Selenskyj bei Maybrit Illner: Europa ist stark und unabhängig - Ukraine-Präsident macht Mut
Selenskyj bei Maybrit Illner: Europa ist stark und unabhängig

Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj spricht bei Maybrit Illner

In einem eindringlichen Auftritt bei der Talkshow Maybrit Illner hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Europa im Ringen mit Russland und angesichts internationaler Spannungen Mut zugesprochen. Der 48-jährige Staatschef betonte dabei die Eigenständigkeit und Stärke des europäischen Kontinents.

„Europa ist selbstständig, stark und unabhängig“

Selenskyj wies darauf hin, dass Russland sich über Zerwürfnisse zwischen der Trump-Administration und europäischen Führungskräften gefreut habe. „Die USA sagen, Europa wäre gerade schwach, und die Russen sehen Europa nicht am Verhandlungstisch, weil es die Ukraine unterstützt“, so der Präsident. Doch er fügte entschieden hinzu: „Europa ist selbstständig, stark und unabhängig. Es wird am Verhandlungstisch sitzen und nicht darum betteln, sondern eingeladen werden!“

Das Interview war bereits nach Selenskyjs Besuch bei Bundeskanzler Friedrich Merz am Dienstag aufgezeichnet worden. Der ukrainische Präsident äußerte sich auch zu den Verhandlungsbemühungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump, der über Unterhändler Steve Witkoff und Schwiegersohn Jared Kushner agierte.

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Kritik an Putins Taktiken und Trumps Vermittlern

Über Kushner und Witkoff sagte Selenskyj: „Kushner und Witkoff sind pragmatische Jungs. Das einzige Problem ist, dass sie denken, die Russen gewinnen den Krieg. Sie irren sich jedoch.“ Bezüglich der typischen Kreml-Tricks mit Zusicherungen, die jederzeit zurückgezogen werden können, erklärte er: „Putin hat den Vermittlern gesagt, der Krieg ist beendet, wenn die Ukraine etwas hergibt. Die Amerikaner sagen, sie können nur Garantien geben, wenn der Krieg zu Ende ist und wir den Donbass verlassen. Aber wir sind keine Idioten!“

Selenskyj zeigte sich zuversichtlich, dass die Ukraine die Europäische Union stärken werde: „Die EU ist wirtschaftlich und sicherheitstechnisch besser als die Nato. Unsere Armee, die 800.000 umfasst, und unsere Technologie werden die EU nur stärken.“

Diskussion über Europas Rolle im Ukraine-Krieg

In der anschließenden Diskussionsrunde bei Maybrit Illner äußerten sich weitere Gäste zur europäischen Verantwortung. Die Publizistin Marina Weisband, die in Kiew geboren wurde, mahnte: „Wir brauchen die Ukraine, und wir müssen uns als EU auch langsam aufstellen über diese Idee der Wirtschaftsunion hinaus. Wir haben ein junges Land, das richtig begeistert ist von dieser europäischen Idee. Die EU braucht diese Begeisterung, um aus unserem bürokratischen Kram herauszukommen.“

Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, kritisierte scharf die Ausgrenzung Europas: „Es führt gar kein Weg daran vorbei, die Europäer einzubeziehen. Uns draußen vor der Tür sitzen zu lassen, ist schlicht und ergreifend dämlich. Es ist eigentlich unverschämt. Es ist ein Krieg in Europa. Da könnten wir durchaus auch mal mit dem Fuß aufstampfen!“

Die Diskussion verdeutlichte die dringende Notwendigkeit einer geschlossenen europäischen Position in der Ukraine-Krise. Selenskyjs Appell für ein starkes und unabhängiges Europa fand dabei breite Unterstützung unter den Teilnehmern.

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