Trump empfängt Merz im Oval Office: Lob für Deutschland, Kritik an Nato-Partnern
US-Präsident Donald Trump hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus zu einem bilateralen Gespräch empfangen und dabei die deutsche Haltung im Iran-Konflikt ausdrücklich gelobt. Im Gegensatz zu anderen Nato-Verbündeten wie Spanien und Großbritannien habe sich Deutschland "großartig" verhalten, betonte Trump während des Treffens im Oval Office in Washington.
Deutschland muss keine Truppen entsenden
Der US-Präsident versicherte, dass die Vereinigten Staaten von Deutschland keine Entsendung von Bodentruppen oder eine direkte militärische Beteiligung an den Angriffen auf den Iran verlangen würden. "Wir fordern sie nicht auf, Bodentruppen zu entsenden oder irgendetwas in der Art zu tun", sagte Trump deutlich.
Schwere Vorwürfe gegen Spanien und Großbritannien
Während Deutschland Lob erntete, fiel Trumps Kritik an anderen europäischen Partnern umso schärfer aus. "Einige europäische Länder wie Spanien haben sich schrecklich verhalten", erklärte der US-Präsident und verwies darauf, dass Spanien den USA die Nutzung von Luftwaffenstützpunkten auf seinem Territorium untersagt habe.
Trump betonte, niemand könne den USA vorschreiben, was sie zu tun oder zu lassen hätten. "Wenn die USA wollten, könnten sie Spaniens Stützpunkte auch ohne Erlaubnis nutzen", so der Präsident. Als Konsequenz habe er Finanzminister Scott Bessent angewiesen, "alle Deals" mit Madrid einzustellen, auch wenn zunächst unklar blieb, welche Abkommen genau gemeint waren.
Merz unterstützt Kritik an Spanien
Bundeskanzler Merz schloss sich der Kritik an Spanien an, allerdings mit einem anderen Fokus. Er verwies darauf, dass Spanien das einzige Nato-Land sei, das sich weigere, das gemeinsam vereinbarte Ziel bei den Verteidigungsausgaben einzuhalten.
Großbritannien attackierte Trump ebenfalls scharf und zog einen historischen Vergleich: "Wir haben es hier nicht mit Winston Churchill zu tun", sagte der US-Präsident ohne den Namen des britischen Premierministers Keir Starmer zu nennen. Das Verhalten der Briten bezeichnete er als "shocking" (schockierend).
Einigkeit bei Zielen, Unterschiede bei Mitteln
Merz versuchte im Oval Office den Eindruck zu erwecken, dass er mit Trump bei den strategischen Zielen der Operation weitgehend übereinstimme. "Wir sind uns einig, dass dieses schreckliche Regime in Teheran beseitigt werden muss", erklärte der Bundeskanzler.
Allerdings schließt die Bundesregierung eine direkte Beteiligung an der Militäraktion aus - anders als Frankreich und Großbritannien, die Kriegsschiffe zur Abwehr von Raketen und Drohnen in die Region entsenden. Deutschland hat jedoch kein Problem damit, dass die USA den Luftwaffenstützpunkt im rheinland-pfälzischen Ramstein für die Angriffe nutzen.
Ukraine-Krieg bleibt Priorität
Merz wies während des Gesprächs auch darauf hin, dass die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Krieges nicht aus dem Blick geraten dürften. Mit Blick auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte er, es gebe zu viele "bad guys" (Bösewichte) in dieser Welt.
Trump versicherte, dass seine diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Krieges weit oben auf seiner Prioritätenliste stünden. Er verwies auf einen "enormen Hass" zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj.
Persönliches Lob für Merz, Kritik an Merkel
Der US-Präsident würdigte Merz persönlich als "ausgezeichneten Anführer" und "sehr erfolgreichen Mann", der einen "großartigen" Job mache und zu einem Freund geworden sei. Im Kontrast dazu kritisierte Trump die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
"Ich habe gesagt: Sie schaden Ihrem Land mit der Migration und Sie schaden Ihrem Land mit der Energiepolitik", erinnerte sich Trump an seine Differenzen mit Merkel. Merz hingegen sei in beiden Fragen "ziemlich das Gegenteil" seiner Vorgängerin.
Internationale Aufmerksamkeit für den Besuch
Der Besuch von Bundeskanzler Merz im Weißen Haus erhielt internationale Aufmerksamkeit, da er als erster Staatschef nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf den Iran persönlich bei Trump erschien. Anders als üblich wurde Merz nicht vor dem Weißen Haus empfangen, sondern durch einen Nebeneingang geleitet.
Während des Gesprächs im Oval Office dominierte Trump deutlich die Konversation, während Merz kaum zu Wort kam. Die meisten Fragen der anwesenden Journalisten richteten sich an den US-Präsidenten, ähnlich wie bereits bei früheren Treffen der beiden Politiker.



