Kogel setzt auf Kinderbetreuung: Neue Kita entsteht trotz landesweitem Schließungstrend
In einer Zeit, in der zahlreiche Gemeinden aufgrund sinkender Kinderzahlen ihre Kindertagesstätten schließen müssen, geht das Dorf Kogel in Mecklenburg-Vorpommern einen konträren Weg. Hier wird nicht geschlossen, sondern mit großem Engagement neu gebaut. Die Gemeinde erhält dafür einen bemerkenswerten Zuwendungsbescheid über 1,2 Millionen Euro vom Land, wie kürzlich bekannt wurde.
Fördermittel ermöglichen ambitioniertes Bauvorhaben
Der stellvertretende Landrat Lukas Völsch und Bürgermeister Henning Werner überreichten symbolisch den Förderbescheid an den kleinen Cassian, der damit vorübergehend zum reichsten Jungen von Kogel avancierte. Das gesamte Bauprojekt umfasst Investitionen von rund 2,9 Millionen Euro und soll Platz für 29 Kindergartenkinder sowie 10 Krippenkinder bieten. Damit reagiert die Gemeinde auf die positive Bevölkerungsentwicklung in der Region.
Die bestehende Kita, die bereits seit 1988 in Betrieb ist und Kinder nicht nur aus Kogel, sondern auch aus umliegenden Gemeinden betreut, wird durch einen modernen Neubau ersetzt. Die Einrichtung ist mit ihren Öffnungszeiten von 6 bis 17.30 Uhr besonders bei berufstätigen Eltern beliebt, die täglich nach Hamburg pendeln müssen.
Standortwechsel und innovative Konzepte
Der Neubau entsteht auf dem aktuellen Spielplatzgelände, das dafür zunächst verlegt werden muss. Nach Fertigstellung des neuen Gebäudes wird der Altbau abgerissen und auf dieser Fläche ein neuer Spielplatz errichtet. Kitaleiterin Katharina Fuchs zeigt sich begeistert von den zukünftigen Möglichkeiten: „Wir arbeiten bereits jetzt nach einem offenen Konzept und wollen im Neubau verschiedene Themenräume einrichten.“
Klassische Gruppenräume sollen dabei zugunsten spezialisierter Bereiche verzichtet werden. Besonders hervorzuheben ist die geplante Kinderküche, die es den Mädchen und Jungen ermöglichen wird, selbst aktiv zu werden. Die Kita wird vom Bio-Betrieb „Knirps und Knolle“ mit regional produzierten Lebensmitteln versorgt, sodass die Kinder künftig ihr Essen mit zubereiten oder sogar Kuchen backen können.
Regionale Besonderheiten und konträre Entwicklungen
Die Unterstützung des Landkreises Ludwigslust-Parchim für dieses Projekt ist bemerkenswert, denn nur wenige Kilometer entfernt in Zarrentin entstand bereits die Schaalsee-Kita mit 60 Kindergarten- und 36 Krippenplätzen. Lukas Völsch erklärt: „Der westliche Rand des Kreises profitiert nicht nur von der Nähe zur Autobahn 24, sondern verzeichnet durch Gewerbegebiete viel Zuzug junger Familien.“
Durch den Neubau in Kogel erhalten Eltern künftig die Wahl zwischen einer kleineren Dorf-Kita und der größeren Einrichtung in Zarrentin mit umfangreichen Zusatzangeboten. Allerdings betont Völsch, dass diese Situation im Landkreis eine Ausnahme darstellt. Bereits in Dodow, nur wenige Kilometer südlich gelegen, musste die Gemeinde ihre Pläne für einen Kita-Neubau begraben, da die prognostizierten Kinderzahlen eine wirtschaftliche Betriebsführung nicht ermöglicht hätten.
Jahrelange Planung und zukunftsweisende Ausrichtung
Bürgermeister Henning Werner blickt auf einen langen Vorbereitungsprozess zurück: „Wir haben schon 2014 angefangen, dieses Projekt zu planen.“ Die alten Räumlichkeiten seien nicht mehr zeitgemäß und zunehmend baufällig gewesen. Der Neubau stellt somit nicht nur eine quantitative Erweiterung, sondern vor allem eine qualitative Verbesserung der Kinderbetreuung in der Region dar.
Während andernorts Kindergärten schließen müssen, weil sie perspektivisch nicht ausgelastet sind, demonstriert Kogel mit diesem Engagement, wie ländliche Gemeinden durch gezielte Investitionen in die Kinderbetreuung ihre Attraktivität für junge Familien steigern können. Das Projekt steht symbolisch für eine positive Entwicklung in einer Region, die bewusst auf Familienfreundlichkeit und moderne Bildungsinfrastruktur setzt.



