Buchholz an der Müritz: Dorfleben erwacht neu - Von Indianertänzen bis Mitmach-Haus
Buchholz: Dorfleben erwacht neu mit Tradition und Zukunft

Buchholz an der Müritz: Ein Dorf schreibt seine Geschichte weiter

Bärbel Wilczek kennt jeden Winkel in Buchholz. Mit 83 Jahren strahlt sie an diesem Frühlingstag, während sie von ihrem letzten Huhn erzählt, das ihr nach Fuchsangriffen geblieben ist. „Ein Ei am Tag reicht mir doch“, sagt sie lächelnd und fährt sich durch ihr silbernes Haar. Ihr Optimismus spiegelt die Aufbruchstimmung wider, die das kleine Dorf am Südufer der Müritz erfasst hat.

Kirche als kultureller Mittelpunkt

Die Dorfkirche in Buchholz lockt nicht nur zu Gottesdiensten, sondern besonders zu den beliebten Kaffee-Konzerten unterm Kirchturm. Renate Fabisch vom Förderverein Dorfkirche Buchholz/Müritz erklärt den besonderen Charme des sakralen Baus: „Im Innern offenbart sich seine Seele durch das Wandbild ‚Seepredigt‘ der Berliner Künstlerin Hildegard Kohnert-Michaelis aus dem Jahr 1935.“

Das einzigartige Motiv zeigt echte Buchholzer in der Kleidung jener Zeit und verbindet so die Kirche auf besondere Weise mit dem Dorf. Aktuell sammelt die Gemeinde Spenden für eine neue Glocke – wer spendet, erhält ein persönliches Glöckchen unter der Empore als klingendes Dankeschön.

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Die Legende der Büffelkuhle

Ein besonderes Projekt belebt derzeit die Gemeinde: die Wiederbelebung der Büffelkuhle. Jutta Tauschke kennt die Geschichte dieses Ortes: „In den 1970er Jahren war dies noch eine Kieskuhle, wo sich junge Männer vor ihrem Wehrdienst trafen. Nach dem Film ‚Die Söhne der großen Bärin‘ mit einer Indianer-Büffeltanz-Szene tanzten sie hier nach einigen Bieren mit freiem Oberkörper – daher der Name.“

Bis heute treffen sich hier einmal jährlich Ehemalige, doch nun soll die Büffelkuhle durch ein Mitmach-Haus dauerhaft zum Leben erweckt werden. Renate Fabisch, die sich extra als Dorf-Moderatorin an der Neubrandenburger Hochschule ausbilden ließ, treibt das Projekt voran: „Von der Idee bis zum Fördermittelantrag habe ich viel gelernt, das nun der Büffelkuhle zugutekommen soll.“

Digitale und soziale Vernetzung

Bürgermeister Robert Tietze blickt auf Bauarbeiter, die das Internet-Dilemma des Dorfes lösen sollen: „Wir haben hier 1,8 Megabit – das ist gar nichts.“ Doch die Buchholzer sollen sich bald nicht mehr schlecht verbunden fühlen. Parallel stärken soziale Initiativen das Miteinander: Montags sorgt Jana Bühnemann im Gemeinderaum für Sportangebote, wo auch Bärbel Wilczek als Älteste regelmäßig teilnimmt.

Gegen Einsamkeit im Alter setzt der Rufbus Elli auch in Buchholz Akzente. „Die Fahrer holen Menschen von zu Hause ab, helfen ihnen und fahren sie zum Arzt oder Bäcker“, schwärmt Renate Fabisch. Solche Angebote schaffen Nähe und sorgen dafür, dass niemand allein bleibt.

Demografische Herausforderungen

Mit 132 Einwohnern, darunter 103 Wahlberechtigten, ist Buchholz überschaubar. Statistisch wurden dem Dorf vor vier Jahren sogar sieben Einwohner gestrichen, die nun mit eidesstattlichen Erklärungen ihre Existenz belegen mussten. Bürgermeister Tietze, seit elf Jahren in Buchholz lebend, betont: „Wir sind nicht viele, aber wir können doch einiges bewegen.“

Die Altersstruktur zeigt typische ländliche Muster: Der Jüngste ist drei Jahre alt, der Älteste 90 Jahre. Nur sechs Kinder leben aktuell im Dorf, ein weiteres wird erwartet. Große, oft brachliegende Grundstücke, die einst landwirtschaftlich genutzt wurden, prägen das Ortsbild. Feriendomizile beleben den Sommer, ändern aber wenig an der Grundstruktur.

Gastronomischer Wandel

Die gastronomische Landschaft hat sich gewandelt: Drei Gaststätten verschwanden, darunter die legendären „Drei Linden“. Die „Seerose“ in der Marina bietet nur sporadisches Glück für Pächter. Relativ fest etabliert hat sich das „Storchennest“. „Bei uns ist die Saison ohnehin nur rund drei Monate, das ist schwer“, erklärt der Dorfchef die Herausforderungen.

Dennoch plant die Gemeinde Umzüge: Das Gemeindehaus soll zum Wohnhaus werden, die alte Schule neben der Kirche zum neuen Gemeindehaus. „Das klingt kompliziert, ergibt aber Sinn“, so Tietze. „Durch den Umbau werden wir nicht nur moderner, sondern auch präsenter bei Veranstaltungen rund um den Kirchturm.“

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Blick in die Zukunft

Am 21. März steht Dorfputz auf dem Programm – Gelegenheit, gemeinsam die Büffelkuhle für ihre neue Bestimmung vorzubereiten. Bärbel Wilczek blickt zufrieden auf ihr Dorf: „Wir haben hier doch alles, was man braucht, und kennen uns.“ Nur die Nachrichten von Kriegen in der Welt lassen sie sorgenvoll an Kinder, Enkel und Urenkel denken.

In Buchholz verbinden sich Tradition und Aufbruch: Indianertänze der 1970er finden ihr Echo in modernen Mitmach-Projekten, kirchliches Erbe trifft auf digitale Vernetzung. Ein Dorf zeigt, wie Gemeinschaft auch in kleiner Runde Großes bewegen kann.