wirtschaftlichen Meilenstein, sondern entwickelt sich zunehmend zu einem politischen Signal für eine regelbasierte internationale Ordnung in einer Zeit zunehmender geopolitischer Spannungen. Beide Staatschefs betonten die Notwendigkeit, internationale Institutionen und vertragliche Vereinbarungen als Grundlage für eine stabile Weltordnung zu stärken.

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