Nach Absage jetzt neuer Termin: Syriens Machthaber kommt am Montag nach Berlin
Syriens Übergangspräsident Ahmed al-Scharaa (43) wird – nach der spontanen Absage seines letzten Besuchs – erneut in Berlin erwartet. Am kommenden Montag soll der syrische Machthaber in der deutschen Hauptstadt eintreffen, wie aus Regierungskreisen verlautete. Ursprünglich war sein Besuch bei Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) bereits für Mitte Januar geplant, dann aber kurzfristig abgesagt worden.
Umstrittener Übergangspräsident wirbt um Vertrauen
Al-Scharaa war nach dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad (60) im Dezember 2024 zum Übergangspräsidenten Syriens ernannt worden und wirbt seither im Westen um Vertrauen. Dabei war der neue syrische Machthaber von Anfang an umstritten: Al-Scharaa ist Ex-Dschihadist, gibt sich allerdings seit seiner Machtübernahme gemäßigt. Dennoch wird seiner Regierung vorgeworfen, Alawiten, Drusen und Kurden in Syrien nicht ausreichend zu schützen. Im Januar ging das Regime massiv gegen Kurden in Aleppo vor.
Treffen soll sich um syrische Flüchtlinge drehen
Worum es bei dem anstehenden Besuch in Berlin im Detail gehen soll, ist noch nicht bekannt. Das Treffen wird inhaltlich an die im vergangenen November von Kanzler Merz ausgesprochene Einladung anknüpfen: Damals hatte Merz Syriens neuen Machthaber zu sich eingeladen, um mit ihm über die Zukunft der syrischen Flüchtlinge in Deutschland zu sprechen. Eine Anfrage an das Bundeskanzleramt blieb am Mittwochabend vorerst unbeantwortet.
Debatte über Umgang mit syrischen Flüchtlingen
Seit der Bürgerkrieg in Syrien beendet ist, ist eine Debatte über den Umgang mit syrischen Flüchtlingen in Deutschland entbrannt. Denn: Viele Syrer sind inzwischen in den Arbeitsmarkt integriert und werden dringend benötigt. Zugleich geht es auch um Straftäter und Gefährder: Das Innenministerium hatte bereits Ende vergangenen Jahres mit Syrien eine Vereinbarung besiegelt, die regelmäßige Abschiebungen ermöglichen soll. Das läuft bislang allerdings schleppend.
Asylanträge deutlich zurückgegangen
Fakt ist aber: Seit dem Sturz des Assad-Regimes fliehen deutlich weniger Syrer nach Deutschland. Das zeigt der Anfang März veröffentlichte Jahresbericht der EU-Asylagentur EUAA. Demnach hatten 2024 insgesamt 151.000 Syrer ein Asylgesuch gestellt. 2025 waren es nur noch 42.000 – ein deutlicher Rückgang, der die veränderte Lage in Syrien nach dem Regimewechsel widerspiegelt.
Die politischen Gespräche in Berlin werden daher nicht nur die bilateralen Beziehungen, sondern vor allem die praktische Umsetzung der Flüchtlingspolitik betreffen. Experten erwarten, dass neben humanitären Fragen auch Sicherheitsaspekte und wirtschaftliche Zusammenarbeit auf der Agenda stehen werden.



