Namensvetter streiten: CDU-Stadtrat erhält Rüge wegen AfD-Äußerung
CDU-Stadtrat wegen AfD-Äußerung gerügt

Ein Jahr Schwarz-Rot unter Kanzler Friedrich Merz: Die CDU-Basis äußert sich kritisch. In den „Tagesthemen“ vom 6. Mai meldete sich Stadtrat Andreas Deuschle (58, CDU) aus Nürtingen zu Wort. Der ehemalige Junioren-Weltmeister im Kugelstoßen kritisierte, dass die CDU innenpolitisch von der SPD getrieben werde. „Irgendwann“ müsse die Brandmauer zur AfD fallen. Dafür bekommt Deuschle nun Ärger mit seinem Namensvetter in der CDU-Landtagsfraktion.

Brief vom Kreisverband

Wie BILD aus CDU-Kreisen erfuhr, schickte der CDU-Kreisverband Esslingen dem Lokalpolitiker Post. Darin wird Deuschle vorgeworfen, „an den Grundfesten unserer CDU“ zu rühren. Er werde „eindringlich“ gebeten, seine Haltung zur AfD „zu überdenken“. Unterzeichnet ist das Schreiben unter anderem vom Kreisvorsitzenden Andreas Deuschle (47, CDU), der seit Mittwoch neuer Staatssekretär im baden-württembergischen Kultusministerium ist. Auch weitere hochrangige CDU-Politiker setzten ihre Unterschrift darunter.

Kraftsportler vs. Funktionär

Den Parteifunktionären stößt auf, dass Hobby-Kraftsportler Deuschle im „Tagesthemen“-Beitrag von einem „Zusammengehen“ mit der AfD „irgendwann“ in der Zukunft sprach. O-Ton Deuschle: „Die Leute haben die Schnauze voll.“ Der smarte Parteifunktionär gegen den hemdsärmligen Sportler – ein ungleiches Duell. Staatssekretär Deuschle machte jung Karriere und sitzt seit 2011 im Landtag. Im Kultusministerium entscheidet er künftig über den Lehrplan der rund eine Million baden-württembergischen Schüler. Stadtrat Deuschle ist außerhalb Nürtingens vor allem für seine sportlichen Leistungen bekannt. Bei den schottischen Highland Games wurde er 2018 Weltmeister.

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Reaktionen der Beteiligten

Auf BILD-Anfrage bestätigt Staatssekretär Deuschle die Existenz des Warn-Schreibens. Er begründet es mit „der Verantwortung, an der demokratischen Mitte-Orientierung unserer Partei keine Zweifel aufkommen zu lassen“. Kraftsportler Deuschle sagt auf BILD-Anfrage: „Ich bin 100 Prozent CDUler, 100 Prozent Demokrat“. Der Brief fühle sich an „wie ein Maulkorb“. Dabei wünsche er sich keineswegs eine AfD-Regierungsbeteiligung: „Aber wenn wir die AfD weiterhin durch eine Brandmauer ausgrenzen und nicht mit ihr sprechen, dann treibt man immer mehr Wähler in deren Arme.“ An seiner Haltung will er festhalten: „Ich lasse mich nicht unterbuttern.“

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