Am 1. Mai werden in Berlin wie in den Vorjahren mehrere große linke Demonstrationen erwartet. Die größte und aggressivste Veranstaltung ist traditionell die Demonstration „Revolutionärer 1. Mai“ von linken und linksradikalen Gruppen. Sie startet um 18:00 Uhr am Oranienplatz in Kreuzberg, führt zur Sonnenallee in Neukölln und endet am Südstern in Kreuzberg. Bis zu zehntausend Teilnehmer werden erwartet. In den Aufrufen zur Teilnahme heißt es dieses Jahr unter anderem „Jeden Tag 1. Mai Eskalation“, begleitet von Bildern brennender Barrikaden, vermummter Demonstranten und Polizisten in voller Ausrüstung.
Keine schweren Krawalle erwartet
In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Straßenschlachten, insbesondere zwischen den späten 1980er und den 2000er Jahren. In den letzten Jahren blieben größere Krawalle jedoch aus, und auch für dieses Jahr rechnet die Polizei nicht mit schweren Ausschreitungen. Aufgrund der Vielzahl an Veranstaltungen wird die Polizei am Feiertag mit mehr als 5.000 Beamten im Einsatz sein, darunter auch Kräfte aus anderen Bundesländern.
Auftakt am Donnerstagabend
Der Reigen der Kundgebungen beginnt bereits am Donnerstagabend vor dem Feiertag. Dann zieht die queere-feministische Demonstration „Take back the night“ mit einigen Tausend Teilnehmerinnen durch Kreuzberg. Die Ankündigung lautet: „Es ist an der Zeit, unsere Wut zu nutzen und uns gegen rassistische, queerfeindliche und frauenfeindliche Belästigungen auf unseren Straßen sowie gegen die patriarchale Gesellschaft, die diese schürt, zu wehren.“
Gewerkschaften und satirische Aktionen
Am 1. Mai selbst sind vormittags die großen Gewerkschaften unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ unterwegs. Um 11:30 Uhr startet die Kundgebung am Strausberger Platz, um 12:00 Uhr beginnt die Hauptkundgebung vor dem Roten Rathaus. Im Villenstadtteil Grunewald demonstrieren ab 13:00 Uhr vor allem junge Menschen mit bunten Aktionen gegen Kapitalismus, den Senat aus CDU und SPD sowie hohe Mieten. Satirisch angekündigt sind „Kontrollierte Sprengungen“: „Gefahrenabwehr für Berlin: Kampfmittelbeseitigungsdienst entschärft sozialen Sprengstoff.“ Ein Teil der Demonstranten fährt bereits am Vormittag mit Fahrrad-Demonstrationen Richtung Grunewald.
Technoparty im Görlitzer Park
Eine weitere große linke Demonstration findet tagsüber im Görlitzer Park statt: eine Technoparty gegen die nächtliche Schließung des Parks, die seit März praktiziert wird. Unter dem Motto „Free Görli – Rave against the Zaun“ wird gefeiert. Später am Abend führt auch die große linke Demonstration am Park vorbei. Der Senat verzichtet vorsorglich am Donnerstag- und Freitagabend darauf, den Park zu schließen, um Konflikte mit den Tausenden erwarteten Menschen zu vermeiden.
Weitere Raves und Verbote
Auch im Treptower Park und in der Umgebung sind zahlreiche Ravepartys geplant, die als Demonstrationen für den Erhalt der Technoclubs und gegen den Weiterbau der Stadtautobahn angemeldet wurden. Polizei und Bezirk haben die Veranstaltungen im Park jedoch wegen des Naturschutzes verboten. Auf der benachbarten Puschkinallee ist demonstrieren erlaubt.
Bestes Wetter und viele Besucher
Das frühere große Straßenfest „MyFest“ in Kreuzberg findet schon lange nicht mehr statt, weil Anwohner und Bezirk zunehmend genervt waren von Zehntausenden Besuchern, Vermüllung und Zerstörung. Dennoch werden voraussichtlich viele Menschen kommen, und der östliche Teil Kreuzbergs sowie die Straßen zwischen Kottbusser Tor und Schlesischem Tor dürften ab dem frühen Nachmittag voll sein. Das Wetter soll warm und sonnig werden, wie es am 1. Mai üblich ist.



