US-Journalistin Shelly Kittleson im Irak entführt – Trump droht Nato-Partnern
US-Journalistin im Irak entführt – Trump droht Nato

US-Journalistin in Bagdad entführt – Verdacht auf irantreue Milizen

Die amerikanische Kriegsreporterin Shelly Kittleson ist am Dienstagabend in der irakischen Hauptstadt Bagdad verschleppt worden. Nach Berichten irakischer Medien wurde die freiberufliche Journalistin vor dem Palestine-Hotel von mehreren vermummten Entführern in ein Auto gezerrt. Die Täter versuchten anschließend, mit ihrer Geisel in Richtung der Kleinstadt Jurf al-Sakhar zu fliehen, die seit Langem als Hochburg radikaler schiitischer Milizen bekannt ist.

Das irakische Innenministerium gab kurze Zeit später bekannt, man habe die Spur der Täter aufnehmen können. Bei der Verfolgung sei ein Fahrzeug der Entführer gestoppt worden, das sich anschließend überschlug. Ein Verdächtiger wurde festgenommen. Anfängliche Berichte, dass Kittleson dabei verletzt befreit werden konnte, wurden jedoch nicht bestätigt.

Erfahrene Reporterin mit SPIEGEL-Verbindung

Shelly Kittleson berichtet seit anderthalb Jahrzehnten aus den Krisengebieten der Region. Sie begann ihre Arbeit 2010 in Afghanistan, war später lange im Irak tätig und hat zuletzt hauptsächlich in Syrien gearbeitet. Von dort recherchierte sie im Januar und Februar 2026 auch für den SPIEGEL über den Kollaps der kurdisch befehligten SDF-Miliz. Ihre Texte und Bilder sind im BBC World Service, Politico, Foreign Policy und diversen weiteren Medien veröffentlicht worden. 2017 erhielt sie die italienische Auszeichnung »Premio Caravella« für ihre Arbeit.

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Das irakische Innenministerium versicherte, dass die Ermittlungen mit Hochdruck weitergingen. Man werde »keinerlei Versuche dulden, die Sicherheit zu untergraben, und diejenigen verfolgen und vor Gericht stellen, die gegen das Gesetz verstoßen«. Hinter der Entführung wird die Gruppe Kataib Hisbollah vermutet, die bereits für die Entführung der russisch-israelischen Rechercheurin Elizabeth Tsurkov verantwortlich war, die erst nach mehr als zwei Jahren im Herbst 2025 freikam.

Trump droht Nato-Partnern und treibt Ölpreise

Parallel zur Entführung der Journalistin verschärft US-Präsident Donald Trump den Ton gegenüber Nato-Partnern. In einem Post auf seiner Plattform Truth Social attackierte er andere westliche Länder und forderte Großbritannien auf, selbst die von Iran faktisch blockierte Straße von Hormus einzunehmen. Die USA würden dabei nicht mehr helfen, so der Präsident.

Trump schrieb wörtlich: »Ihr müsst lernen, für euch selbst zu kämpfen« und forderte die Länder auf, sich »ihr eigenes Öl zu holen«. Scharfe Kritik äußerte er auch an Frankreich, das US-Militärmaschinen mit Rüstungslieferungen für Israel den Überflug verweigert hatte. Dieses Verhalten sei »äußerst unkooperativ« gewesen, schrieb Trump.

Ölpreise erreichen Rekordniveau

Die Drohungen und die anhaltende Blockade der Straße von Hormus treiben die Ölpreise weltweit in die Höhe. Die Nordsee-Referenzsorte Brent verteuerte sich binnen weniger Stunden von 112 auf zeitweise über 119 Dollar je Barrel. Damit erreichte der Preis fast den höchsten Stand seit der Energiekrise 2022 infolge von Russlands Überfall auf die Ukraine.

In den USA überschritt der nationale Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin erstmals seit Kriegsbeginn die Vier-Dollar-Marke – 35 Prozent über dem Stand bei Kriegsbeginn und der höchste Wert seit 2022. Die Inflation steigt, eine Rezession wird wahrscheinlicher. Auch die Düngemittelpreise sind um die Hälfte gestiegen, mitten in der US-Pflanzsaison für Mais und Soja – eine Nahrungsmittelknappheit droht.

