Nach Augstens Rückzug: Wer wird neuer BSW-Fraktionschef in Thüringen?
Der Rücktritt von Frank Augsten als Fraktionsvorsitzender der BSW im Thüringer Landtag hat eine lebhafte Nachfolgedebatte ausgelöst. In der Partei werden bereits erste Namen von Abgeordneten diskutiert, die sich für den prestigeträchtigen Posten in Stellung bringen könnten. Die offizielle Wahl ist für den kommenden Mittwoch in einer Fraktionssitzung geplant.
Ein anspruchsvoller Posten mit vielen Vorzügen
Die Position des Fraktionschefs bringt nicht nur erhebliche Verantwortung mit sich, sondern auch deutliche finanzielle und repräsentative Vorteile. Fraktionsvorsitzende erhalten monatlich das Doppelte der Grunddiät, die allen Abgeordneten zusteht, was insgesamt fast 15.000 Euro pro Monat ausmacht. Zusätzlich haben sie Zugriff auf einen Dienstwagen mit Fahrer.
Die politische Bedeutung dieses Amtes kann kaum überschätzt werden. Fraktionschefs sind zu allen relevanten politischen Themen wichtige Gesprächspartner und bestimmen die großen Linien ihrer Partei maßgeblich mit. In der aktuellen Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD ist ihre Rolle besonders herausgehoben, da angesichts der komplizierten Mehrheitsverhältnisse im Landtag viel Ausgleichsvermögen, Kompromissfähigkeit und Verhandlungsgeschick gefragt ist.
Die aussichtsreichsten Kandidaten im Überblick
In den vergangenen Tagen haben sich vor allem drei Namen als potenzielle Nachfolger herauskristallisiert, während ein weiterer Abgeordneter bereits öffentlich Interesse bekundet hat.
Sigrid Hupach gilt als eine der aussichtsreichsten Kandidatinnen für die neue Fraktionsspitze. Die 57-Jährige wird in Parteikreisen für ihr Organisationsgeschick gelobt und war beim BSW Thüringen praktisch von Anfang an dabei. „Sie hat sich große Verdienste beim Aufbau des Landesverbandes erworben“, heißt es aus dem Führungszirkel des BSW in Thüringen. Hupach bringt zudem politische Erfahrung mit, da sie viele Jahre bei den Linken aktiv war und von 2013 bis 2017 für diese Partei im Bundestag saß. Auf die Frage einer möglichen Kandidatur erklärte sie, dass sie selbst dazu noch keine Entscheidung getroffen habe.
Dirk Hoffmeister ist der erste Abgeordnete, der seine Kandidatur öffentlich bekannt gemacht hat. „Ja, ich werde kandidieren“, bestätigte Hoffmeister auf Anfrage. Der ehemalige Gymnasiallehrer, Schulleiter und Lehrerbildner ist aktuell der bildungspolitische Sprecher der Thüringer BSW-Fraktion. Bereits im Dezember hatte er bundesweit auf sich aufmerksam gemacht, als er auf Parteiebene als stellvertretender BSW-Bundesvorsitzender kandidierte, damals jedoch keine Mehrheit erhielt.
Stefan Wogawa hat bereits abgewunken und eine Kandidatur ausgeschlossen. „Nein, ich habe mich gegen eine Kandidatur entschieden“, schrieb der Abgeordnete. Ihm waren bereits 2024 Ambitionen auf den Fraktionsvorsitz nachgesagt worden, als Katja Wolf den Posten abgab, um Finanzministerin zu werden. Stattdessen wurde Wogawa parlamentarischer Geschäftsführer der BSW-Fraktion und ist es bis heute – eine Art Fraktionsmanager, der nach eigenen Angaben sehr gerne in dieser Position arbeitet.
Roberto Kobelt wird in BSW-Kreisen ebenfalls als möglicher Kandidat gehandelt. Der 49-Jährige saß einst für die Grünen im Thüringer Landtag und bringt damit politische Erfahrung mit. Auf die Frage, ob er kandidieren will, antwortete Kobelt diplomatisch: „Auch aus Respekt vor anderen möglichen Kandidaten werde ich Ihre Frage weder dementieren noch bestätigen.“
Eine Abgeordnete, die nicht im Gespräch ist
Interessanterweise fällt in BSW-Kreisen ein Name nicht, wenn es um Kandidaten für die Fraktionsspitze geht: Anke Wirsing. Die Westthüringer Abgeordnete hatte in der Vergangenheit versucht, mit der Rückendeckung des BSW-Bundesvorstandes Parteivorsitzende in Thüringen zu werden, war dabei jedoch an Katja Wolf gescheitert.
Die kommende Wahl wird zeigen, wem die BSW-Abgeordneten die anspruchsvolle Rolle des Fraktionschefs am ehesten zutrauen – und wer sich selbst diese Herausforderung zutraut. In der komplizierten Koalitionskonstellation Thüringens wird der neue Fraktionsvorsitzende jedenfalls eine Schlüsselposition einnehmen.



