Außenminister Wadephul im BILD-Talk: Klare Worte zur Sicherheitslage im Nahen Osten
Berlin – In einer Krisensitzung des Nationalen Sicherheitsrats am Sonntagnachmittag beriet die Bundesregierung über die eskalierende Lage im Nahen Osten. Direkt im Anschluss stellte sich Außenminister Johann Wadephul (63, CDU) im Foyer des Auswärtigen Amts den Fragen von BILD-Reportern Nadja Aswad und Thomas Kausch. Der Chefdiplomat zeigte sich besorgt über die Entwicklungen in der Region und äußerte sich zu verschiedenen sicherheitspolitischen Aspekten.
Reaktion auf den Tod des iranischen Ober-Mullahs
Zur Frage, ob er über den Tod von Ober-Mullah Ali Chameini erleichtert sei, antwortete Wadephul diplomatisch, aber deutlich: „Der geistliche Führer des Iran ist verantwortlich für ein Terrorregime. Ich glaube, viele Iranerinnen und Iraner fühlen sich erleichtert, weil er sie drangsaliert hat.“ Persönlich wolle er das nicht bewerten, betonte aber die deutsche Staatsräson: „Die Staatsräson Deutschlands ist, dass wir an unsere Sicherheit denken.“
Terrorgefahr und Sicherheitslage für Deutschland
Der Außenminister machte klar, dass der Iran Deutschland aktiv gefährdet habe: „Wir werden im Cyberraum angegriffen. Wir haben Terrorgefahren.“ Er verwies auf die Unterstützung des Irans für Russland im Krieg gegen die Ukraine und die Bedrohung Israels, für das Deutschland eine besondere Verantwortung trage. Auf die Frage nach möglichen Anschlägen in Deutschland sagte Wadephul: „Niemand kann in so einer Situation hundertprozentige Sicherheit garantieren.“ Die Behörden würden die Lage jedoch aufmerksam beobachten.
Position zu den Angriffen auf den Iran
Im Gegensatz zu seiner Amtsvorgängerin Annalena Baerbock, die die Angriffe auf den Iran scharf kritisiert hatte, zeigte Wadephul Verständnis für die Position Israels und der USA: „Ich glaube, dass ich Verständnis dafür haben muss, dass Israel zu diesem Ergebnis gekommen ist und auch die Vereinigten Staaten zu diesem Ergebnis gekommen sind.“ Er betonte die existenzielle Bedrohung Israels und verwies auf das Raketenprogramm des Irans, das auch Europa gefährde.
Diplomatische Lösungsversuche gescheitert
Wadephul erinnerte an die gescheiterten diplomatischen Bemühungen mit dem Iran und verwies auf weitere regionale Konfliktherde: die Huthis im Jemen, wirtschaftliche Bedrohungen und die angespannte Lage in der Straße von Hormus. „Man habe versucht, zu einer diplomatischen Lösung mit dem Iran zu kommen – das ist leider gescheitert“, so der Außenminister.
Keine militärische Evakuierung für Deutsche
Ein zentrales Thema war die Situation deutscher Staatsbürger in den Golfstaaten. Viele Deutsche sitzen derzeit in den Emiraten fest. Wadephul schloss eine militärische Evakuierung kategorisch aus: „Das werden wir nicht machen können, denn die Lufträume sind insgesamt geschlossen.“ Stattdessen versuche die Bundesregierung, mit Informationen zu helfen. Alle Botschaften und Auslandsvertretungen seien geöffnet und arbeiteten intensiv daran, Unterstützung zu bieten. Wann eine Ausreise möglich sein werde, sei derzeit nicht absehbar.
Das Interview zeigt deutlich die komplexe Sicherheitslage im Nahen Osten und die Herausforderungen für die deutsche Außenpolitik in dieser krisenhaften Region.



