US-Iran-Verhandlungen: Vance spricht von Fortschritten, Iran kritisiert US-Forderungen
Die Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran bleiben in einer Sackgasse stecken, während beide Seiten sich gegenseitig die Schuld am Scheitern der Verhandlungen geben. US-Vizepräsident JD Vance äußerte sich in einem Interview mit Fox News optimistisch und verwies auf "echte Fortschritte" während der Gespräche in Islamabad. Allerdings liege der Ball nun eindeutig im Feld des Iran, betonte der Vizepräsident.
Vance: Iran muss beim Atomprogramm Zugeständnisse machen
"Wir haben große Fortschritte gemacht", erklärte Vance in dem Fernsehinterview. Die Verhandlungen seien in vielen Bereichen in die richtige Richtung gelaufen, doch beim entscheidenden Punkt – dem iranischen Atomprogramm – habe Teheran nicht ausreichend Bewegung gezeigt. Aus US-Sicht gehe es vor allem um zwei Kernforderungen: die Entfernung von hoch angereichertem Uran aus dem Iran und eine dauerhafte Einschränkung der Urananreicherung.
Vance äußerte Zweifel daran, dass die iranischen Verhandler in Islamabad überhaupt befugt waren, einem Abkommen zuzustimmen. Seiner Einschätzung nach bedürfe es dafür erst der Zustimmung aus der iranischen Führung, möglicherweise direkt vom Revolutionsführer Mojtaba Khamenei. Ob und wann weitere Verhandlungsrunden folgen werden, ließ der US-Vizepräsident bewusst offen.
Iranischer Präsident wirft USA übertriebene Forderungen vor
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian konterte die US-Vorwürfe mit scharfer Kritik an der amerikanischen Verhandlungsposition. In einem Telefongespräch mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron machte Pezeshkian laut dem staatlichen Sender PressTV "übertriebene Forderungen" und den "mangelnden politischen Willen hochrangiger US-Beamter" für das Scheitern der Gespräche verantwortlich.
Medienberichten zufolge haben die USA dem Iran einen überraschenden Vorschlag unterbreitet: Teheran solle für einen Zeitraum von 20 Jahren vollständig auf die Urananreicherung verzichten. Diese Forderung markiert eine deutliche Aufweichung der bisherigen US-Position, die einen kompletten und zeitlich unbegrenzten Verzicht gefordert hatte.
Details aus den Verhandlungen sickern durch
Aus informierten Kreisen werden immer mehr Einzelheiten der gescheiterten Verhandlungsrunde bekannt. Dem Nachrichtenportal "Axios" und dem "Wall Street Journal" zufolge lehnte der Iran die US-Forderung nach einem 20-jährigen Anreicherungsstopp kategorisch ab. Stattdessen habe Teheran einen deutlich kürzeren Zeitraum im "einstelligen Bereich" – also weniger als zehn Jahre – ins Spiel gebracht.
Ebenso zurückgewiesen wurde die amerikanische Forderung, das hoch angereicherte Uran, das sich tief unter iranischen Atomanlagen befinden soll, aus dem Land zu entfernen. Diese Ablehnung unterstreicht die tiefen Gräben zwischen den Verhandlungspositionen beider Länder.
Uno-Generalsekretär mahnt zur Fortsetzung des Dialogs
Uno-Generalsekretär António Guterres rief beide Seiten zur Fortsetzung der Gespräche auf. Sein Sprecher betonte, dass die Gespräche selbst bereits die "Ernsthaftigkeit des Engagements" beider Parteien demonstriert hätten und einen bedeutenden Schritt hin zu einem neuen Dialog darstellten.
"Angesichts der tief verwurzelten Differenzen kann eine Einigung nicht über Nacht erzielt werden", so der Sprecher des Uno-Chefs. Gleichzeitig forderte Guterres die Einhaltung der zweiwöchigen Waffenruhe und die Bewahrung der Freiheit der Schifffahrt – insbesondere in der strategisch wichtigen Straße von Hormus, wo die USA eine Seeblockade gegen den Iran verhängt haben.
Die Blockade zielt darauf ab, Schiffe zu kontrollieren, die einen iranischen Hafen als Start- oder Zielhafen haben, und soll zusätzlichen Druck auf Teheran ausüben. Ob diese Maßnahme das iranische Regime zum Einlenken bewegen kann, bleibt jedoch fraglich. Die tiefen politischen und ideologischen Differenzen zwischen Washington und Teheran stellen weiterhin ein erhebliches Hindernis für eine friedliche Einigung dar.



