USA und Iran scheitern bei historischen Verhandlungen in Islamabad
Die direkten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran unter Vermittlung Pakistans sind am frühen Sonntagmorgen ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Nach Angaben von US-Vizepräsident JD Vance wurde bei den Gesprächen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad keine Einigung erzielt. Ob und wann es zu weiteren Verhandlungsrunden kommen wird, ist zunächst unklar.
Vance kehrt ohne Ergebnis zurück
US-Vizepräsident JD Vance verließ den Ort der Verhandlungen und hinterließ einen Vorschlag für den Iran, der ein endgültiges Angebot darstellt. Vance bestieg noch am Morgen ein Flugzeug in Richtung USA. Die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtete unter Berufung auf eine vertraute Quelle, dass Teheran keine weitere Verhandlungsrunde plane.
Nach 21 Stunden Verhandlungen habe sich die iranische Seite dazu entschieden, die Bedingungen der USA nicht zu akzeptieren, so Vance. Die USA hätten klargemacht, wo ihre roten Linien liegen und in welchen Punkten sie bereit seien, dem Iran entgegenzukommen. Vance nannte nicht im Detail die genauen Knackpunkte, sagte aber, man habe bislang nicht gesehen, dass sich der Iran grundlegend dazu verpflichte, langfristig keine Atomwaffen zu entwickeln. „Wir hoffen, dass wir es noch sehen werden.“ Während der Verhandlungen sei er in ständigem Kontakt mit US-Präsident Donald Trump gewesen.
Iranische Position und Streitpunkte
Laut dem iranischen Außenamtssprecher Ismail Baghai ging es bei den Verhandlungen um zentrale Themen wie die Straße von Hormus, die Atomfrage, Kriegsreparationen, die Aufhebung von Sanktionen sowie ein Ende des Krieges in der Region. Bis in den Sonntag hinein hätten intensive Verhandlungen stattgefunden, bei denen zahlreiche Nachrichten und Texte zwischen den beiden Seiten ausgetauscht worden seien.
Der Erfolg des diplomatischen Prozesses hänge aber „von der Ernsthaftigkeit und dem guten Willen der Gegenseite ab, von überzogenen und unzulässigen Forderungen abzusehen und die legitimen Rechte und Interessen des Irans anzuerkennen“, schrieb Baghai weiter. Iranische Medien hatten zuvor über große Differenzen berichtet und von überzogenen Forderungen der US-Seite gesprochen, wobei die Straße von Hormus als zentraler Streitpunkt genannt wurde.
Historischer Kontext und regionale Spannungen
Die Gespräche in Islamabad gelten trotz der ausbleibenden Einigung als historisch. Am 28. Februar hatten die USA und Israel den Krieg gegen den Iran begonnen, woraufhin die iranischen Streitkräfte mit Raketenbeschuss reagierten und Ziele in Israel und der gesamten Golfregion attackierten. Der Konflikt weitete sich zu einem regionalen Krieg aus. Am Mittwoch hatten sich die USA und der Iran auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt.
Verhandlungsleiter für die USA war Vizepräsident Vance, für den Iran Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf. Die von Pakistan vermittelte Runde war laut „New York Times“ das hochrangigste direkte Treffen zwischen US-amerikanischen und iranischen Beamten seit der Islamischen Revolution im Iran 1979. Die Stimmung des Treffens wurde zunächst als herzlich und ruhig beschrieben.
Militärische Entwicklungen und Drohungen
Zeitgleich mit den Verhandlungen erklärte das US-Regionalkommando für den Nahen Osten (Centcom), einen Marineeinsatz zur Räumung von Seeminen begonnen zu haben. Zwei Zerstörer hätten die Straße von Hormus passiert und seien im Arabischen Golf im Einsatz gewesen. Centcom-Kommandeur Admiral Brad Cooper wurde zitiert: „Heute haben wir mit der Einrichtung einer neuen Passage begonnen und werden diesen sicheren Weg bald mit der Schifffahrtsindustrie teilen, um den freien Warenverkehr zu fördern.“
In der Nacht zum Sonntag wiesen die Iraner dies zurück. Die Islamischen Revolutionsgarden dementierten Berichte über die Durchfahrt amerikanischer Schiffe durch die Straße von Hormus und warnten, dass jeder Versuch von Militärschiffen, die Straße zu passieren, auf entschiedenen Widerstand treffen werde. Die Durchfahrt sei gemäß den geltenden Bestimmungen ausschließlich zivilen Schiffen gestattet. Zuvor hatte die iranische Marine bereits US-Kriegsschiffe vor einer Durchquerung der Straße von Hormus gewarnt und mit Angriffen gedroht.
US-Präsident Donald Trump sagte unterdessen am Samstagnachmittag (US-Ortszeit), ihm sei gleichgültig, ob ein Abkommen mit dem Iran erreicht werde oder nicht. „Wir gewinnen so oder so“, erklärte er vor Journalisten. „Wir haben sie militärisch besiegt.“ Die Lage bleibt angespannt, und die Zukunft der diplomatischen Bemühungen ist ungewiss.



