Bundeskanzler Friedrich Merz hat im Streit mit US-Präsident Donald Trump versöhnlichere Töne angeschlagen. In der ARD-Sendung „Caren Miosga“ betonte er am Sonntagabend: „Ich gebe die Arbeit am transatlantischen Verhältnis nicht auf, und ich gebe auch die Zusammenarbeit mit Donald Trump nicht auf.“ Zuvor hatte Trump angekündigt, „weit mehr als 5000“ US-Soldaten aus Deutschland abzuziehen, nachdem es zu heftigen Wortgefechten zwischen beiden Regierungschefs gekommen war.
Merz: „Die Amerikaner sind unsere wichtigsten Partner“
Merz erklärte, es bleibe seine Überzeugung, dass „die Amerikaner für uns wichtige Partner sind, die wichtigsten im nordatlantischen Bündnis“. Er müsse jedoch akzeptieren, dass der US-Präsident zu Themen wie dem Irankrieg eine andere Meinung habe. Der Kanzler betonte, er habe Trump früh klargemacht: „Wenn du willst, dass wir dir bei einem solchen Konflikt helfen, dann ruf uns vorher an und frag uns.“
Truppenabzug und Tomahawk-Stationierung
Zum angekündigten Truppenabzug sagte Merz: „Es wird vielleicht ein bisschen zugespitzt, aber neu ist es nicht.“ Er bestätigte zudem, dass die von Trumps Vorgänger Joe Biden zugesagte Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern zunächst nicht erfolgen werde. „Die Amerikaner haben zurzeit selbst nicht genug“, so Merz. Der Zug für eine Stationierung der Mittelstreckenraketen sei aber „nicht abgefahren“.
Unzufriedenheit mit der Regierungsarbeit
Merz äußerte sich auch zur aktuellen Unzufriedenheit mit der schwarz-roten Koalition in Umfragen. „Ich nehme den Missmut natürlich ernst“, sagte er, verwies aber darauf, dass dies „ein Phänomen“ sei, „das auch anderen Regierungen widerfahren ist“. In einer aktuellen Umfrage der „Bild am Sonntag“ hatten sich 76 Prozent der Befragten unzufrieden mit der Regierungsarbeit gezeigt. Auf die Frage nach der Vertrauensfrage antwortete Merz: „Das ist für jeden Bundeskanzler immer eine Option, aber eine Option, über die ich im Augenblick keine Veranlassung habe nachzudenken.“
Zoff mit dem Koalitionspartner SPD
Der Kanzler forderte mehr Kompromissbereitschaft von der SPD. „Die Handschrift der Union wird in der Regierung bisher nicht ausreichend deutlich“, kritisierte Merz. In der Union gebe es „einen größer werdenden Unmut über Kompromisse“ mit der SPD. Er appellierte an die SPD-Chefs Bärbel Bas und Lars Klingbeil: „Unterschätzt die Stimmung in der Union nicht, die wird unfreundlicher.“ Merz betonte: „Kompromisse sind keine Einbahnstraße.“
Merz verteidigt seinen Kommunikationsstil
Angesichts von Wirbel um mehrere seiner Äußerungen sagte Merz: „Ich möchte nicht rund wie ein Kieselstein reden und werden.“ Das sei nicht seine Kommunikation. „Ich gehe damit hin und wieder ein gewisses Risiko ein“, räumte er ein. „Aber ich glaube umgekehrt, viele Menschen in diesem Land wollen wissen, was ihre Politiker denken. Und ich versuche, das auf meine Art zum Ausdruck zu bringen.“
Trumps Zollpläne und EU-Abkommen
Zu den von Trump angekündigten höheren Zöllen für Autos aus der EU sagte Merz: „Er will ganz Europa treffen.“ Trump sei „zu Recht ein bisschen enttäuscht“, dass die EU mit dem im August 2025 vereinbarten Zollabkommen mit den USA nicht zu einem Abschluss gekommen sei. Im Europäischen Parlament gebe es bis heute Widerstände. Merz wünschte sich „dass wir hier möglichst schnell zu einem Abkommen kommen“.
Deutschlands WM-Chancen und Fußball
Merz zeigte sich zuversichtlich für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der WM in den USA, Mexiko und Kanada. „Die deutsche Mannschaft ist im Augenblick so gut aufgestellt und hat sich so gut entwickelt, dass sie die Chancen hat, in die letzten Runden zu kommen, ins Halbfinale, und wenn es richtig gut läuft, kann sie auch ins Finale kommen.“ Sollte es so kommen, werde er „selbstverständlich“ zum Endspiel fahren. Zudem verurteilte Merz Hasskommentare gegen Union Berlins Trainerin Marie-Louise Eta. „Was da stattfindet, ist unerträglich, und das beleidigt den Fußball.“



