Ex-FDP-Chef Lindner: Merz kann seine Versprechen nicht halten
Lindner: Merz kann Versprechen nicht halten

Berlin – Christian Lindner ist aus der Politik ausgestiegen, doch seine Wortmeldungen bleiben scharf. Im Interview mit der „Rheinischen Post“ attackiert der frühere FDP-Chef und Finanzminister Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ungewöhnlich deutlich. Die anhaltende Kritik des Kanzlers an den Liberalen bezeichnet Lindner als Eigentor. Zwar wünscht er der schwarz-roten Koalition Erfolg, aber dann wird er konkret: Die wirtschaftliche Substanz schwinde, die Deindustrialisierung beschleunige sich. Verantwortlich seien nicht nur geopolitische Spannungen, sondern vor allem die „Enttäuschung über das Ausbleiben der Wirtschaftswende“.

Lindner wirft Merz Versagen vor

Besonders hart geht Lindner mit dem Kanzler ins Gericht. „Merz hat als Oppositionsführer unterschätzt, wie sehr Koalitionen mit linken Parteien bürgerliche Politik verwässern. Deshalb kann er seine Versprechen nicht halten“, so Lindner. Der zentrale Vorwurf: „Seine Kritik an der FDP in der Ampel kommt wie ein Bumerang zurück. Jetzt muss er selbst höhere Schulden, höhere Steuern und mehr Bürokratie verantworten – genau das, was er einst anprangerte.“

Schuldenvorwurf zurückgewiesen

Damit dreht Lindner den Spieß um. Jahrelang hatte Merz die FDP für mangelnde Wirtschaftsreformen kritisiert. Nun stehe der Kanzler selbst in der Pflicht und müsse das rechtfertigen, was er früher bekämpfte. Merz hatte in der Opposition strikte Haushaltsdisziplin und Entlastungen versprochen. Den Vorwurf, die gestiegenen Schulden seien ein Erbe Lindners, weist dieser entschieden zurück: „Falsch. In meiner Amtszeit sanken Schuldenquote und Steuerquote, obwohl mehr investiert wurde.“ Statt neuer Schulden habe er „Neuwahlen in Kauf genommen“.

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Strukturelles Problem der Mitte

Grundsätzlich sieht Lindner ein systemisches Problem: „Die Parteien der Mitte blockieren sich gegenseitig – in der Ampel war das so, und jetzt ist es nicht anders.“ Ein politisches Comeback schließt der 47-Jährige jedoch kategorisch aus. „Die Wahrscheinlichkeit, dass ich wieder kandidiere, geht gegen null.“ Seit Anfang 2026 arbeitet Lindner als stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Autoland AG und hat sich aus dem politischen Tagesgeschäft zurückgezogen.

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