Reetdachbrände: Warum sie oft unkontrollierbar sind und Löschlanzen helfen
Reetdachbrände: Warum Löschlanzen helfen könnten

Zum zweiten Mal innerhalb von drei Monaten hat ein verheerender Reetdachbrand in Mecklenburg-Vorpommern gewütet. In Schwanbeck bei Dassow brannten zwei benachbarte Gebäude bis auf die Grundmauern nieder. Die Polizei schätzt den Sachschaden auf rund eine Million Euro. Verletzt wurde glücklicherweise niemand. Die Ermittlungen zur Brandursache sind noch nicht abgeschlossen.

Brand in Hanshagen verursachte Millionenschaden

Bereits am 3. Februar 2026 war in Hanshagen, ebenfalls im Landkreis Nordwestmecklenburg, ein reetgedecktes Haus den Flammen zum Opfer gefallen. Die Bewohner konnten sich rechtzeitig in Sicherheit bringen. Die Polizei bezifferte den Schaden damals auf mehr als zwei Millionen Euro. Ein Ermittlungsverfahren wegen möglicher fahrlässiger Brandstiftung dauert an.

Warum Reetdachbrände so schwer zu löschen sind

Die Feuerwehr steht bei Reetdachbränden vor enormen Herausforderungen. „Ein kleiner Funke reicht aus, um verheerende Schäden anzurichten“, erklärt Sebastian Otto, Wehrführer von Gadebusch. Die hohe Brandlast des trockenen Reets und der Spinnenweben lasse die Flammen innerhalb weniger Minuten auf mehrere hundert Grad Celsius ansteigen.

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Erschwerend kommt hinzu, dass Löschwasserteiche oft nicht in unmittelbarer Nähe liegen. „Wenn das Wasser erst über mehrere hundert Meter bis zu zwei Kilometer herangeschafft werden muss, vergehen wertvolle Minuten“, so Otto. In dieser Zeit können sich die Flammen ungehindert ausbreiten.

Zudem sind Innenangriffe nicht immer möglich. „In alten Häusern gibt es oft keine begehbaren Dachböden, was das Verletzungsrisiko für die Einsatzkräfte erhöht“, erklärt der Wehrführer. Die Brandbekämpfung von innen sei zwar die erste Wahl, müsse aber abgebrochen werden, wenn es zu gefährlich wird. Dann bleibt nur noch die Löschung von außen.

Löschlanzen als neue Hoffnung

Die Feuerwehr Gadebusch setzt künftig auf spezielle Löschlanzen. Diese werden mit einem Hammer durch Wände und Türen geschlagen und verfügen an der Spitze über Wasserdüsen, um Brände in Hohlräumen und Zwischendecken zu bekämpfen.

Arne Schlien, bevollmächtigter Bezirksschornsteinfeger und Feuerwehrmitglied, weiß um die Tücken der Reetdachbrandbekämpfung: „Von außen ein brennendes Reetdach zu löschen, ist fast unmöglich. Meistens brennt die untere, trockene Schicht, von wo sich die Flammen ausbreiten.“ Er rät, im Brandfall sofort die 112 zu wählen und keine eigenen Löschversuche zu unternehmen. „Jede Minute, die bis zum Eintreffen der Feuerwehr vergeht, senkt die Chance, einen Entstehungsbrand zu stoppen, um gefühlt zehn Prozent.“

Vorbeugung ist entscheidend

Schlien empfiehlt, Schornsteine von reetgedeckten Häusern regelmäßig zu überprüfen und Schäden sofort zu reparieren. Um den Schornstein herum sollte ein Meter Abstand zu brennbarem Material eingehalten werden. Auch das Anzünden von Kaminen mit Papier oder Pappe sollte vermieden werden, um Funkenflug zu verhindern.

In einem Fall konnte Schlien als Feuerwehrmann ein reetgedecktes Gebäude bei Gadebusch retten. Ein Blitz war in einen nahestehenden Baum eingeschlagen, und das Feuer griff auf das Reet eines Backhauses über. „Es handelte sich noch um einen Entstehungsbrand. Mit einem langen Messer schnitten wir das betroffene Reet heraus und verhinderten Schlimmeres“, erinnert er sich.

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