Wenn man zu 7 Uhr morgens eine Einladung zu einem „Zwitscherfrühstück“ erhält, denkt wohl mancher zuerst an alkoholische Getränke. Doch weit gefehlt: Dieses Frühstück war wörtlich gemeint und fand mitten im morgendlichen Vogelgezwitscher statt. Frühaufsteher kamen am Sonntagmorgen in Eickelberg zusammen, um die Vielfalt der heimischen Vogelstimmen zu erleben.
Vogelkundiger Experte führt durch die Morgenstunden
Dr. Lothar Daubner, Ornithologe aus Klein Görnow, organisierte die Vogelstimmenwanderung. „Eigentlich ist 7 Uhr schon recht spät, um die volle Bandbreite zu hören“, erklärte er. „Wer Vögel beobachten will, sollte mit dem Morgengrauen gegen 5 Uhr starten.“ Treffpunkt war die Eickelberger Kirche, wo zunächst Kaffee duftete. Bereits dort machte der Fachmann auf verschiedene Vogelarten aufmerksam. Der Kirchfriedhof mit seinen hohen Bäumen und Büschen ist ideal für Morgensänger.
Rätselraten um Vogelgesänge
Die Teilnehmer mussten erraten, welche Vögel sich über ihnen aufhielten. Jutta Thomsen aus Klein Görnow zeigte sich begeistert und bewandert. Laut und mit vielen Variationen war die Nachtigall zu hören, aber nur flüchtig zu sehen. Die Kohlmeise wurde von allen erkannt: Ihr Reviergesang besteht aus metallisch reinen Tönen wie „tsi-da“. Auch der Buchfink mit seinem typischen „Würzgebühr“ am Ende wurde identifiziert. Den Kuckuck hörten einige zum ersten Mal in diesem Jahr – ein alter Aberglaube besagt, dass man dann mit Geld klimpern soll, damit es nie ausgeht.
Weniger bekannte Vogelarten entdeckt
Weniger bekannt waren die Gesänge von Gartengrasmücke, Grünfink und Gimpel. Der Zaunkönig mit seinem lauten Trillergesang (40 bis 90 Dezibel) überraschte viele. Zum Vergleich: 90 Dezibel entsprechen einer lauten Fabrikhalle. Auch Bachstelze, Grauschnäpper und die beiden Baumläuferarten wurden anhand ihrer Stimmen unterschieden. Der Gartenbaumläufer ruft kurz „tit tit tit“, der Waldbaumläufer trillert länger. Kraniche waren von weitem zu hören, ebenso Rauchschwalbe, Ringeltaube, Stieglitz, Kleiber und Haussperling. Die Vielfalt war erstaunlich, aber die Vögel blieben meist paarweise versteckt.
Frühstück in der Natur
Während die Vögel zwitscherten, genossen die Teilnehmer ihr Frühstück unter den Bäumen – ganz ohne Alkohol. Wer nicht so früh aufstehen mochte, kann noch bis zum 17. Mai die Vogelausstellung in der Kirche Eickelberg besuchen (wochenends 10–17 Uhr, Finissage ab 17 Uhr). Dort sind heimische Vögel mit QR-Codes zu ihren Gesängen zu sehen.



