Netanyahu verknüpft Iran-Operation mit zionistischer Legende
Benjamin Netanyahu, der israelische Premierminister, nutzte eine nationale Ansprache, um den jüngsten Militärschlag gegen Iran historisch zu verankern. Die Operation mit dem Codenamen „Löwengebrüll“ wurde bewusst am Todestag von Joseph Trumpeldor durchgeführt, einer mythischen Figur der zionistischen Bewegung.
Ein Mann aus Stahl und Eisen
Netanyahu erinnerte in seiner Rede ausführlich an Joseph Trumpeldor, dessen Leben von Kampf und Opferbereitschaft geprägt war. Der studierte Zahnarzt wanderte 1911 aus dem zaristischen Russland nach Palästina ein, nachdem er im Japanisch-Russischen Krieg einen Arm verloren hatte. Trotz dieser Verwundung kämpfte er im Ersten Weltkrieg in der „Jüdischen Legion“ auf britischer Seite.
Im Jahr 1920 schloss sich Trumpeldor einer kleinen Verteidigungsgruppe an, um die zionistische Siedlung Tel Chai in Galiläa gegen arabische Angriffe zu schützen. Dort fiel er im Kampf, gemeinsam mit sieben weiteren Kämpfern. Seine letzten Worte, „Belanglos, es ist gut für das Vaterland zu sterben“, haben sich tief ins kollektive Gedächtnis Israels eingebrannt.
Symbolische Verbindung zur Gegenwart
Netanyahu betonte, dass Trumpeldors Vermächtnis und Heldentum in den heutigen Israelis weiterlebe. Der Premierminister erklärte: „Sein Vermächtnis und sein Heldentum pulsiert in uns.“ Mit Blick auf den großangelegten Angriff, bei dem israelische Kampfjets Hunderte Ziele im Iran trafen, fügte er hinzu: „Mit Gottes Hilfe ist das Löwengebrüll unserer Soldaten, unserer Piloten und unserer Bürger heute auf der gesamten Welt zu hören.“
Die Operation fand bewusst am 11. Adar statt, dem jüdischen Kalendertag, an dem traditionell Trumpeldors Tod gedacht wird. In diesem Jahr jährte sich sein Todestag zum 106. Mal. In Tel Chai erinnert noch heute eine Statue eines brüllenden Löwen an den gefallenen Helden, was die Namensgebung der Militäraktion erklärt.
Historische Inszenierung
Netanyahu, selbst Sohn eines Historikers, inszenierte den Angriff auf Iran von Anfang an mit historischen Bezügen. Bereits während eines Telefonats mit US-Präsident Donald Trump ließ er sich an seinem Schreibtisch fotografieren, vor sich ein Buch mit dem Titel „Allies at War. The Politics of Defeating Hitler“. Diese bewusste Platzierung unterstrich seine Absicht, den aktuellen Konflikt in eine größere historische Erzählung einzubetten.
In seiner Ansprache verkündete Netanyahu zudem: „Wir haben Khameneis Anwesen zerstört. Es gibt viele Zeichen, dass der Diktator nicht mehr lebt.“ Diese Aussage kombiniert aktuelle militärische Erfolge mit der historischen Rhetorik des Widerstands und der Opferbereitschaft, wie sie Trumpeldor verkörperte.
Die gezielte Verknüpfung von Vergangenheit und Gegenwart durch Netanyahu dient nicht nur der moralischen Legitimation des Militärschlags, sondern auch der Stärkung des nationalen Zusammenhalts in einer Zeit erhöhter Spannungen.



