Nahost-Konflikt erreicht kritische Phase: UN-Soldaten verletzt, USA intensivieren Angriffe
Der achte Tag des Iran-Krieges im Nahen Osten hat zu einer weiteren Eskalation der Gewalt geführt, die nun auch internationale Friedenstruppen direkt betrifft. Bei Gefechten zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon wurden drei Soldaten der UN-Friedenstruppe Unifil in ihrem Stützpunkt im Südwesten des Landes verletzt. Ein Schwerverletzter musste zur Behandlung in eine Klinik nach Beirut gebracht werden, während die beiden anderen Verletzten in einer Unifil-Einrichtung versorgt werden. Ein Brand auf dem Militärstützpunkt konnte gelöscht werden, doch die Verantwortung für den Vorfall bleibt ungeklärt.
UN verurteilt Angriff auf Friedenstruppen scharf
Die Mission der Vereinten Nationen reagierte mit scharfer Kritik auf den Vorfall. „Es ist inakzeptabel, dass Friedenstruppen, die vom Sicherheitsrat beauftragte Aufgaben erfüllen, angegriffen werden“, erklärte Unifil in einer offiziellen Stellungnahme. Jeder Angriff auf Unifil-Truppen stelle einen schweren Verstoß gegen das humanitäre Völkerrecht dar. Die UN haben seit 1978 Blauhelmsoldaten im Grenzgebiet von Israel und dem Libanon stationiert, wobei die meisten von ihnen bis Mitte 2027 abziehen sollen.
USA starten bisher schwerstes Bombardement im Iran
Parallel zu den Entwicklungen im Libanon kündigten die Vereinigten Staaten eine massive Ausweitung ihrer Militäroperationen im Iran an. US-Finanzminister Scott Bessent (63) erklärte in der Nacht beim Sender „Fox Business“: „Heute Nacht wird unser schwerstes Bombardement stattfinden.“ Man werde den iranischen Raketenabschussrampen und den Fabriken, in denen die Raketen hergestellt würden, den „größten Schaden“ zufügen. Bereits am frühen Morgen zeigten Fotos Explosionen am Mehrabad International Airport in Teheran, nachdem auch das israelische Militär eine „umfangreiche“ Welle von Angriffen angekündigt hatte.
US-Militär setzt bewährtes Drohnenabwehrsystem ein
Im Nahen Osten wollen sich die USA zudem mit einem speziellen System gegen iranische Drohnen verteidigen, das sich bereits in der Ukraine im Kampf gegen Russland als äußerst wirksam erwiesen hat. Das als Merops bekannte System, das Abfangdrohnen gegen feindliche Flugkörper einsetzt, soll bald in die Region gebracht werden, wie zwei US-Vertreter gegenüber der Nachrichtenagentur AP bestätigten. Dieses System wurde bereits von der Ukraine, Polen und Rumänien erfolgreich eingesetzt.
Umfangreiche Angriffe seit Kriegsbeginn
Seit Beginn des Krieges vor einer Woche hat das US-Militär nach eigenen Angaben bereits mehr als 3000 Ziele im Iran angegriffen. Die Streitkräfte hätten zudem 43 iranische Schiffe zerstört oder beschädigt, teilte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom) mit. Das erklärte Ziel des US-Militärs ist es, die gesamte iranische Marine außer Gefecht zu setzen und so die maritime Dominanz in der Region zu sichern.
Internationale Kritik an US-Strategie
Kritik an der Militärstrategie der USA kommt vom Vorsitzenden der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger (79). „Negativ überrascht hat mich, dass die amerikanische Regierung weiterhin keinen halbwegs verlässlichen Plan kommunizieren kann, was das Ziel der Intervention im Iran ist“, sagte er dem „Stern“. Er warnte davor, dass das Schlimmste passieren könne, „wenn man ohne klaren Plan, der auch mit den Verbündeten geteilt wird, in solche Operationen hineinstolpert.“ Ischinger kritisierte insbesondere, dass Washington die Begründung für den Einsatz mehrfach gewechselt habe.
Dramatische Lage für internationale Seefahrt
Für zigtausende Seeleute spitzt sich die Situation im Persischen Golf dramatisch zu. Laut der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation (IMO) sitzen aktuell 20.000 Seeleute an Bord von Schiffen fest. Generalsekretär Arsenio Dominguez (55) wies auf ihr erhöhtes Risiko und die „erhebliche psychische Belastung“ hin. Nach Einschätzung von US-Kriegsbeobachtern ist der Schiffsverkehr wegen des Krieges rund um den Persischen Golf um etwa 90 Prozent zurückgegangen. Die strategisch wichtige Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit den Weltmeeren verbindet, ist massiv in ihrer Funktion eingeschränkt, was erhebliche Auswirkungen auf den internationalen Handel hat.



