Israelischer Außenminister begründet militärisches Vorgehen gegen Iran
Israels Außenminister Gideon Sa'ar (59) hat in einem exklusiven Interview mit Axel-Springer-Global-Reporter Constantin Schreiber bei WELT TV die strategischen Ziele des israelischen Angriffs auf den Iran detailliert erläutert. Der Minister sprach dabei so deutlich wie selten zuvor über die Beweggründe der israelischen Regierung.
Langfristige Sicherheit statt jährlicher Kriege
Sa'ar machte unmissverständlich klar, dass Israel mit dem militärischen Vorgehen „die existenziellen Bedrohungen langfristig beseitigen“ wolle. „Wir wollen nicht jedes Jahr in einen Krieg ziehen müssen“, betonte der Außenminister. Aus israelischer Perspektive sei ein Nicht-Handeln keine Option gewesen, da sonst der Iran zur Atommacht geworden wäre – was eine existenzielle Gefahr für den jüdischen Staat bedeutet hätte.
Der Minister räumte ein, dass ein militärisches Vorgehen „zahlreiche gefährliche Szenarien und Komplikationen“ mit sich bringe, die vor Kriegsbeginn „umfassend analysiert“ worden seien. Dennoch sei die Entscheidung des Sicherheitskabinetts einstimmig gefallen: „Wir müssen handeln. Und wir müssen jetzt handeln.“
Zusammenarbeit mit den USA und iranische Taktiken
Über die Kooperation mit den Vereinigten Staaten sagte Sa'ar, man führe „einen guten Dialog“ und komme „auf Grundlage“ von Geheimdienstinformationen „zu einer gemeinsamen Einschätzung“. Nach dieser Bewertung habe Teheran sein Atomprogramm trotz diplomatischer Signale weiter vorangetrieben. Die Iraner hätten versucht, „Zeit zu gewinnen“, während sie gleichzeitig „Projekte zur Waffenentwicklung“ weiterentwickelten.
Regimewechsel als Mittel zum Zweck
Sa'ar verdeutlichte, dass es „darum geht, existenzielle Bedrohungen dauerhaft zu beseitigen“. Ein Regimewechsel im Iran sei dabei „ein Mittel, um dieses Ziel zu erreichen“, weil man mit dem „derzeitigen Regime schlicht nicht sehen“ könne, wie das sonst gelingen solle. Entscheidend sei es, „die notwendigen Bedingungen“ für das iranische Volk zu schaffen.
Gleichzeitig betonte der Außenminister: „Nicht wir oder die Amerikaner werden entscheiden, wer im Iran an der Macht sein wird“ – vielmehr solle dies „hoffentlich in freien Wahlen“ das iranische Volk selbst tun.
Historischer Vergleich mit Deutschland
Im weiteren Verlauf des Gesprächs zog Sa'ar eine Parallele zu Deutschland nach 1945: „Nachdem das Nazi-Regime kapitulierte und zerstört war, gab es einen Wechsel.“ Auf Schreibers Einwand, ein solcher Umbruch sei damals nur mit Bodentruppen möglich gewesen, entgegnete der Minister: „Nicht alles in der Geschichte ist völlig vergleichbar. Aber es ist ganz klar: Ohne Handeln wäre die ganze Region und die ganze Welt in Gefahr gewesen.“
Das Interview zeigt die klare strategische Ausrichtung der israelischen Regierung, die eine dauerhafte Lösung der Sicherheitsbedrohung durch den Iran anstrebt, auch wenn dies riskante militärische Maßnahmen erfordert.



