Die Erinnerung an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 81 Jahren hat in Mecklenburg-Vorpommern eine Kontroverse ausgelöst. Landtagspräsidentin Birgit Hesse (SPD) würdigte den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung und des Aufbruchs in die Demokratie, ließ dabei jedoch die Jahre der sowjetischen Besatzung und der DDR unerwähnt. Dies stieß auf scharfe Kritik der CDU-Fraktion im Landtag.
Rede im Landtag: Aufbruch ohne DDR
In ihrer Rede zu Beginn der Landtagssitzung betonte Hesse, der 8. Mai 1945 sei nicht nur ein Tag der Erinnerung, sondern auch ein Tag des Aufbruchs. „Aus den Trümmern von Krieg und Diktatur entstand eine neue Ordnung. Eine Ordnung, die auf Freiheit, Recht und Menschenwürde gründet.“ Sie sprach von einem doppelten Aufbruch: „für das Ende eines verbrecherischen Systems und für den Beginn einer demokratischen Zukunft“. Allerdings erwähnte sie mit keinem Wort die 44 Jahre der Unfreiheit im Osten Deutschlands nach dem Krieg, von der sowjetischen Besatzungszone bis zur friedlichen Revolution 1989.
CDU: Historische Verkürzung
Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katy Hoffmeister, kritisierte diese Leerstelle scharf. „Der 8. Mai ist eine ernstzunehmende Wegmarke der deutschen Geschichte, gerade deshalb ist es an dieser Stelle auch wichtig zu betonen, dass auf die nationalsozialistische Diktatur im Osten Deutschlands nicht die Demokratie folgte.“ Hoffmeister erinnerte an neue Unfreiheit mit Mauer, Stasi und Unterdrückung politischer Gegner. „Gerade in Mecklenburg-Vorpommern sollte man dies weder verkürzen noch historisch einebnen.“
Schwesig: Historische Verantwortung betont
Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hob in einer Pressemitteilung hervor, dass die heutigen Generationen keine Verantwortung für die Verbrechen von damals trügen, aber eine historische Verantwortung, an die Ereignisse und Opfer zu erinnern. Sie warnte zugleich vor Kräften, die die Demokratie verächtlich machten und durch eine autoritäre Ordnung ersetzen wollten. „Das dürfen wir nicht zulassen.“
Gedenkakt am Mahnmal
Der 8. Mai ist in Mecklenburg-Vorpommern ein offizieller Gedenktag. Innenminister Christian Pegel (SPD) legte für die Landesregierung einen Kranz am Mahnmal „Die Mutter“ in Raben-Steinfeld bei Schwerin nieder. Das Denkmal erinnert an einen Todesmarsch von KZ-Häftlingen aus Sachsenhausen und Ravensbrück, der Anfang Mai 1945 dort endete. Regierungschefin Schwesig vertrat zu dieser Zeit das Land im Bundesrat.
Die Kritik an Hesses Rede zeigt, wie unterschiedlich die historische Bewertung des 8. Mai ausfällt. Während die SPD den Tag als Beginn der Demokratie feiert, mahnt die CDU, die Unfreiheit im Osten nicht zu vergessen. Die Debatte verdeutlicht die anhaltende Bedeutung der Erinnerungskultur in Deutschland.



