Syriens Machthaber Ahmed al-Scharaa in Berlin: Umstrittener Staatsbesuch mit Treffen bei Merz und Steinmeier
Es sind Bilder, die vor dem Sturz des syrischen Diktators Baschar al-Assad im Dezember 2024 kaum denkbar gewesen wären: Ein syrischer Machthaber ist zu Gast in der deutschen Hauptstadt. Ahmed al-Scharaa, der 43-jährige Übergangspräsident Syriens und ehemalige Anführer der al-Nusra-Front, ist am Sonntagabend am Flughafen BER gelandet und hat im Luxushotel Ritz-Carlton in Berlin-Mitte Quartier bezogen.
Ankunft unter strengen Sicherheitsvorkehrungen
Die Ankunft des umstrittenen Staatsgastes erfolgte unter massiven Sicherheitsmaßnahmen. Vor dem Fünf-Sterne-Hotel am Potsdamer Platz wurden mobile Durchfahrtssperren aufgebaut und der Bereich mit Gittern abgesperrt. Zahlreiche Polizeikräfte sicherten das Areal, als al-Scharaa gegen 19:30 Uhr geräuschlos in die Tiefgarage des Luxushotels einfuhr. Der syrische Machthaber war mit einem katarischen Flugzeug aus Damaskus angereist und um 16:43 Uhr auf dem Hauptstadtflughafen gelandet.
Was er und seine Begleitung in den mehr als zwei Stunden zwischen Landung und Hotelankunft am Flughafen unternahmen, bleibt unklar. Beobachter sahen Männer in traditioneller syrischer Kleidung, mutmaßlich von der syrischen Botschaft, die an der Polizei vorbei ins Ritz-Carlton gingen.
Volles Programm mit Spitzentreffen
In Berlin wartet am Montag ein volles Programm auf den syrischen Machthaber. Auf der Tagesordnung stehen hochrangige Treffen mit Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70). Zudem wird al-Scharaa dem Auswärtigen Amt einen Besuch abstatten, wo er am Deutsch-Syrischen Wirtschafts-Roundtable teilnehmen wird.
Seit er im Dezember 2024 die Macht in Syrien übernommen hat, hat sich der Mann äußerlich stark verändert. Der frühere Terrorist mit dem Kampfnamen „Abu Mohammed al-Dscholani“ trägt nun kürzere Bärte und maßgeschneiderte Anzüge statt Kampfmontur. Die USA hatten jahrelang ein Kopfgeld von 10 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt.
Kritik an Menschenrechtslage und Vergangenheit
Der Besuch sorgt für heftige Kontroversen. Kritiker werfen der Bundesregierung vor, einem Mann mit blutiger Vergangenheit zu viel Ehre zu erweisen. Die Kurdische Gemeinde Deutschland spricht von einer „protokollarischen Aufwertung“ eines mutmaßlichen Kriegsverbrechers. Die Linkspartei bezeichnet das geplante Treffen als „moralischen Bankrott“.
Besonders kritisch wird die Menschenrechtslage in Syrien gesehen. Al-Scharaa steht in der Kritik, sein Versprechen zum Schutz von Minderheiten nicht ernst zu nehmen. Dies betrifft zunächst vor allem Kurden und Drusen. Am Wochenende gab es erneut Gewalttaten gegen Christen im Land.
Regierung verteidigt Dialog
Regierungssprecher Stefan Kornelius (60) wies die Kritik zurück: „Es ist sehr wichtig, sich mit den Führern dieser Region auszutauschen. Wir haben dort Interessen.“ Konkret gehe es darum, dass Syrien stabil und prosperierend aufgebaut werde – auch mit Hilfe der vielen Syrer, die während des Bürgerkriegs nach Deutschland gekommen seien.
Die Bundesregierung signalisiert damit, dass möglichst viele nicht in den deutschen Arbeitsmarkt integrierte Syrer baldmöglichst in ihre Heimat zurückkehren und beim Wiederaufbau helfen sollen. Aus dem Kanzleramt hieß es jedoch, man werde die Menschenrechtslage in den Gesprächen ansprechen.
Der syrische Machthaber weiß offenbar, was er dem Westen bieten muss, um die dringend benötigten Gelder für den Wiederaufbau seines Landes zu erhalten. Doch ob sein äußerlicher Wandel auch einen politischen Wandel bedeutet, bleibt fraglich. Die Bilder seines Berlin-Besuchs werden in Syrien und international genau beobachtet werden.