Eskalation im Nahen Osten

Der Krieg im Nahen Osten eskaliert weiter. Israel meldete erneute Raketenangriffe aus Iran, während die israelische Armee im Libanon weiter angreift. Nach offiziellen libanesischen Angaben sind bei israelischen Luftangriffen am Dienstag mindestens acht Menschen getötet worden.

Israels Verteidigungsminister Israel Katz kündigte die Zerstörung aller Häuser in grenznahen Dörfern im Süden des Libanon an. Damit solle die Bedrohung durch die Hisbollah-Miliz »ein für alle Mal beseitigt« werden. Die Rückkehr von mehr als 600.000 geflohenen Bewohnern südlich des Litani-Flusses werde vollständig untersagt, solange die Sicherheit der israelischen Grenzbevölkerung nicht gewährleistet sei.

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Humanitäre Krise verschärft sich

Nach Angaben des Uno-Kinderhilfswerks Unicef sind in der Nahostregion bereits mehr als 340 Kinder getötet und Tausende verletzt worden. Demnach starben in Iran 216 Kinder, im Libanon 124, in Israel vier Kinder, in Kuwait kam ein Kind ums Leben. Verletzt wurden in Iran demnach mehr als 1.700 Kinder, im Libanon mehr als 400, in Israel mehr als 850.

Unicef forderte ein sofortiges Ende der Feindseligkeiten. Alle Konfliktparteien sollten größtmögliche Zurückhaltung üben. Die Zivilbevölkerung – insbesondere Kinder – sowie zivile Einrichtungen müssten jederzeit geschützt werden.

Internationale Reaktionen

Papst Leo hat US-Präsident Donald Trump dazu aufgerufen, einen »Ausweg« zur Beendigung des Irankriegs zu suchen. »Hoffentlich sucht er nach einem Weg, die Gewalt zu verringern«, so der amerikanische Pontifex in Castel Gandolfo. Leo beklagte die Zahl der Toten und erklärte, er hoffe auf ein Ende der Gewalt vor Ostern.

Pakistan und China sprachen sich nach einem Treffen ihrer Außenminister in Peking für Frieden in Nahost aus. »China und Pakistan fordern eine sofortige Einstellung der Kampfhandlungen und größtmögliche Anstrengungen, um eine Ausweitung des Konflikts zu verhindern«, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Italien hat den USA laut Medienberichten untersagt, auf einem ihrer Militärstützpunkte in Sigonella auf Sizilien zu landen. Laut der italienischen Tageszeitung »Corriere della Sera« erlaubte Verteidigungsminister Guido Crosetto dem US-Militär nicht, den Militärflugplatz für einen Zwischenstopp Richtung Naher Osten zu nutzen.

Wirtschaftliche Auswirkungen

Der Energiekommissar der Europäischen Union, Dan Jørgensen, rechnet mit längeren Auswirkungen des Irankriegs auf die Energiepreise. »Ich halte es für äußerst wichtig, so deutlich wie möglich zu sagen, dass wir selbst bei einem morgigen Friedensschluss in absehbarer Zukunft nicht zur Normalität zurückkehren werden«, sagte Jørgensen.

Die Energieinfrastruktur in der Region sei durch den Krieg zerstört worden und werde weiter zerstört. Die Gaspreise in der EU seien seit Beginn des Konflikts im Nahen Osten um rund 70 Prozent gestiegen, die für Öl um 60 Prozent. 30 Tage Konflikt hätten die Importkosten der Union für fossile Brennstoffe um 14 Milliarden Euro erhöht.

Die europäischen Energieminister berieten am Dienstag in einer außerplanmäßigen Videokonferenz über die Sicherheit der Energieversorgung. Energiekommissar Jørgensen rief die Teilnehmer dazu auf, Maßnahmen in Betracht zu ziehen, um die Nachfrage nach Öl zu reduzieren – vorwiegend im Transportsektor.