Ein Jahrhundert Kulturgeschichte: Von der Stummfilmzeit über die DDR bis in die 1990er Jahre. Die Schauburg in Schwerin prägte das kulturelle Leben der Stadt über Jahrzehnte. Nun soll über eine Form der Erinnerung an den traditionsreichen Kulturort entschieden werden.
Ein Kino schreibt Geschichte
Die historischen Aufnahmen des Schweriner Stadtarchivs zeigen die Schauburg vor dem Umbau des Hauses im Jahr 1958. Wo einst Kinogänger Schlange standen, klafft heute eine Lücke. Mit dem Abriss der Schauburg-Fassade in der Mecklenburgstraße ist nicht nur ein Gebäude verschwunden, sondern ein Stück Schweriner Kulturgeschichte. Nun soll genau daran erinnert werden.
Würdigung der Schauburg: Antrag in der Stadtvertretung
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen/Die Partei bringt einen Antrag in die Stadtvertretung ein, der die Würdigung des ehemaligen Filmtheaters vorsieht. Der Oberbürgermeister soll beauftragt werden, eine geeignete Form der Würdigung und Erinnerung zu entwickeln und umzusetzen, heißt es in dem Schreiben. Dabei solle die Bedeutung der Schauburg als eines der ältesten Filmtheater Mecklenburgs ebenso berücksichtigt werden wie ihre wechselvolle Geschichte.
Die Fassade der Schweriner Schauburg ist 2025 gefallen – nach über 80 Jahren Kinogeschichte in der Mecklenburgstraße. Die Schauburg eröffnete 1912 und prägte über Jahrzehnte das kulturelle Leben der Stadt – von der Stummfilmzeit über die Nutzung in der DDR bis zu den letzten Kinovorführungen in den 1990er-Jahren. Seit der Schließung 1995 stand das Haus leer, zahlreiche Sanierungspläne scheiterten. Anfang der 2000er-Jahre wurde der große Kinosaal abgerissen, übrig blieb allein die denkmalgeschützte Fassade. Diese wurde schließlich 2025 abgerissen – aus Sicht der Stadt und von Statikern eine notwendige Entscheidung.
Ort soll nicht vergessen werden
Zurück bleibt nicht nur eine Baulücke. Viele Schweriner verbinden persönliche Erinnerungen mit dem Kino, andere sahen in der Ruine vor allem eine Belastung. Einig sind sich jedoch viele darin, dass der Ort nicht in Vergessenheit geraten sollte. Genau hier setzt nun der Antrag der Stadtfraktion an: Eine ergebnisoffene Prüfung verschiedener Gestaltungsformen soll ermöglichen, eine zeitgemäße und öffentlich sichtbare Form des Erinnerns zu finden. Ziel ist es, das Bewusstsein für die Geschichte Schweriner Kulturorte zu stärken – und an die Menschen zu erinnern, die die Schauburg über mehr als acht Jahrzehnte mit Leben füllten.
Nächste Schritte
Die Stadtvertretung berät über das Thema in ihrer Sitzung am Montag, 11. Mai, von 17 Uhr an im Demmlersaal in Schwerin. Interessierte Bürger sind eingeladen, die öffentliche Sitzung zu verfolgen. Die Entscheidung über die konkrete Erinnerungsform wird zu einem späteren Zeitpunkt fallen, nachdem die Prüfung verschiedener Gestaltungsmöglichkeiten abgeschlossen ist.



