Spanien und USA im öffentlichen Streit über Nutzung von Militärstützpunkten
Die Regierungen der Vereinigten Staaten und Spaniens haben widersprüchliche Angaben zur künftigen Nutzung spanischer Militärstützpunkte für Luftangriffe auf Iran gemacht. Eine Sprecherin von US-Präsident Donald Trump erklärte am Mittwoch, die Regierung in Madrid habe dem Druck aus Washington nachgegeben und einer Zusammenarbeit zugestimmt. "Ich denke, sie haben die Botschaft des Präsidenten gestern laut und deutlich gehört", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt. Nach ihrem Verständnis habe Spanien zugesagt, mit dem US-Militär zu kooperieren, wobei sie keine Details nannte.
Spanien weist US-Aussagen kategorisch zurück
Außenminister Jose Manuel Albares wies diese Darstellung im spanischen Radiosender Cadena Ser jedoch entschieden zurück: "Ich bestreite das kategorisch." Die Haltung der spanischen Regierung zum Krieg im Nahen Osten und zur Nutzung spanischer Stützpunkte für die Bombardierung Irans habe sich überhaupt nicht geändert. Er wisse nicht, worauf sich die US-Angaben bezögen. Es ist nicht das erste Mal, dass Äußerungen der US-Regierung von der Gegenseite nicht bestätigt wurden.
Im weitverzweigten Netzwerk des US-Militärs spielen die spanischen Basen eine Schlüsselrolle. Der Stützpunkt in Rota, gelegen in Andalusien am südlichen Zipfel des Landes, gilt als Drehkreuz: US-Flieger auf dem Weg in den Nahen Osten landen hier zwischen. Selten war Rota für die Amerikaner wichtiger, doch nun fällt die Luftwaffenbasis aus.
Spaniens Regierung bekräftigt Ablehnung
Ministerpräsident Pedro Sánchez bekräftigte in einer Fernsehansprache an die Nation seine Ablehnung des Angriffs der USA und Israels. Der Konflikt berge das Risiko, dass mit dem Leben von Millionen Menschen gespielt werde. "So beginnen die großen Katastrophen der Menschheit ... Man kann nicht mit dem Schicksal von Millionen Menschen russisches Roulette spielen", sagte Sánchez. Seine Stellvertreterin Maria Jesus Montero hatte betont, Spanien werde kein "Vasall" eines anderen Landes sein.
Trump übt harte Kritik und droht mit Konsequenzen
US-Präsident Trump hatte am Vortag bei einem Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) harte Kritik geübt. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", sagte er mit Blick auf die US-Angriffe auf Iran. "Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen", beschwerte sich Trump. "Sie waren unfreundlich." Und deshalb habe er seinen Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen. Welche Abkommen Trump meinte, blieb zunächst unklar.
Bundeskanzler Merz gerät in die Kontroverse
Vor laufenden Kameras ging Merz im Weißen Haus nicht auf die Angriffe Trumps ein. Später erklärte Merz, Trump ohne Anwesenheit der Presse seine Meinung dazu klar gesagt zu haben. Madrid zeigte sich im Anschluss verärgert über den mangelnden Beistand des CDU-Politikers in der Öffentlichkeit. Außenminister Albares erklärte, er habe Deutschland seine "Überraschung" über die mangelnde Solidarität des Bundeskanzlers übermittelt.
Später trat der Kanzler der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU. "Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht", stellte Merz klar. Regierungssprecher Stefan Kornelius sagte am Mittwoch in Berlin auf eine Frage nach Merz' Verhalten in Washington: "Der Kanzler hat im Oval Office zu Spanien nicht reagiert und hat anschließend im Gespräch – wie er das selbst gestern anschließend mitgeteilt hat – diese Situation noch mal aufgegriffen und eine Klarstellung gemacht."
Reaktionen und EU-Solidarität
Diese Äußerungen wurden in spanischen Medien als Versuch des Kanzlers gewertet, sein anfängliches Schweigen gegenüber Trump zu korrigieren. Sánchez erwähnte Merz zwar nicht direkt, sagte aber, es sei "naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet". Die EU warnte Trump davor, Spanien mit einem Handelsembargo zu belegen. Ein Sprecher der EU-Kommission von Ursula von der Leyen sagte: "Wir stehen in voller Solidarität mit allen Mitgliedstaaten und ihren Bürgerinnen und Bürgern und sind im Rahmen unserer gemeinsamen Handelspolitik bereit zu handeln, falls dies erforderlich ist, um die Interessen der EU zu wahren." Man erwarte, dass sich die USA an die Handelsabsprachen hielten.



