USA verlängern Waffenruhe im Iran-Krieg - Keine Entspannung in Sicht
Die Vereinigten Staaten haben die Waffenruhe im Konflikt mit dem Iran einseitig und überraschend auf unbestimmte Zeit verlängert. Diese Entscheidung von US-Präsident Donald Trump hat jedoch nicht zu einer Entschärfung der angespannten Lage geführt. Der Iran zeigt sich äußerst skeptisch gegenüber der amerikanischen Initiative und hat bisher keine klare Zusage gegeben, die Feuerpause seinerseits einzuhalten.
Iranische Revolutionsgarden in höchster Alarmbereitschaft
Die mächtigen iranischen Revolutionsgarden haben in einer offiziellen Erklärung deutlich gemacht, dass sich ihre Streitkräfte auf dem „Höhepunkt der Bereitschaft“ befinden, um die Kampfhandlungen jederzeit wieder aufnehmen zu können. Die Elitetruppe drohte sogar mit „vernichtenden und für den Feind unvorstellbaren Schlägen“ gegen verbliebene Vermögenswerte in der Region, sollte es zu einer neuen Eskalationsphase kommen.
Misstrauen und gegenseitige Vorwürfe
Aus Teheran kommen deutliche Zweifel an den Motiven Washingtons. Ein Berater des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammed Bagher Ghalibaf vermutet eine List hinter Trumps Entscheidung: „Die Verliererseite kann die Bedingungen nicht diktieren“, schrieb er und argwöhnte, die USA wollten mit der Verlängerung lediglich Zeit für einen Überraschungsangriff gewinnen.
Irans Außenminister Abbas Araghtschi hatte bereits kurz vor Ablauf der ursprünglichen Feuerpause klargestellt, dass er die fortgesetzte US-Seeblockade iranischer Häfen als kriegerischen Akt und damit als Verstoß gegen die Waffenruhe betrachtet.
Angespannte Lage in der Straße von Hormus
Wie explosiv die Situation bleibt, zeigen aktuelle Vorfälle in der strategisch wichtigen Meerenge:
- Nach iranischen Angriffen wurden drei Frachtschiffe manövrierunfähig gemacht
- Die Schiffe „Epaminondas“ (Liberia-Flagge), „MSC Francesca“ (Panama-Flagge) und „Euphoria“ (angeblich griechischer Besitz) wurden attackiert
- Zwei der Schiffe wurden beschlagnahmt und in iranische Gewässer gebracht
Die Revolutionsgarden begründeten ihr Vorgehen mit der „regelwidrigen“ Durchfahrt der Schiffe durch die Straße von Hormus.
Drohungen gegen Ölinfrastruktur
Der Iran hat deutlich gemacht, dass er die für den globalen Ölhandel lebenswichtige Straße von Hormus nicht freigeben wird, solange die amerikanische Seeblockade andauert. Notfalls werde sie mit Gewalt durchbrochen, so die Drohung aus Teheran.
Noch konkreter wurde ein Kommandeur der Revolutionsgarden, der laut der Nachrichtenagentur Fars Ölfelder und Raffinerien in benachbarten Golfstaaten als potenzielle Ziele nannte. Diese könnten beschossen werden, falls die Staaten den USA und Israel weiterhin erlauben würden, ihr Territorium zu nutzen.
Wirtschaftliche Auswirkungen und deutsche Prognosen
Die anhaltenden Spannungen zeigen bereits deutliche wirtschaftliche Folgen:
- Die Ölpreise bleiben auf hohem Niveau - die Nordseesorte Brent kostete zuletzt 99 Dollar pro Barrel
- Die deutsche Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für dieses Jahr von 1,0 Prozent auf nur noch 0,5 Prozent halbiert
- Grund sind die negativen Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Konjunktur
Strategische Positionen der Konfliktparteien
US-Präsident Trump begründete seine Entscheidung mit der tiefen Spaltung innerhalb der iranischen Führung. Er werde die Feuerpause verlängern, bis aus dem Iran ein „geeinten Vorschlag“ zur Beilegung des Konflikts vorliege. Interessanterweise hatte Trump am Vortag eine Verlängerung noch als „sehr unwahrscheinlich“ bezeichnet.
Auf amerikanischer Seite zeigt man sich überzeugt, mit der Seeblockade einen wirksamen Hebel in der Hand zu haben. US-Finanzminister Scott Bessent erklärte, die Blockade ziele direkt auf die wichtigsten Einnahmequellen des iranischen Regimes ab. Die Lager auf der für den Ölhandel bedeutenden Insel Charg würden in wenigen Tagen voll sein, was zur Stilllegung von Ölfeldern führen müsse.
Ungewisse Rolle Israels
Unklar bleibt vorerst die Position Israels in diesem Konflikt. Vom Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu gab es zunächst keine Reaktion auf Trumps Ankündigung. Israel war gemeinsam mit den USA am 28. Februar in den Krieg eingetreten und bleibt ein entscheidender Akteur in der Region.
Das US-Regionalkommando Centcom betonte unterdessen seine fortgesetzte Einsatzbereitschaft. Beide Seiten halten an ihren Blockaden fest, während die internationale Gemeinschaft auf eine Deeskalation hofft.



