Pakistan und Taliban im offenen Krieg: Luftangriffe auf Kabul und Kandahar
Die Spannungen zwischen den Nachbarländern Afghanistan und Pakistan haben sich zu einem offenen Krieg ausgeweitet. Nach afghanischen Angriffen auf pakistanische Stellungen im Grenzgebiet am Donnerstagabend flog Islamabad am Freitag Luftangriffe auf die beiden größten afghanischen Städte, Kabul und Kandahar. Beide Seiten meldeten zahlreiche Tote und Verletzte, darunter auch Zivilisten.
Eskalation mit Luftangriffen auf afghanische Großstädte
Die pakistanischen Luftangriffe auf Kandahar und Kabul markieren eine neue Eskalationsstufe im Konflikt. Kandahar gilt als politisches und spirituelles Machtzentrum der Taliban, die seit August 2021 wieder in Afghanistan an der Macht sind. Ihr oberster Führer, Haibatullah Achundsada, hält sich üblicherweise dort auf. Die Angriffe auf Ziele im Landesinneren zeigen die Entschlossenheit Pakistans, den Druck auf die Taliban-Regierung zu erhöhen.
Nach Angaben des Taliban-Sprechers Sabiullah Mudschahid wurden bei den Angriffen 13 afghanische Sicherheitskräfte getötet und 22 weitere verletzt. Er berichtete auch von zivilen Opfern, darunter Kindern und Frauen. Auf pakistanischer Seite gab ein Militärsprecher bekannt, dass zwölf Soldaten getötet und 27 verletzt wurden. Die Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.
Pakistan fordert Abkehr von Terrorgruppen
Die pakistanische Regierung stellte klare Forderungen an die Taliban. Ein Armee-Sprecher erklärte, Kabul müsse sich entscheiden, ob es an der Seite Pakistans oder an der Seite von Terrororganisationen stehe. Solange die Taliban sich nicht von Extremisten im Nachbarland abwenden würden, gebe es kein Ende des laufenden pakistanischen Militäreinsatzes. Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif hatte den Konflikt bereits in der Nacht als „offenen Krieg“ bezeichnet.
Die Taliban-Regierung pochte hingegen auf eine Lösung durch Dialog. Taliban-Sprecher Mudschahid betonte bei einer Pressekonferenz am Freitag: „Wir haben wiederholt eine friedliche Lösung betont und wollen weiterhin, dass das Problem durch Dialog gelöst wird.“ Gleichzeitig drohte er mit weiterer Gewalt, sollte Islamabad den Krieg fortsetzen.
Hintergrund des Konflikts
Der Konflikt zwischen Pakistan und Afghanistan hat sich in den vergangenen Monaten aufgrund von Vorwürfen aus Pakistan verschlechtert. Islamabad wirft Kabul vor, Terroristen zu beherbergen, die in Pakistan Anschläge verüben. Insbesondere die Gruppe Tehrik-e-Taliban Pakistan (TTP) – weithin als pakistanische Taliban bekannt – und ein regionaler Ableger des Islamischen Staates (IS) verüben in Pakistan seit Jahren immer mehr Anschläge.
Nach Angaben des Pakistan Institute for Peace Studies stieg die Zahl der Terroranschläge in Pakistan 2025 auf fast 700, ein Plus von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 300 der Angriffe werden der TTP zugerechnet. Hunderte Menschen wurden dabei getötet. Die Taliban-Regierung bestreitet diese Vorwürfe vehement und bezeichnet die TTP als „Pakistans internes Sicherheitsproblem“.
Internationale Appelle zur Deeskalation
Die internationale Gemeinschaft reagierte besorgt auf die Eskalation. China, das eine Grenze zu beiden Ländern hat, rief zu raschem Dialog und einer Feuerpause auf. Außenamtssprecherin Mao Ning erklärte in Peking: „Als Nachbar und Freund ist China zutiefst besorgt über die Eskalation des Konflikts.“
Vermittler aus Saudi-Arabien, Katar und der Türkei hatten in der Vergangenheit auf eine Waffenruhe gedrängt und setzten ihre Bemühungen auch im aktuellen Konflikt fort. UN-Generalsekretär António Guterres forderte beide Länder zur Deeskalation auf und betonte, dass alle Differenzen auf diplomatischem Weg beigelegt werden sollten.
Sicherheitsmaßnahmen in Pakistan
In Pakistan wurden am Freitag weitere Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. In Islamabad verboten Behörden jegliche Drohnenflüge, und in mehreren Städten im Land wurde die Alarmbereitschaft erhöht. Besonders betroffen ist die Region um Peshawar im Norden nahe der afghanischen Grenze, wo sich Krankenhäuser auf Opfer von möglichen Anschlägen vorbereiteten.
Der Konflikt zwischen Pakistan und den Taliban in Afghanistan flammt immer wieder in Form direkter militärischer Konfrontationen auf. Vermittlungen für einen nachhaltigen Frieden waren nach Gefechten und Angriffen im vergangenen Herbst gescheitert. Die jüngste Eskalation zeigt, wie fragil die Beziehungen zwischen den Nachbarländern bleiben.



