Am Erfurter Hauptbahnhof sorgt ein kleiner Wartepavillon für Kopfschütteln. Der gläserne Bungalow in der Größe einer Gartenlaube wartet seit fast drei Jahren auf seine Eröffnung und hat bisher Kosten von einer Million Euro verursacht.
Verzögerungen und Kostenexplosion
Im September 2023 kündigte die Deutsche Bahn den Bau des Wartehäuschens an, das sechs bis acht Reisende mit Fußbodenheizung vor Wind und Wetter schützen sollte. Damals war von einer Fertigstellung „in den kommenden Monaten“ die Rede. Doch daraus wurden Jahre: Die Eröffnung wurde mehrfach verschoben – zuerst auf Sommer 2024, dann auf Anfang 2025 und zuletzt auf Ende 2025. Nun teilte die Bahn mit, dass eine Eröffnung Ende des Jahres angestrebt werde. Das wäre mehr als drei Jahre nach Baustart.
Die Kosten stiegen von ursprünglich 800.000 Euro auf eine Million Euro. Als Gründe nennt die Bahn Lieferschwierigkeiten und bauliche Mängel. Ein Sprecher erklärte: „Die hohen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen bei der Errichtung durch die beauftragten Firmen wurden nicht in allen Punkten erfüllt.“ Nachgebessert werden müsse unter anderem bei der Elektronik.
Komplexe Rahmenbedingungen
Die Bahn betont, dass es sich nicht um ein standardisiertes Wartehäuschen handele, sondern um ein technisch anspruchsvolles Bauprojekt unter komplexen Rahmenbedingungen. Da der Erfurter Hauptbahnhof als Brückenbauwerk konstruiert ist, gelten höhere statische, brandschutztechnische und bauliche Anforderungen. Diese führten zu den unerwarteten Mehrkosten und Verzögerungen.
Der Wartepavillon besteht aus vier Glaswänden mit einem Dach und einer Sitzbank im Inneren. Von außen wirkt er fast fertig, doch die Tür ist durch eine Warnbarke versperrt. Ein Schild „Warteraum gesperrt“ hängt an der Tür. Im Inneren liegt eine offene Technikbodenverdeckung, an der seit Monaten nicht mehr gearbeitet wurde.
Reaktionen und Ausblick
Reisende zeigen sich verärgert über die lange Bauzeit und die hohen Kosten für ein so kleines Bauwerk. Die Bahn hält an dem Projekt fest und verspricht eine Eröffnung noch in diesem Jahr. Ob dieser Termin eingehalten wird, bleibt abzuwarten.



