Merz und Wadephul reagieren gelassen auf Trumps Truppenabzugsdrohung
Gelassene Reaktion auf Trumps Truppenabzugsdrohung

Die Bundesregierung hat gelassen auf die erneute Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einem Teilabzug amerikanischer Streitkräfte aus Deutschland reagiert. Kanzler Friedrich Merz und Außenminister Johann Wadephul betonten die strategische Bedeutung der US-Standorte und forderten mehr europäische Verantwortung.

Merz: Gemeinsame Übung als gutes Zeichen

Bei einem Besuch am Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster sagte Kanzler Friedrich Merz, die Bundeswehr leiste im Rahmen der Nato Seite an Seite mit den Vereinigten Staaten und den Bündnispartnern eine Arbeit an strategisch wichtigen Standorten in Deutschland. Es sei ein gutes Zeichen, dass der kommandierende General der US-Streitkräfte in Europa und Afrika am Dienstag eine gemeinsame Übung in Munster verfolgt habe. Diese Arbeit leiste man Schulter an Schulter zum gegenseitigen Nutzen und in tiefer transatlantischer Verbundenheit, fügte Merz hinzu.

Der Kanzler ging nicht direkt auf Trumps Bemerkung ein, der am Mittwoch auf seiner Plattform Truth Social geschrieben hatte, dass die USA eine mögliche Reduzierung der Truppen prüften. Es werde in Kürze eine Entscheidung getroffen, so Trump. Die Ankündigung kam kurz nach gegenseitiger Kritik zwischen Merz und Trump. Der Kanzler hatte den USA Planlosigkeit in dem von ihnen und Israel begonnenen Irankrieg vorgeworfen. Trump warf Merz daraufhin vor, dieser wolle, dass Iran Atomwaffen besitze.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Merz fordert verstärkten Sanktionsdruck gegen Iran

Merz forderte in Munster, dass der Sanktionsdruck gegen Iran erhöht werden müsse. Das militärische Nuklearprogramm im Iran müsse beendet werden, es dürfe keine Schläge mehr gegen Israel und die Partner in der Region geben, sagte er. Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul reagierte gelassen auf die Berichte über eine mögliche erneute Prüfung eines US-Truppenabzugs. Auf die Frage, ob ihn das verunsichere, antwortete Wadephul in der RTL-Sendung Nachtjournal Spezial auf seiner Reise in Rabat mit einem kurzen Nein.

Wadephul: Verschiebung von Kräften, aber keine Aufgabe wichtiger Standorte

Es werde insgesamt schon auch eine Verschiebung von Kräften geben, sagte Wadephul. Die USA hätten bereits früher unter US-Präsident Barack Obama deutlich gemacht, sich stärker auf den pazifischen Raum konzentrieren zu wollen. Wir müssen mehr übernehmen, wir müssen stärkere Schultern herausbilden, forderte er. Der europäische Pfeiler der Nato werde deshalb stärker werden. Das mag jetzt kommen. Das schauen wir uns in aller Ruhe gemeinsam miteinander an, sagte Wadephul. Auf mögliche Veränderungen bereite sich auch die Bundeswehr vor.

Einen Abzug wichtiger US-Standorte aus Deutschland sieht er nicht. Die USA brauchen diese Standorte, sagte Wadephul mit Verweis auf Ramstein, Landstuhl und Grafenwöhr. Diese dienten unserer Sicherheit ebenso wie der Sicherheit der Vereinigten Staaten. Wadephul verteidigte zudem Merz: Der Kanzler habe vollkommen richtigerweise im Grunde eine klare Warnung an Iran ausgesprochen, nun ernsthaft zu verhandeln. Das war ja die Aussage des Bundeskanzlers. Die war ja richtig, die verteidige ich. Deutschland und die Bundesregierung stünden dabei vollkommen geschlossen.

Hintergrund: Truppenstärke und frühere Drohungen

Die Drohung mit einer US-Truppenreduzierung ist nicht neu. Schon in der ersten Amtszeit hatte Trump damit mehrfach gedroht. Am Ende erhöhten die USA dann aber die Zahl der Soldaten in Deutschland. Bereits Anfang des Monats hatte ein hochrangiger US-Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters zudem gesagt, Trump habe intern über einen teilweisen Truppenabzug aus Europa diskutiert.

Nach Daten des US-Verteidigungsministeriums waren im Dezember 2025 gut 68.000 amerikanische Soldaten dauerhaft auf europäischen Stützpunkten stationiert. Mehr als die Hälfte davon, etwa 36.400, befanden sich in Deutschland. Zum Vergleich: Vor dem Fall der Berliner Mauer und dem Ende des Kalten Krieges 1985 waren es noch 250.000 Soldaten gewesen.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration