Spanien verärgert über Merz' Schweigen bei Trumps Iran-Kriegskritik
Die spanische Regierung hat Bundeskanzler Friedrich Merz mangelnde Solidarität vorgeworfen, nachdem dieser im Weißen Haus nicht auf die scharfe Kritik von US-Präsident Donald Trump an Spaniens Widerstand gegen den Iran-Krieg reagierte. Diplomatisch höflich, aber deutlich formulierte Spaniens Außenminister José Manuel Albares, er habe Deutschland seine "Überraschung" über das Verhalten des Bundeskanzlers übermittelt.
Trumps Attacken und Merz' anfängliches Schweigen
Bei einem Treffen mit Merz im Weißen Haus übte Trump harte Kritik an den Regierungen in Madrid und London. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", sagte der US-Präsident mit Blick auf die US-Angriffe auf den Iran. "Spanien hat tatsächlich gesagt, dass wir ihre Stützpunkte nicht nutzen dürfen. Sie waren unfreundlich." Trump drohte sogar damit, alle Wirtschaftsabkommen mit Madrid einzustellen, blieb dabei aber vage. Merz reagierte vor laufenden Kameras zunächst nicht auf diese Angriffe.
Spaniens Position und europäische Reaktionen
Spanien gehört innerhalb der Europäischen Union zu den schärfsten Kritikern von Trumps Politik. Der linke Ministerpräsident Pedro Sánchez bezweifelt, ob die Angriffe auf den Iran vom Völkerrecht gedeckt sind, und verbot deshalb die Nutzung spanischer Militärbasen durch das US-Militär für Einsätze gegen den Iran. Sánchez warnte indirekt vor Naivität: "Es ist naiv zu glauben, dass blinder und unterwürfiger Gehorsam Führung bedeutet."
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, der die Iran-Angriffe ebenfalls als völkerrechtswidrig ansieht, sicherte Spanien in einem Telefonat mit Sánchez die "europäische Solidarität Frankreichs" zu. Die Europäische Union warnte Trump davor, Spanien mit einem Handelsembargo zu belegen, und betonte ihre volle Solidarität mit allen Mitgliedstaaten.
Merz' spätere Klarstellung
Später trat Bundeskanzler Merz der Drohung Trumps entgegen, die Wirtschaftsbeziehungen zu Spanien zu kappen. Mit Blick auf den US-Zollkonflikt mit der EU betonte er, Spanien sei Mitglied der EU. "Und als solches führen wir Verhandlungen über ein Zollabkommen mit den USA nur gemeinsam oder gar nicht", stellte Merz klar. Regierungssprecher Stefan Kornelius erklärte in Berlin, der Kanzler habe die Situation anschließend aufgegriffen und eine Klarstellung gemacht.
In spanischen Medien wurden diese Äußerungen als Versuch gewertet, das anfängliche Schweigen gegenüber Trump zu korrigieren. Der britische Premier Keir Starmer bemühte sich derweil, Trumps Kritik als nebensächlich abzutun, wobei der Iran-Krieg für ihn innenpolitisch heikel ist, da viele Briten dem früheren Labour-Premier Tony Blair noch heute nachtragen, den USA 2003 in den Irak-Krieg gefolgt zu sein.



