Üble Beschimpfungen wegen DDR-Brötchen: Eine Kolumne spaltet
DDR-Brötchen-Kolumne: Wut und alte Wunden

Die Brötchen-Kolumne sorgte für Ärger. Ein Wende-Erlebnis löst wütende Zuschriften aus. Die Ost-West-Debatte um Brötchen ist emotionaler als gedacht. „Geht es nicht mehr ohne Beleidigungen?“, fragt unsere Redakteurin.

Ein persönlicher Rückblick

Mit Meinungsbeiträgen wie Kolumnen betritt man als Autor stets ganz dünnes Eis. Obwohl diese eindeutig als „persönliche Auffassung“ identifizierbar sind, sprechen einem viele Mitmenschen das Recht ab, eigene Gedanken zu äußern. Bei meinen Beiträgen geht es nach der Veröffentlichung oft hoch her. An üble Beschimpfungen müsste ich mich deshalb inzwischen gewöhnt haben.

Bei besonders krassen Entgleisungen zucke ich trotzdem jedes Mal zusammen. Man darf oder soll ja gern anderer Meinung sein als ich, schließlich hat im Leben jeder unterschiedliche Erfahrungen gemacht, die seine Erinnerungen maßgeblich färben. Aber muss man andere deswegen beschimpfen?

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Der Auslöser: Eine Kolumne über Brötchen

Jüngst wieder geschehen nach einem Artikel über die Brötchenkultur in Ost und West. Ich hatte in der Kolumne einen Westbesuch geschildert, der mich unmittelbar nach der Wende in die Altbundesländer führte. Schlafen durfte ich damals bei entfernten Bekannten. Diese beköstigten mich morgens sogar, hatten aber vorher wissen wollen, wie viele Brötchen ich esse. Als im Osten sozialisierter Mensch hatte mich das geschockt.

Ich führte dann weiter aus, dass in der DDR die Backwaren so gut wie nichts gekostet hatten und deshalb (leider) in vielen Haushalten bei Nichtverzehr im Müll oder im Tierfutter landeten. Das war eine Feststellung, ebenso wie die belegbare Tatsache, dass die Regierung Lebensmittel bewusst subventionierte.

Wütende Reaktionen

Leserin Sabine S. schrieb mir daraufhin: „Du dumme Kuh, mein Vater war Bäcker zu DDR-Zeiten. Und musste schwer körperlich arbeiten für wenig Geld für die Brötchen, die du ans Vieh verfüttert hast. Kostet ja nichts. So ein Schwachsinn.“ Ich wusste offen gestanden gar nicht, was sie mir da zum Vorwurf machte. Dass es damals war, wie es war? Gut, dafür konnte ich mit meinen weggeworfenen Brötchen nur bedingt etwas.

Und ich hatte in dem Artikel mitnichten die Wessis verdammt, sondern mit den Worten geendet: „Wenn ich heute Besucher bewirte, kaufe ich Brot und Brötchen mit Bedacht ein, verkneife mir allerdings die Wessi-Frage. Notfalls friere ich die Reste ein. Aber ich leiste im Stillen jedes Mal Abbitte für meine damalige Reaktion, die die Gastgeber zum Glück nicht gehört hatten.“

Ein weiterer Leserbrief

Auch unser Leser Andreas Backhaus konnte sich mit meinem Geschriebenen nicht abfinden. Er fragte per Mail an die Redaktion: „Muss man Ostdeutschland, d. h. die ehemalige DDR, heute noch so schlechtmachen, dass die Preise in der DDR künstlich nieder wurden? Als kleiner Junge bin ich mit einer Mark und elf Pfennig zum nächsten Milchladen gegangen und habe 1,5 Liter Milch gekauft, fast jeden Tag. Beim nächsten Bäcker gab es wunderbar schmeckende Brötchen für fünf DDR-Pfennige pro Stück. Das wären günstig umgerechnet, günstig für die Profithaie, 1,25 Eurocent. Da wurden die Preise niedergehalten?“

Nein, das sei grundsätzlich falsch, hielt Andreas Brockhaus meinen Aussagen entgegen: „Der Preis wurde nicht niedergehalten. Das Aufbauwerk vieler Ostdeutscher wurde damit gewürdigt. Denn es ging um das ganze Volk und nicht um Profit. Nur einige wenige, wie Schalck-Golodkowski …, sind im deutschen Westen verschwunden. Sie haben sich am Volkseigentum bereichert, wie es auch unsere heute Regierenden tun.“

Fazit und Diskussion

Welche Meinung haben Sie, liebe Leser, dazu? Schreiben Sie mir: [email protected]

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