Kanzler Merz empfängt syrischen Machthaber – Christenverfolgung kein Thema
Am 30. März 2026 empfing Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Bundeskanzleramt in Berlin den syrischen Machthaber Ahmed al-Scharaa. Bei dem Treffen, das mit einer gemeinsamen Pressekonferenz endete, kam die systematische Verfolgung der christlichen Minderheit in Syrien offenbar nicht zur Sprache. Dies löste umgehend scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen und Kommentatoren aus.
Überfall auf christliche Stadt Suqaylabiyah
Nur drei Tage zuvor, am 27. März, hatte sich in Syrien ein weiterer gewaltsamer Übergriff auf Christen ereignet. Bewaffnete, fanatische Muslime aus umliegenden Dörfern überfielen die Stadt Suqaylabiyah, einen der größten christlichen Orte des Landes. Die Angreifer kamen auf Motorrädern, schossen auf Wohnhäuser, zündeten Autos an und plünderten Geschäfte. Sie griffen gezielt Menschen christlichen Glaubens an – allein aufgrund ihrer Religion.
Das internationale christliche Hilfswerk Open Doors veröffentlichte alarmierende Zahlen: „Durch islamistische Gewalt sind in den vergangenen zwölf Monaten 27 Christen in Syrien getötet worden.“ Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, beschreibt die Situation: „Immer neue Übergriffe, regelmäßige Drohungen und der wachsende Druck, zum Islam zu konvertieren, erzeugen ein Klima der Angst.“
Merz äußert sich erst auf Nachfrage
Erst als Journalisten nach dem Treffen mit al-Scharaa konkret nachfragten, äußerte sich Bundeskanzler Merz zu dem Thema. Seine Aussage wirkte jedoch wenig überzeugend: „Es gibt hier noch viele Aufgaben zu bewältigen.“ Merz zeigte sich zuversichtlich, dass „die Rechte für Minderheiten und auch für religiöse Minderheiten in Syrien realisiert werden“ – so habe es ihm der syrische Machthaber zugesagt.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisierte das Verhalten des Kanzlers scharf. In einer Stellungnahme heißt es: „Es ist ein Armutszeugnis, dass der Parteivorsitzende der Christdemokraten den islamistischen Machthaber al-Scharaa trifft, ohne auch nur ein Wort über die Angriffe auf Christen in Syrien zu verlieren.“
Dramatischer Rückgang der christlichen Bevölkerung
Die Kritik erscheint berechtigt, wenn man die Entwicklung in Syrien betrachtet. Vor Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 lebten dort noch knapp zwei Millionen Christen. Heute sind es nach Schätzungen nur noch etwa 300.000. Die meisten wurden vom sogenannten Islamischen Staat vertrieben oder ermordet.
Jetzt regieren ehemalige Islamisten, die zwar den Staat wieder aufbauen wollen, aber offenbar nicht daran denken, Christen und anderen religiösen Minderheiten Schutz zu gewähren oder ihnen gleiche Rechte wie Muslimen einzuräumen.
Politisches Kalkül oder Versagen?
Aus politischer Sicht ist die Einladung an den syrischen Machthaber durchaus nachvollziehbar – schließlich geht es auch um den Wiederaufbau des Landes und diplomatische Beziehungen. Doch als Regierungschef eines christlich geprägten Landes hätte Merz die Gelegenheit nutzen müssen, beim Staatsgast konkret das Recht der verfolgten Christen einzufordern.
Das Ausbleiben dieser klaren Positionierung wird von vielen Beobachtern als unverzeihliches Versagen gewertet. Die Frage bleibt: Ist der Bundesregierung das Schicksal der syrischen Christen tatsächlich gleichgültig, oder handelt es sich um diplomatische Rücksichtnahme, die menschliches Leid ignoriert?



