Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit US-Präsident Donald Trump telefoniert. Das Gespräch, das auf Initiative des Kanzlers zustande kam, sollte die jüngsten Spannungen zwischen Washington und Berlin entschärfen. Nach Angaben von Merz auf der Plattform X herrscht Einigkeit in der Iran-Frage: „Wir sind uns einig: Der Iran muss jetzt an den Verhandlungstisch kommen“, schrieb der CDU-Politiker. Zudem müsse die Straße von Hormus geöffnet werden und Teheran dürfe keine Nuklearwaffen besitzen.
Ukraine-Krieg im Fokus
Nach Informationen des SPIEGEL stand der Krieg in der Ukraine im Mittelpunkt des Telefonats. Es ging um die Frage, wie erneute Friedensbemühungen aussehen könnten. Merz betonte auf X: „Wir haben auch über eine Friedenslösung für die Ukraine gesprochen und uns vor dem NATO-Gipfel in Ankara abgestimmt. Die USA und Deutschland sind starke Partner in einer starken NATO.“
Trumps Kritik an Merz
Das Telefonat erfolgte vor dem Hintergrund scharfer Attacken Trumps auf den Kanzler. Trump hatte Merz zuletzt auf seiner Plattform Truth Social attackiert: „Er hat keine Ahnung, wovon er spricht! Es ist kein Wunder, dass es Deutschland so schlecht geht, sowohl wirtschaftlich als auch in anderer Hinsicht!“ Auslöser war eine Äußerung von Merz, der mit Blick auf die US-Verhandlungen mit Iran gesagt hatte, dort werde „eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“.
Neue Verstimmung durch Merz-Äußerung
Kaum hatte Merz das Gespräch mit Trump beendet, sorgte eine weitere Aussage des Kanzlers für Unmut in Trumps Umfeld. Beim Katholikentag in Würzburg sagte Merz während einer Podiumsdiskussion: „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten.“ Dieses Zitat verbreitete Richard Grenell, ehemaliger US-Botschafter in Deutschland und einflussreicher Vertreter der MAGA-Bewegung, auf X. Grenell behauptete, der Kanzler werde von „woken deutschen Medien“ kontrolliert.
Hintergrund der Spannungen
Die transatlantischen Beziehungen sind seit Wochen angespannt. Trump hatte zuvor unter anderem Tomahawk-Raketen zurückgehalten und den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland angekündigt. Experten sehen eine grundlegende Verschiebung in der US-Außenpolitik. Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff schreibt in einem Gastbeitrag: „Der amerikanische Präsident macht, was er will, und Europa spielt die Betrogene. Dabei war der Regelbruch in Washington schon immer Teil der internationalen Politik. Neu ist etwas ganz anderes.“
Ob das Telefonat zwischen Merz und Trump die Wogen nachhaltig glätten kann, bleibt abzuwarten. Die nächste Bewährungsprobe steht beim NATO-Gipfel in Ankara an.



