In Görlitz und Aue-Bad Schlema im Erzgebirge steht die Entscheidung um die Oberbürgermeisterposten kurz bevor. Nachdem in der ersten Runde keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, kommt es in beiden Städten zu Stichwahlen. Besonders brisant ist die Lage in Aue-Bad Schlema, wo der Kandidat der rechtsextremen Kleinpartei „Freie Sachsen“, Stefan Hartung, gegen den CDU-Bewerber Marcus Hoffmann antritt.
Rechtsaußen gegen CDU im Erzgebirge
Am 7. Juni treffen in Aue-Bad Schlema Stefan Hartung (37, 29,0 Prozent) von den „Freien Sachsen“ und Marcus Hoffmann (41, 23,6 Prozent) von der CDU aufeinander. Hartung ist in der Szene kein Unbekannter: Früher war er bei der NPD-Nachfolgepartei „Die Heimat“ aktiv, heute ist er Vize und Mitgründer der „Freien Sachsen“. Der Verfassungsschutz bezeichnet die Gruppierung als „Mobilisierungsmaschine“. Hartung gilt neben dem Chemnitzer Szeneanwalt Martin Kohlmann als prägender Kopf der Partei, die vor allem gegen die Corona-Maßnahmen mobilisierte. Der drittplatzierte Danny Weber (Freie Wähler, 22,5 Prozent) sowie Linken-Kandidat Tony Neuß (6,4 Prozent) haben sich hinter CDU-Kandidat Hoffmann gestellt.
AfD verzichtet – nach internem Streit
Der AfD-Kandidat Lars Bochmann (18,5 Prozent) gab auf seiner Facebook-Seite bekannt, keine Wahlempfehlung abzugeben. Offiziell heißt es, die Bürger seien „mündig genug“, selbst zu entscheiden. Doch hinter den Kulissen hatte es gewaltig rumort: Nach Informationen dieser Redaktion gab es im AfD-Kreisverband Erzgebirge bis in den Landesvorstand hinein heftige Debatten, ob man Hartung von den „Freien Sachsen“ unterstützen solle. Teile der Partei wollten Bochmann sogar zurückziehen und offen zur Wahl des „Freie Sachsen“-Kandidaten aufrufen. Dabei stehen die „Freien Sachsen“ auf einer Unvereinbarkeitsliste der AfD. Der Streit eskalierte dem Vernehmen nach bis zur Parteispitze in Dresden. Landeschef Jörg Urban und Generalsekretär Jan Zwerg sei es am Rande des Landtagsplenums durch erheblichen Druck gelungen, eine offizielle Unterstützung und Wahlempfehlung vonseiten der AfD für Hartung zu verhindern. Am Ende zog Bochmann zurück – ohne Empfehlung.
Görlitz: Neuauflage eines alten Duells
Auch in Görlitz kommt es zur Stichwahl – und die hat es in sich: CDU-Amtsinhaber Octavian Ursu (58, 49,1 Prozent) trifft erneut auf AfD-Politiker Sebastian Wippel (43, 44,3 Prozent). Vor sieben Jahren unterlag Wippel dem CDU-Bewerber Ursu noch deutlich. Damals setzte sich Ursu klar mit 55,2 Prozent durch. Diesmal dürfte es enger werden. Die übrigen Kandidaten – darunter die Linke-Bewerberin Sabine Christian und der parteilose Hagen Jeschke – sind bereits aus dem Rennen und treten nicht mehr an. Die Entscheidung fällt in wenigen Wochen: Görlitz wählt am 31. Mai, Aue-Bad Schlema am 7. Juni.



