Wie marode ist Deutschlands Infrastruktur? Dass tausende Autobahnbrücken dringend saniert werden müssen und die Reparaturen hinter dem Zeitplan zurückliegen, sorgte bereits für Aufsehen. Nun zeigen Zahlen zum Alter und Verschleiß von Schleusen und Wehren an Bundeswasserstraßen ein alarmierendes Bild.
Sanierungsbedürftige Schleusen: Streng vertraulich
Von den insgesamt 617 Schleusen und Wehren an Bundeswasserstraßen sind 529 älter als 40 Jahre – 205 sogar älter als 100 Jahre. Diese Zahlen gehen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion im Bundestag hervor.
Die Regierung macht jedoch ein großes Geheimnis daraus, welche Anlagen saniert oder ersetzt werden müssen. Auf eine entsprechende Frage der Grünen hieß es aus der schwarz-roten Koalition: „Infolge einer Abwägung der Informationsrechte des Deutschen Bundestags mit den Belangen des Staatswohls der Bundesrepublik Deutschland sind die erbetenen Informationen daher als ,VS-Vertraulich' eingestuft und in der Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages hinterlegt.“
Begründung der Bundesregierung
Zur Geheimhaltung führt die Regierung an: „Die Verkehrsinfrastruktur stellt einen wichtigen Baustein der Resilienzfähigkeit der Bundesrepublik Deutschland im Krisen- und Katastrophenfall dar. In Anbetracht der sich in den letzten Jahren sowohl global als auch in Deutschland zunehmend verschärfenden Sicherheitslage würde durch die Veröffentlichung der Daten ein Sicherheitsrisiko entstehen, weil dadurch gezielte Sabotagen und Angriffe auf diese Infrastrukturen ermöglicht würden.“
Der Bundestag habe am 28. Januar 2026 in einem Entschließungsantrag verschärfte Transparenzregeln zum Schutz kritischer Infrastrukturen gefordert. Dieser Beschluss verlange einen zeitgemäßen Umgang mit Transparenz- und Informationspflichten, so die Regierung weiter.
Bundesregierung: Haushaltsmittel priorisieren
Auch die Frage nach dem Umfang des Sanierungsrückstaus in den 16 Bundesländern bleibt die Regierung schuldig. Lapidar heißt es: „Eine maßnahmenscharfe und nach Ländern sortierte Aufschlüsselung der Bedarfe im Sinne der Fragestellung sieht der Bundeshaushalt nicht vor.“
Immerhin macht die Regierung deutlich, dass es „im Zuge der fortlaufenden Konsolidierung des Bundeshaushalts unerlässlich bleibe, den Einsatz der Haushaltsmittel für Investitionsmaßnahmen innerhalb der bestehenden Restriktionen konsequent zu priorisieren“. Dabei solle sichergestellt werden, dass alle sicherheitsrelevanten Maßnahmen an den Bundeswasserstraßen umgesetzt werden, um die Zuverlässigkeit des Verkehrsträgers zu gewährleisten.



